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Nutzer von WhatsApp haben es vielleicht schon entdeckt. Wenn sich die App öffnet, erscheint ein Fenster mit neuen Nutzungsbedingungen. Denen soll man bis zum 8. Februar zustimmen.

Fragen an den SWR-Technik-Experten Andreas Reinhardt.

Was ändert sich konkret?

WhatsApp möchte die Erlaubnis, noch mehr Daten an seinen Mutterkonzern Facebook und an andere Unternehmen im Facebook-Konzern weitergeben zu dürfen. Zu Werbezwecken dürfen die aber nicht eigentlich verwendet werden. Das hat auch eine Facebook-Sprecherin bestätigt. Für uns EU-Bürger ändert sich nicht so schrecklich viel, wenn man der WhatsApp-Muttergesellschaft Facebook glauben will. Das ganze ist aber schwammig formuliert, da heißt es "unter Umständen teilen wir Informationen über dich innerhalb unserer Unternehmensgruppe, um verschiedene Aktivitäten zu erleichtern, zu unterstützen und zu integrieren", das heißt sie werden wohl auch benutzt.

WhatsApp (Foto: Imago, Rene Traut)
Imago Rene Traut

Wenn die Daten doch für Werbezwecke verwendet werden, können wir als Nutzer das nicht überprüfen. Die Praxis zeigt, wenn Daten erhoben und weitergegeben werden, dann werden sie auch verwendet. Immer wenn etwas kostenlos ist, bezahlen wir das mit unseren Daten.

Was, wenn ich nicht akzeptieren möchte?

Das ist die "Vogel-friss-oder-stirb"-Methode. Wer WhatsApp nach dem 8. Februar weiter nutzen möchte, der muss den neuen Nutzungsbedingungen zustimmen, sonst funktioniert WhatsApp nicht mehr. Für alle, die wissen, ich möchte WhatsApp auf jeden Fall weiterverwenden, die können natürlich auch jetzt schon zustimmen.

Welche Daten erhebt WhatsApp?

WhatsApp sammelt schon jetzt viele Daten von den Nutzern, etwa welches Handy benutzt wird, das Betriebssystem, der Akkustand, die Mobilfunknummer, sämtliche Kontakte aus meinem Adressbuch, die Standortinformationen. Die Inhalte der Chats sind Ende-zu Ende verschlüsselt, das heißt sie werden auf meinem Smartphone verschlüsselt und erst wieder beim Empfänger entschlüsselt. Da kann keiner mitlesen.

Interessanter sind da aber die sogenannte Metadaten, also wer kommuniziert mit wem und wie, schickt er zu später Stunde Videos, oder Texte, wo ist er dabei, wer ist mit wem in einem Gruppenchat, alles das ist interessant um ein scharfes Nutzerprofil zu erstellen.

SWR4 RP Experte Andreas Rheinhardt. (Foto: SWR, Silz)
SWR-Technik-Experte Andreas Reinhardt Silz

Was sind das für Nutzungsbedingungen?

In den Nutzungsbedingungen wird geregelt, welche Daten WhatsApp erhebt und an wen weitergeben darf und zu welchen Zwecken. Das ist die sogenannte Datenschutzrichtlinie. WhatsApp ist eine Tochtergesellschaft von Facebook, Facebook verdient mit unseren Daten Geld über die verkaufe Werbung. Jetzt will WhatsApp gerne noch mehr Daten an Facebook weitergeben und verlangt dafür die Zustimmung der Nutzer. Welche Daten das sind, die jetzt nochmal dazukommen, da bleiben die Nutzungsbedingungen schwammig.

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In wiefern ist das bedenklich?

Facebook hatte bei der Übernahme von WhatsApp zugesagt, keine WhatsApp-Daten bei Facebook zu nutzen. Das wird jetzt in den neuen Nutzungsbedingungen weiter aufgeweicht. Da heißt es zwar, "WhatsApp teilt keine Nutzerdaten mit Facebook, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder von Werbung nutzen kann." Dennoch muss jeder Nutzer der Veränderung der Datenschutzrichtlinie zustimmen – und damit auch der Datenweitergabe an Unternehmen, die zum Facebook-Konzern gehören. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sieht das äußerst kritisch.

Welche Alternativen gibt es?

Es gibt jede Menge kostenlose Alternativen für beide mobile Betriebssysteme, Android und Apples iOS. Allen voran sei Telegram genannt, auch wenn hier die Chats hier nicht durchgängig verschlüsselt sind, dafür kann ich hier Angebote wie Nachrichten der Tagesschau abonnieren. Auch der Messenger Signal ist kostenlos. Der Messenger Threema des gleichnamigen Schweizer Unternehmens kostet einmalig rund 4 Euro, hier stehen die Server in der Schweiz und alles geht nach EU-Recht zu. Als Besonderheit ist hier zu nennen, dass ich nicht meine Mobilnummer bekannt geben muss, ich kann also anonym bleiben.

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