Eine Fahne der Ukraine steckt vor Beginn eines Konzerts an einem Instrument des Kyiv Symphony Orchestras auf der Bühne im Kulturpalast (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Robert Michael)

SWR1 Sonntagmorgen

Hilfe für die gefährdete Kunst und Kultur der Ukraine

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Gemälde, Denkmäler, Kirchen - den Kulturgütern der Ukraine droht die Zerstörung. Viele Musiker, Schauspieler, Balletttänzer und bildende Künstler könnten nicht mehr arbeiten. Zahlreiche Initiativen in Deutschland wollen dem etwas entgegensetzen.

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Kulturgüter zu bewahren, ist für den Mainzer Professor für Kunstgeschichte Matthias Müller gerade in Kriegszeiten wichtig. "Wenn der Mensch keine Kultur besitzt und auch keine Kunstwerke mehr um sich herum hat, und dazu gehören ja auch schöne Architekturen oder auch die Überlieferungen in den Bibliotheken und Archiven – wenn das alles weg wäre, dann würde der Menschen nicht nur verkümmern, er würde eigentlich aufhören zu existieren", sagt er.

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Wenn der Mensch keine Kultur besitzt und auch keine Kunstwerke mehr um sich herum hat (...) dann würde der Menschen nicht nur verkümmern, er würde eigentlich aufhören zu existieren.

Die Zerstörung und Plünderung von Kunstwerken und Kunstgütern sei schon immer als Kriegswaffe eingesetzt worden, etwa im dreißigjährigen Krieg oder unter Napoleon. Auch Russland bombadiere in der Ukraine gezielt Museen oder bringe Kunstwerke nach Russland, so Müller.

Mit anpacken für den Schutz von Kulturgütern

Deswegen engagiert sich Matthias Müller beim "Netzwerks Kulturschutz Ukraine". Hier organisieren Wissenschaftler und Logistiker Hilfstransporte in die Ukraine. In den Lastwagen befinden sich dringend notwendige Verpackungsmaterialien und Transportkisten für wertvolle Gemälde, Werkzeuge für die Restaurierung und Luftentfeuchter - alles, um Kunstwerke und Kulturgüter vor Bombenangriffen oder Plünderung zu schützen. Zu den Hilfsgütern gehören auch Spezialfeuerlöscher. Und wir liefern mittlerweile Notstromaggregatettet für Museen, berichtet Matthias Müller. Seit Beginn des Krieges wurden schon mehr als 1.300 Europaletten mit Holzkisten, Feuerlöschern oder Luftpolsterfolie über die Grenze gebracht.

Große und kleine Initiativen unterstützen ukrainische Künstler

In Deutschland haben sich inzwischen einige Initiativen gebildet, die Künstlerinnen und Künstler auch ganz praktisch unterstützen. Im Theater der Stadt Heidelberg beispielsweise sind kleinere Stellen und Jobs geschaffen worden, um aus der Ukraine geflüchteten Künstlern Arbeitsplätze anbieten zu können. Derzeit sind sieben ukrainische Flüchtlinge am Theater der Stadt Heidelberg in verschiedenen Bereichen beschäftigt, beispielsweise als Saxophonist, als Autorin oder als Requisiteur.

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Ukrainische Künstler in Baden-Württemberg vernetzen

Die "Kulturhilfe Ukraine" wurde kurz nach Kriegsbeginn am Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst eingerichtet. Sie will den Kontakt zwischen geflüchteten Kunst- und Kulturschaffenden sowie Kulturinstitutionen aus Baden-Württemberg herstellen. Geflohene Künstler und Künstlerinnen können sich jederzeit an die Stelle wenden, sagt Larysa Kharchenko. Ihre Stelle brachte bereits einige Künstler mit Galerien in Kontakt, so dass sie erfolgreich Ausstellungen durchführen konnten, berichtet sie. Auch sei es gelungen, viele darstellende Künstler an Theater zu vermitteln. Momentan hat die "Kulturhilfe Ukraine" rund 160 Künstlerinnen und Künstler oder Ensembles in ihrer Kartei.

Angehende Musiker setzen ihre Ausbildung in Deutschland fort

Ebenfalls mit Sitz in Stuttgart engagiert sich auch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Sie hat inzwischen rund 30 ukrainische Musikstudierende aufgenommen, die hier ihr Studium ohne große Unterbrechungen fortsetzen können.

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Viele Helfen, auch Irina Starostina. Sie war Solo-Balletttänzerin an der Staatsoper in Kiew und später am Staatstheater in Mainz. Seit mehreren Jahren leitet sie in Mainz die von ihr gegründete Ballettschule "Star Ballett". Nach Kriegsausbruch hat die Ballettlehrerin zwanzig Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an ihrer Schule aufgenommen, damit diese ihr Training fortsetzen können. Denn lange Pausen können einen angehenden Tänzer stark zurückwerfen in seiner Ausbildung.

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Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

Die Krawalle in der Silvesternacht, die Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte mit Böllern und Raketen haben heftige Diskussionen ausgelöst. Was sind die Ursachen für diese Angriffe? Und wie kann man solche Gewalt künftig verhindern? In Berlin soll es dazu demnächst ein Gipfeltreffen geben. Aber Angriffe gab es ja auch in anderen Städten, zum Beispiel in Koblenz, Mannheim und Kehl. Hören Sie den Standpunkt von Mark Kleber:

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Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

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