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Alle hoffen auf ein schnelles Ende der Corona-Pandemie. Aber verschwinden Viren einfach und das Leben wird wieder normal? Ein Blick in die Geschichte zeigt: So einfach ist es nicht.

Keine Maske mehr im Bus und keine Konaktbeschränkungen mehr: Viele Menschen wünschen sich ihren Alltag zurück. Doch ein Ende der Corona-Pandemie scheint noch nicht in Sicht. Wie ein mögliches Ende aussehen könnte, zeigen vergangene Pandemien.

Medizinisches oder soziales Ende

So gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Pandemien enden können. Man spricht etwa von einem medizinischen Ende, wenn viele Menschen gegen einen Erreger immun sind und es immer weniger Infizierte gibt. Hierfür braucht es einen wirksamen Impfstoff oder eine sogenannte Herdenimmunität in der Bevölkerung.

"Am häufigsten passiert es, dass wir eine Pandemie sozial kontrollieren können bis sich eine Immunität aufgebaut hat", sagt der Medizinhistoriker Nobert W. Paul. Das bedeutet, dass sich Menschen etwa so lange wie nötig an Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht halten. Manchmal flaue eine Pandemie auch durch Mutation des Erregers ab, sagt Paul. Mit einer schwächeren Form eines Virus können Menschen sich oft arrangieren und in ihren Alltag zurückkehren.

Die Spanische Grippe

Auf diese Weise ebbte etwa die Spanische Grippe ab. Zum einen waren im Sommer 1919 viele Menschen immun gegen den Erreger. Infizierten sie sich erneut mit ihm, war der Krankheitsverlauf milder. Zwar mutierte das Virus, jedoch in eine schwächere Form. "Bei der Spanischen Grippe kam es zu einer gewissen Herdenimunität", sagt der Medizinhistoriker Norbert W. Paul.

Diese Form der Grippe wird vom Virus H1N1 ausgelöst. Anfang des 20. Jahrhunderts verlief sie in drei Wellen zwischen Frühjahr 1918 und Sommer 1919. Verlauf und Ausbruch erfolgten sehr schnell. Manche Patienten verstarben innerhalb von wenigen Stunden.

Ganz verschwunden ist der Erreger aber nie. Immer wieder tauchen neue Grippeviren auf, die zur gleichen Gruppe gehören wie das H1N1-Virus, zum Beispiel die Schweinegrippe.

Die Pocken

Zu einem medizinischen Ende kam es etwa bei den Pocken. Die Viruserkrankung zählt zu den tödlichsten Pandemien in der Geschichte. Allein im 20. Jahrhundert starben an ihr zwischen 300 und 500 Millionen Menschen. Übertragen wurde das Virus durch das Variolavirus.

Infizierte litten an Fieber und Ausschlag. Außerdem waren mit Eiter gefüllte Flecken ein typisches Symptom. Diese verkrusteten, fielen ab und hinterließen Narben.

Seit etwa 1980 gelten die Pocken als ausgerottet. Die Symptome waren eindeutig und klar erkennbar. Infizierte konnten also schnell isoliert werden. In Kombination mit einem wirksamen Impfstoff konnte die Krankheit effektiv bekämpft werden.

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Der SARS-Virus

Auch schon vor Covid-19 löste ein SARS-Coronavirus eine weltweite Pandemie aus. SARS ist eine schwere Atemwegserkrankung, die im November 2002 zuerst in der chinesischen Provinz Guandong auftrat. Über den internationalen Flugverkehr verbreitete es sich weltweit.

Allerdings gelang es, die Pandemie schnell unter Kontrolle zu bringen. Bereits im Juli 2003 erklärte die WHO, dass die Ausbrüche weltweit eingedämmt worden seien. Anders als Covid-19 vermehrte sich SARS-CoV in der Lunge. Hierdurch war die Ansteckungsrate deutlich geringer. Außerdem ließ sich das Virus schneller zweifelsfrei erkennen und Infektionsketten schneller unterbrechen.

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Covid-19

Noch lässt sich nicht sagen, wann die momentane Pandemie vorbei ist. "Das ist ein Blick in die Glaskugel", sagt Paul. Ein medizinisches Ende ist bislang noch nicht in Sicht. Noch wisse man wenig darüber, wie lange etwa eine Immunität anhalte. Ein erster Schritt im Kampf gegen Covid-19 sei eine internationale Impfstrategie. Auch das Einhalten der Abstandsregeln und der Kontaktbeschränkungen seien weiterhin wichtig, um die Pandemie unter Kontrolle zu behalten.

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