Darum sind wir bei der Digitalisierung so sehr hintendran

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Jens Wolters
SWR1 Moderator Jens Wolters (Foto: SWR, SWR1)

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Wissen Sie, was die großen Internetgiganten alles über Sie wissen? Vermutlich nicht. Michael Resch ist der Ansicht, dass wir alle von uns selbst "eine gläserne Kopie im Internet" erstellen. Das Thema Datenschutz wird von der Gesellschaft und der Politik vernachlässigt.

»Es gibt diese netten kleinen Geräte, denen man zurufen kann: Mach' mal was für mich! Die stellen wir uns ins Wohnzimmer. Das ist ein Abhörgerät!«

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Gleichzeitig gibt es noch sehr viel zu tun in Sachen Digitalisierung für den Industriestandort Deutschland. Die Bundesregierung sei bei der Digitalisierung sehr bemüht, aber noch ziemlich schwach in der Umsetzung.

Kaum Informatikunterricht in der Schule

Eines der zentralen Probleme: Die fehlende digitale Bildung in der Schule.

»In den 80ern und 90ern haben wir gesagt Digitalisierung ist ein Problem, weil wir die Lehrer noch nicht haben, die die Ausbildung machen können. 2022 haben wir die Lehrer noch immer nicht.«

Es gibt zu wenige Informatiklehrer, ist sich Resch sicher. Die Konsequenz: Die Studierenden an den Unis haben kaum Informatik-Kenntnisse.

Digitalwüste Deutschland

Andere Länder machen das besser - hier haben die Schüler oft vier bis sechs Jahre Informatikunterricht.

»Ich frage die Studierenden: 'Wer hat im Schulunterricht schon etwas gelernt über Programmierung?' Vor 20 jahren haben ein Drittel die Hand gehoben, heute sind es nur noch 10 bis 20 Prozent.«

Aufgefallen ist Michael Resch dieses Digitalisierungs-Defizit in seiner täglichen Arbeit. "Digitalwüste Deutschland" heißt sein Buch, das er daher geschrieben hat, um Schwachstellen offen zu legen.

»Das Internet, verzeiht weder Ironie noch Spott, es versteht keinen Zynismus, keine Satire. Es hat keine Schattierungen. Es ist purer Text und das führt zu Missverständnissen und das führt zu Aggressivität.«

Der Mathematiker besitzt viele akademische Titel, manche sogar doppelt, und der Mathematiker leitet als Direktor das Bundes-Höchstleistungsrechenzentrum in Stuttgart.

Die Zukunft berechnen

Was vielleicht spröde nach viel Zahlenwerk klingt, füllt er mit Leben. Er erstellt mit seinem Team verschiedene Modelle um Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich etwa die Bereiche Naturwissenschaften, Auto-Industrie, Luft- und Raumfahrt, Klimaforschung oder auch Medizintechnik in den nächsten Jahren entwickeln werden.

»Wir brauchen einen Mentalitätswechsel im Bezug auf die Digitalisierung, da viele noch sehr skeptisch sind, gegenüber Neuerungen.«

Das Denken ändern

Doch bei aller Technik, die damit zusammenhängt, sagt Michael Resch, dass es an uns liegt. Wir müssen offen sein für Neues und weniger Angst vor Veränderung haben. Deshalb wünscht er sich einen Mentalitätswechsel, damit Deutschland der Digitalisierung nicht weiter hinterherläuft.

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