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Roter Zierkies, Steinplatten und kein Grün - so sehen viele rheinland-pfälzische Vorgärten aus. Doch was Hausbesitzer als schick und praktisch definieren, erweist sich zunehmend als Problem für die Artenvielfalt und Umwelt. Immer mehr Kommunen reagieren.

In Kaiserslautern herrscht bereits ein Verbot für Neubauten. Auch in Neuwied ist man sich einig und streicht in Neubaugebieten die Möglichkeit, Steingärten anzulegen. In Bad Neuenahr-Ahrweiler wird es dieses Verbot in den neuen Bebauungsplänen ebenfalls geben. Auch in Koblenz und in Andernach werden die Bürger angeregt, Gärten zu bepflanzen und zu begrünen statt Schottergärten anzulegen.

Darf mir die Kommune überhaupt einen Steingarten verbieten?

Eine Kommune kann in neuen Bebauungsplänen eine Steingarten-Gestaltung untersagen. Bereits bestehende Schottergärten sind davon allerdings nicht betroffen. Das Land Rheinland-Pfalz habe bereits eine Formulierung im Baugesetzbereich, erklärte Umweltministerium Ulrike Höfken (Grüne) im SWR-Interview. Diese besagt, dass Schottergärten nicht sein sollen und dass Kommunen die Möglichkeit haben, das für die neuen Gebiete auch zu verhindern.

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Wieso werden Schottergärten nicht gerne gesehen?

Schottergärten würden meist sehr steril angelegt und hätten eine Vliesunterlage. Dadurch seien sie quasi der Natur entzogen und wirkten wie eine betonierte Fläche in der Landschaft, erklärt das rheinland-pfälzische Umweltministerium.

Durch die fehlenden Blühpflanzen würden Insekten keine Nahrung finden. Außerdem seien der Abbau und das Zermahlen der Steine sowie der Transport energieintensiv. Das Unkrautvlies verbrauche bei der Herstellung ebenfalls reichlich Energie und Erdöl und erzeuge außerdem noch problematischen Müll bei der Entsorgung, heißt es weiter.

"Pflanzen binden CO2, ein Schottergarten nicht", sagt Klimawandel-Anpassungscoach Christian Kotremba. "Solche Flächen heizen sich viel schneller auf." Dichtes Blattwerk von Bäumen und Sträuchern im Vorgarten hingegen filtere Staub aus der Luft und würde kühlen. Schotter könne das nicht, so Kotremba. Auch das Umweltministerium stimmt dem zu: "Grüne Gärten sorgen für mehr Kühlung. Artenschutz ist auch Klimaschutz."

Außerdem zählten Schottergärten zur Flächenversieglung, was zur Folge habe, das Regenwasser nicht mehr vernünftig versickern könne. Das wirke sich negativ auf die Grundwasserneubildung aus, so der Klimawandel-Experte.

Ich möchte einen pflegeleichten Garten - was sind die Alternativen?

Eine Alternative zu Stein sind Bodendecker. Die niedrigen Pflanzen füllen ganze Flächen und lassen kaum Unkraut durch. Polsterdost (Origanum vulgare) oder Polsterphlox (Phlox subulata) sowie Fetthennen (Sedum) und Steinbrech (Saxifraga) benötigen kaum Pflege und kommen mit wenig Wasser aus.

Ziergräser sind nicht nur Hingucker und Sichtschutz, sie sind auch unkompliziert und haben ähnliche Eigenschaften wie Bodendecker. Als Kompromiss können manche Ziergrasarten gut mit Kies kombiniert werden.

Außerdem können Sträucher und Büsche einen Garten ohne viel Pflege verschönern. Kornelkirsche und Schlehe sind pflegeleicht und bieten vielen Tieren Nahrung.

Eine weitere Möglichkeit sind Stauden - sie wachsen über Jahre und vermehren sich bei günstigen Bedingungen. Somit muss das Beet nicht jedes Jahr neu bepflanzt werden.

Auch viele Kräuter wie zum Beispiel Salbei, Lavendel oder Thymian kommen mit wenig Wasser aus und wachsen fast von allein.

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