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Vor allem im Internet kursieren unzählige Falschmeldungen zu möglichen Haus- und Wundermitteln gegen eine Coronainfektion. Anja Braun aus der SWR-Wissenschaftsredaktion geht zehn von ihnen auf den Grund.

1. Teebaumöl

Nein, weder das Verdunsten von Teebaumöl noch das Auftragen auf die Haut verhindern eine Infektion mit dem neuen Coronavirus. Dass Teebaumöl antiviral wirken soll, wird immer wieder propagiert - nicht erst seit der Corona-Pandemie. Doch diesen Effekt konnten Wissenschaftler anhand von Studien bis heute nicht endgültig belegen. In Deutschland liegt keine arzneimittelrechtliche Zulassung für Teebaumöl vor. Teebaumöl wird jedoch von vielen Menschen äußerlich angewendet - zum Beispiel bei Warzen, Insektenstichen, Akne und Lippenherpes. Teebaumöl sollte aber auf keinen Fall oral eingenommen werden, denn es ist giftig.

2. Regelmäßiges Saunieren

Sauna (Foto: Colourbox)
Regelmäßiges saunieren verbessert die Durchblutung.

Hilft auch nicht gegen eine Infektion mit Corona - es sei denn, man würde sich auf der obersten Saunabank mit 90 Grad Temperatur dauerhaft häuslich niederlassen. Denn bei 90 Grad überlebt das Virus nicht. Da man sich aber nicht nur auf den oberen Saunabänken aufhält, sondern auch Zeit in Warmlufträumen bis 80 Grad, Dampfbädern, Ruheräumen, Umkleiden und Duschen verbringt, führt der Saunabesuch nicht zur Virusreduzierung. Sicher ist aber, dass regelmäßiges Saunieren zu besserer Durchblutung von Haut und Schleimhäuten führt und so insgesamt die Infektanfälligkeit deutlich senken kann.

3. Mit einer Kochsalzlösung gurgeln

Es hat sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang nicht gezeigt, dass das Gurgeln mit Salzwasser tatsächlich Atemwegsinfektionen verhindern kann. Deshalb schützt diese Praxis auch nicht vor einer Ansteckung mit Coronaviren. Es gibt aber Hinweise darauf, dass regelmäßiges Nasenspülen mit Kochsalzlösung und Gurgeln mit Kochsalz Menschen helfen kann, sich schneller von einer normalen Erkältung zu erholen.

4. Vitamin D

Ob das hilft, weiß man noch nicht genau. Eine britische Studie hat Ende April einen Zusammenhang zwischen niedrigeren Vitamin-D-Werten in der Bevölkerung und einer höheren Zahl an Covid-19-Todesfällen festgestellt. Eine aktuelle indonesische Studie kommt zum gleichen Ergebnis. Die Forscher beider Studien sagen aber selbst, dass noch weitere Studien nötig sind, um zu klären, ob eine höhere Vitamin-D-Zufuhr das Sterberisiko von Covid-19-Patienten wirklich senkt. Gut möglich ist auch, dass es gar keinen ursächlichen Zusammenhang gibt: Senioren haben in der Regel eher einen Vitamin-D-Mangel als junge Menschen, und sie erkranken schwerer an Corona - das kann also eine rein zufällige Übereinstimmung sein. Generell kann man sagen, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D einen positiven Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat. Und eine gute körperliche Verfassung ist natürlich auch bei Covid-19 hilfreich. Zu viel Vitamin D durch Präparate kann sogar schädlich sein. Laut dem Robert-Koch-Institut kann eine Überdosierung zum Beispiel zu Bauchkrämpfen, Erbrechen oder sogar Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen führen.

5. Vitamin C

Vitamin C (Foto: Colourbox)

Hilft wahrscheinlich nicht. Es gibt aber noch keine Forschungsarbeiten zu Vitamin C und Coronaviren. Was man weiß ist, dass eine regelmäßige Vitamin-C-Einnahme nicht verhindert, dass Menschen sich erkälten. Und Erkältungen werden oft von Viren verursacht, darunter auch Coronaviren. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist eine gute Versorgung mit Vitamin C wichtig für ein funktionierendes Immunsystem. Im Zhongnan Krankenhaus im chinesischen Wuhan läuft derzeit eine wissenschaftliche Studie zur Behandlung von Covid-19-Lungenentzündungen mit Vitamin-C-Infusionen. Erste Ergebnisse werden Ende 2020 erwartet.

6. Ibuprofen

Nein, vorbeugend Schmerzmittel einzunehmen, hilft nicht gegen Corona. Schmerzmittel sollte man nie ohne Anlass einnehmen. Ist man dagegen bereits an Corona erkrankt, können Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung gegeben werden. Generell wird geraten, kein Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat zu nehmen.

7. Antibiotika

Nein, Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren und sollten generell nie ohne Verschreibung oder präventiv eingenommen werden. Antibiotika helfen nur bei der Behandlung, wenn ein Coronavirus-Erkrankter noch eine bakterielle Zusatzerkrankung bekommt.

8. Aufgeschnittene Zwiebeln und Knoblauchzehen in der Wohnung verteilen

Knoblauch (Foto: Colourbox)
Zwiebel und Knoblauch helfen kaum gegen Viren und Bakterien.

Leider können Zwiebeln und Knoblauch keine Bakterien und Viren aus der Luft saugen. Echtes Lüften bringt da deutlich mehr. Zwiebeln und Knoblauch enthalten aber Stoffe, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken können. Es schadet daher nicht, die Mahlzeiten mit Zwiebeln und Knoblauch anzureichern.

9. Heißes Wasser trinken

Nein, das hilft nicht. Denn wenn das Wasser so heiß ist, dass die Viren tatsächlich abgetötet werden, dann können wir es auch nicht mehr trinken. Das Wasser muss ja über 60 Grad heiß sein, da würden wir beim Trinken üble Verbrennungen im Mund und in der Speiseröhre bekommen. Sehr gefährlich - bitte nicht versuchen.

10. Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel

Nein, das bringt leider gar nichts. Eine glutenfreie Ernährung bringt nicht an Zöliakie leidenden Menschen auch keine anderen Vorteile. Im Gegenteil: Wissenschaftler vom Columbia University Medical Center in New York und der Harvard Medical School in Boston stellten fest, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen glutenfreier Ernährung und Herzproblemen.

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