Standpunkt Bürgergeld - Zeit für einen Systemwechsel

STAND
AUTOR/IN
Nickschas, Jim-Bob

Audio herunterladen (1,5 MB | MP3)

[Kommentartext:]

Hartz IV war für viele Menschen ein Stempel auf der Stirn, den sie nur schwer wieder abwischen konnten. Mehr Demütigung als Ermutigung – genau diesen Fehler will die Bundesregierung nun endlich korrigieren.

Der Anspruch, mit dem sie das macht, ist aller Ehren wert: Zum Beispiel durch mehr Augenhöhe und weniger Angst: Dass Arbeitslose länger in ihrem aktuellen Zuhause bleiben und von ihrem Ersparten mehr behalten dürfen, schafft ein gewisses Maß an Sicherheit – wenn schon die Gewissheit eines sicheren Arbeitsplatzes dahin ist. Dass den Menschen in den Briefen vom Jobcenter nicht mehr sofort mit Sanktionen gedroht wird, legt die Basis für Vertrauen – um gemeinsam an einer Rückkehr in die Erwerbstätigkeit zu arbeiten, so wie es das Gesetz zum Bürgergeld vorsieht.

Genau daran haben wohl auch die meisten Menschen, die ihren Job verlieren, ziemlich großes Interesse. Auch wenn Vertreter aus der Wirtschaft, wie Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger oder Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer, ihnen das Gegenteil unterstellen – wenn sie behaupten, das neue Bürgergeld reduziere für viele eher den Anreiz zu arbeiten.

Sie skizzieren damit das Bild einer bequemen sozialen Hängematte, in die sich arbeitslose Menschen angesichts der geplanten Erhöhung der Regelsätze und gelockerter Sanktionen noch lustvoller fallen lassen. Diese Fälle gibt es zwar, doch in der Allgemeinheit kann davon keine Rede sein, erst recht nicht in Zeiten einer Inflation. Denn „Bürgergeld“ klingt vielleicht angenehmer als „Hartz IV“ – angenehm ist das Leben von knapp 20 Euro am Tag aber weiterhin nicht.

Dennoch muss sich das neue System in den kommenden Jahren freilich beweisen: Noch ist unklar, ob es gelingt, vor allem Langzeitarbeitslose über Weiterbildungen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Einen Versuch jedoch ist das allemal wert – die Zeit ist reif für einen echten Systemwechsel.

STAND
AUTOR/IN
Nickschas, Jim-Bob