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SWR1 Sonntagmorgen

Danke sagen - Vom Dankbarkeitstagebuch bis zum Dankbarkeitstraining mit der App

Stand
Autor/in
Hans Michael Ehl

Was uns ärgert, beschäftigt uns stark. Was gut läuft, scheint dagegen selbstverständlich. Dankbarkeit für das Gute kann aus dem alltäglichen Grübeln raushelfen. 

Dankbare Menschen sind zufriedener, gelassener und weniger anfällig für psychische Erkrankungen. Das zeigen medizinische und psychologische Studien. Etwa der US-Wissenschaftler Paul J. Mills hat erforscht, wie Menschen mit Ängsten oder Sorgen von Dankbarkeitstrainings profitieren. Dankbarer zu sein, wirke sich zum Beispiel positiv auf die mentale Stärke von Menschen aus.

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Raus aus dem negativen Gedankenkarussell

Der Gesundheitspsychologe Professor Dirk Lehr von der Universität Lüneburg hält Dankbarkeitstrainings für wichtig, um mehr Positives in den Kopf zu bekommen und nicht mehr ständig zu grübeln. Gerade für Menschen mit Ängsten und Sorgen sei das eine wichtige Hilfe, sagt der Dankbarkeitsexperte im SWR1-Interview. So sei auch eine bessere Balance herzustellen zwischen dem Schwierigen, das anzuerkennen sei, und dem Positiven der Momente, auf die ich dankbar schaue.

Dankbarkeitstagebuch schreiben

Eine Möglichkeit, mehr Dankbarkeit im Alltag zu praktizieren, ist ein Dankbarkeitstagebuch. Meist am Abend nimmt man sich einige Minuten Zeit, um den Tag Revue passieren zu lassen und zu notieren, für welche Situationen man dankbar ist. "Ich kann auch einfach mal an meine eigene Lebensbiografie zurückdenken und an Phasen …, wo andere Menschen … etwas Wichtiges zu meinem Leben beigetragen haben, um … mal die Vogelperspektive über den Moment hinaus zu bekommen", rät Professor Dirk Lehr. "Wie aus einem Bewegungsmuffel nicht über Nacht ein Fitnesskönig wird, so ist es auch bei Dankbarkeitsmuffeln", sagt Lehr. Wir sollten uns ein bisschen Übungs- und Trainingszeit geben, um uns weiterzuentwickeln.

Closeup of a woman holding her chest while breathing for calm, peace and zen mindset for meditation.

Dankbarkeit trainieren per App

Inzwischen gibt es viele Apps, mit denen Dankbarkeit eingeübt werden kann. Professor Dirk Lehr hat mit seinem Team an der Universität Lüneburg auch eine solche App (GET.ON) entwickelt. Im Wesentlichen funktioniert sie wie ein Dankbarkeitstagebuch. Es kann regelmäßig aufgeschrieben werden, was dankbar macht oder wem man dankbar sein möchte. Für alle, die nicht gern schreiben, lassen sich auch Bilder einfügen, die die eigene Dankbarkeit ausdrücken. Bilder lösten gefühlsmäßig noch mal mehr aus, als das bloße Aufschreiben, sagt Lehr. Außerdem enthält die App 15 Übungen zur Dankbarkeit, für die im wöchentlichen Rhythmus etwa eine Stunde benötigt wird. Dabei wird zum Beispiel gefragt, welche Menschen in meinem Leben wichtig waren, denen ich noch nie gedankt habe.

Nicht das Glücklichsein führt zur Dankbarkeit, sondern das Dankbarsein zum Glücklichsein.

Breite Palette der SWR1-Aktion "Zeit für ein Danke"

Im Gespräch über unsere SWR1-Aktion "Zeit für ein Danke" macht der Dankbarkeitsexperte Dirk Lehr deutlich, wie vielfältig die Situationen sind, in denen Menschen danken: vom Dank an den Bäcker für die Brezel am Samstag bis zum Dank eines Mannes an seinen Bruder für die Spende einer Niere. An den Rückmeldungen der SWR1-Hörerinnen und -Hörer werde auch deutlich, sagt Lehr, "dass Dankbarkeit nicht nur ein Schönwettergefühl ist". "Wenn zum Beispiel nach dem Tod eines Angehörigen … zuerst Trauer angezeigt ist, aber trotzdem immer so etwas durchscheint von Dankbarkeit für die Zeit, in der die Verstorbene da war und einen wichtigen Beitrag zum Leben der Hinterbliebenen geleistet hat."

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Der Standpunkt in unserer Sendung Es ist Zeit für Zivilcourage. Von Susanne Babila

Ich bin erschüttert und kann kaum glauben, dass sich - 85 Jahre nach der Reichspogromnacht - Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht mehr sicher fühlen können. Sich nicht mehr trauen, öffentlich Hebräisch zu sprechen, eine Kippa zu tragen oder ihre Kinder in die Schule zu schicken. Und in Deutschland Synagogen zu bombensicheren Festungen gemacht werden müssen. Wenn vor deutschen Rathäusern Israel-Flaggen verbrannt oder antisemitische Parolen gerufen werden, dann ist es höchste Zeit gegen den Haß die Stimme zu erheben, Zeichen zu setzen und in den Dialog zu treten. 
Mit Menschen, die nicht wahrhaben wollen, dass das sogenannte Heilige Land die Heimat beider Völker ist – der Palästinenser wie auch der Israelis. Menschen, die nicht anerkennen, dass Israel sich wehren muss, wenn seine Bürgerinnen und Bürger verschleppt und bestialisch ermordet werden. Menschen, die ihren Israel-Hass auf jüdische Deutsche übertragen. 
Und es ist höchste Zeit uns mit Muslimen zusammenzuschließen, die mit Juden und Jüdinnen in Deutschland befreundet sind; mit Palästinensern, die Angst um ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte in Gaza haben, aber Antisemitismus verabscheuen. Die in Deutschland friedlich leben wollen, aber für die terroristischen Gewalttaten in Sippenhaft genommen werden. Mit ihnen müssen wir reden, sie zu Wort kommen lassen. Denn nur gemeinsam können wir dem Hass die Stirn bieten. Es ist Zeit für Zivilcourage – wenn nicht jetzt, wann dann? Wir alle müssen Gesicht zeigen und aufstehen, wenn Juden bedroht, beleidigt oder angegriffen werden. Und das heißt auch, gegen das Vergessen - für Versöhnung und Menschlichkeit zu werben, Mit Herz und Verstand, jetzt und heute.

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Autor/in
Hans Michael Ehl