Der Standpunkt von Susanne Henn, SWR Umweltredaktion

Ein Anfang, aber mehr noch nicht - die geplante Tierhaltungskennzeichnung

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Wenn in hoffentlich naher Zukunft auf dem Schnitzel, das ich kaufe, eine Zahl zwischen 1 und 5 steht, dann weiß ich, ob das Schwein von dem das Schnitzel stammt, in einem engen Stall mit wenig Licht und Frischluft leben musste, ob es ein wenig mehr Platz hatte und vielleicht mal die Sonne gesehen, ob es etwas Auslauf hatte oder unter Bio-Bedingungen aufgewachsen ist. Das weiß ich aber nur bei meinem Schnitzel, schon beim Steak oder der Hühnerbrust erfahre ich es nicht, denn für diese Tiere soll die Kennzeichnung erst später irgendwann kommen. Auch über Transport und die Schlachtung sagt das neue Label nichts aus. Und auch nichts darüber, wie das Tier gefüttert wurde und ob es möglicherweise häufiger Antibiotika schlucken musste.  Das ist sehr wenig, aber es ist besser als nichts. Wir haben schon eine Reihe Siegel, die sehr viel strengere Kriterien haben und bei denen man davon ausgehen kann, dass es den Tieren zumindest besser ging als gesetzlich vorgeschrieben. Das Problem ist nur: All diese Siegel sind freiwillig. Die gesetzliche Kennzeichnung hingegen ist dann für alle Tierzüchter vorgeschrieben. Das ist wichtig, ein Schritt in die richtige Richtung, aber der Weg ist noch lang und es ist wichtig, dass er jetzt zügig beschritten wird. Also eher joggen als spazieren. Schon sehr bald müssen alle tierischen Produkte entsprechend gekennzeichnet sein. Und das muss dann auch engmaschig kontrolliert werden. Alle paar Jahre mal, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, reicht da nicht aus.

Wie gesagt – andere Label, etwa vom Tierschutzbund aber auch von der Initiative Tierwohl verlangen mehr und es gibt auch Verbraucher, die dieses "mehr" wollen. Dass diese Label nicht verdrängt werden, weil es für Landwirte leichter ist, eine Kennzeichnung ohne große Kontrollen zu bekommen und trotzdem mehr Geld verlangen zu können, dafür muss die Politik sorgen.

Und die Verantwortung geht auch an uns, die Verbraucher. Denn das ist EIN Vorteil der geplanten Haltungskennzeichnung: Niemand kann in Zukunft mehr sagen, er hätte es ja nicht gewusst. Wer in Zukunft noch zu Stufe 1 oder 2 greift oder zu billiger Ware aus einem Land, in dem es keine strengen Regeln gibt, der hat dann aber auch jedes Recht verloren, in Feierabenddiskussionen mehr Tierwohl zu verlangen.

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