Zwei Bibein weder ausgetauscht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

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Ökumenischer Bibelsonntag: Über das Buch der Bücher

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Sie ist das meistverkaufte Buch der Welt und wurde in über 3000 Sprachen übersetzt: die Bibel. Trotzdem ist vieles über die Bibel kaum bekannt. Um das zu ändern begehen Kirchengemeinden am letzten Sonntag im Januar den Bibelsonntag.

Der Bibelsonntag soll ein Anlass sein, die Bibel als Inspirationsquelle wieder neu zu entdecken. Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Baden-Württemberg wurde 1976 der erste gemeinsame Bibelsonntag gefeiert. Im Mittelpunkt steht die Ökumene und die gemeinsame Beschäftigung mit der Bibel, die als gemeinsame Grundlage die verschiedenen christlichen Konfessionen miteinander verbindet.

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Die Bibel fusst in zwei Weltreligionen: Dem Judentum und dem Christentum. Der ältere Teil ist in Hebräisch, der jüngere, christliche Teil - das Neue Testament - ist in Griechisch verfasst. Die Tora - genauer gesagt die fünf Bücher Moses der hebräischen Bibel - bildet den Anfang der Bibel. Das sei vielen Menschen heute gar nicht mehr bewusst, sagt Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des katholischen Bibelwerks in Stuttgart. Diese Texte erzählen die Geschichte der Erschaffung der Welt, bis zu Mose, der das Volk durch die Wüste geführt hat und dann ins von Gott verheißene Land einzieht. Und sie sind gleichzeitig, unter anderem durch die Zehn Gebote, das Grundgesetz dafür, wie man als Gemeinschaft in einem Land lebt.

Erzählungen, poetische Gedichte und Gesetzestexte

Die Bibel enthält verschiedene literarische Gattungen: Gesetzestexte ebenso wie märchenhaft-legendenhafte Erzählungen, historisch anmutende Berichte, Briefe und Gedichte in Gebetsform wie etwa die Psalmen, sagt Katrin Brockmöller. Die meisten Texte des Bibel-Kanons sind im Laufe ihrer Entstehung immer wieder redigiert worden. Die Bibel wurde also von vielen Autoren geschrieben. Wie üblich bei antiker Literatur unterschrieben die Verfasserinnen und Verfasser ihre Texte nicht.

Aufgeschlagene Bibel (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Das Alte Testament war etwa um 100 bis 150 Jahre vor Christus abgeschlossen. „Manche sagen auch, es geht eigentlich noch viel weiter und die Tatsache, dass der jüdische Kanon abgeschlossen wurde, sei eigentlich eine Folge des entstehenden Christentums gewesen. Man musste eigenes klarer regeln, weil man plötzlich konfrontiert war mit einer Weiterentwicklung“, erklärt Brockmöller.

Erst im 16. Jahrhundert wird der Bibelkanon festgelegt

Im christlichen Kanon, also im Neuen Testament sind die Bücher so um 100 bis 150, spätestens 200 nach Christus abgeschlossen. Erst relativ spät im 16. Jahrhundert, auf dem Konzil von Trient, ist definitiv kirchlich-katholisch geregelt, welche Bücher wirklich zum Kanon gehören.

Das Neue Testament umfasst 27 Bücher: die vier Evangelien von Markus, Lukas, Matthäus und Johannes, die Apostelgeschichte, Briefe und die Offenbarungen. Während die vier Evangelien die Lebensgeschichte Jesu erzählen, berichtet die Apostelgeschichte vom Leben der ersten Gemeinden, wie ging es nach dem Tod Jesu weiter ging.

Bibeln im Bücherregal (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Die Paulusbriefe sind die ältesten Zeugnisse der Bibel

Die ältesten Zeugnisse sind dabei die Briefe, die der Apostel Paulus und andere Apostel an die Gemeinden schrieben, mit denen sie verbunden waren und in denen sie Fragen aus dem Gemeindeleben beantworten. Die zweite und dritte Generation erst schrieb die Evangelien. Die Idee dahinter sei gewesen, so Brockmöller, so über Jesus zu erzählen, dass man ihm nachfolgen kann.

Bei der Offenbarung handele es sich eigentlich um Trostworte für die bedrängten und verfolgten Gemeinden. „Sie sollen eigentlich Hoffnung schaffen. Das neue Jerusalem kommt vom Himmel. Das ist die Vision, die am Ende steht und die soll einfach Hoffnung machen in schwierigen Zeiten“, erklärt Katrin Brockmöller.  

Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

Moderatorin am Sonntagmorgen

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