STAND

Wein ist nicht nur ein Genussmittel. Ein guter Tropfen hilft - getrunken in Maßen - auch unserer Gesundheit.

Mit der genauen Wirkung hat sich Hans-Ulrich Grimm beschäftigt, viele Studien ausgewertet und daraus das Buch "Wein ist gesund" gemacht. Wo überall der Wein im Körper hilft, hat er uns im SWR1-Interview erzählt.

Wein und Demenz

Bei Alzheimer- und Demenz-Studien hat sich herausgestellt, dass Weintrinker weniger Alzheimer-Krankheiten haben als Nicht-Weintrinker. Natürlich gilt dies nur bis zu einer gewissen Menge. Die optimale Dosis ist 0,15 Liter pro Tag für Frauen und 0,3 Liter für Männer. Da zeigt sich, dass da das Risiko für eine Demenz am geringsten ist. Man kann auch erklären, welche verschiedenen Auswirkungen Wein trinken hat.

Nahaufnahme der Hand einer älteren Frau beim Zeichnen (Foto: Imago, IMAGO / Addictive Stock)
Wein kann Demenz und Alzheimer vorbeugen. Imago IMAGO / Addictive Stock

Im Darm, dem zweiten Gehirn, hat es den Effekt, dass mehr Omega-3-Fettsäuren vorhanden sind. Die sind wichtig für das Denkvermögen und für die Psyche. Zudem hat der Wein auch Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, der extrem demenzfördernd ist. Wenn der Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten abgesenkt wird, dann gibt es weniger gehirnschädliche Effekte. Bei Ablagerungen im Gehirn und in den Blutbahnen hat der Wein ebenfalls erhebliche Auswirkungen: Wein kann sogar dazu führen, dass das Gehirn größer wird. Der moderate Genuss von Wein ist also gut für das Denkvermögen.

Die optimale Dosis ist 0,15 Liter pro Tag für Frauen und 0,3 Liter für Männer.

Hans-Ulrich Grimm im SWR-Interview

Wein und unser Herz

Bei der weltweit wichtigsten Herz-Studie kam heraus, dass Weintrinker ein gesünderes Herz haben, was auch andere Studie belegen. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Blättchenbildung im Blut durch Wein verhindern lässt. Im Wein sind auch medizinisch wirksame Stoffe enthalten, wie in Blutdruckmitteln der sogenannte "ACE-Hemmer". Wein enthält - genau wie Aspirin - ein universelles Vorbeugemittel: Die Salicylsäure. Interessanterweise enthält der Weißwein mehr davon.

Mann mit Glatze (Foto: dpa Bildfunk, ZB / picture alliance / Ralf Hirschberger / dpa-Zentralbild / dpa)
Wein kann Haarausfall vorbeugen. ZB / picture alliance / Ralf Hirschberger / dpa-Zentralbild / dpa

Wein und unsere Schönheit

Wein kann die Faltenbildung verhindern. Bei Messung der Faltentiefe hat man festgestellt, dass Weintrinker weniger tiefe Falten haben. Auch Champagner scheint zu wirken. Zurückführen kann man das beispielsweise auf die Polyphenole im Wein, die dazu führen, dass die Haut weniger altert. Wein hat auch einen eingebauten Sonnenschutz, der jedoch nicht sonderlich groß ist (Sonnenschutzfaktor 1). Nachgewiesen wurde auch, dass Weintrinker weniger Haarausfall haben. Inhaltsstoffe des Weins haben Einfluss auf die Halterungen des Haars - die Follikel - und führen dazu, dass sie das Haar besser festhalten.

Wein gegen das Altern

Auf einer Recherche-Reise ins Silicon Valley habe ich die berühmtesten Altersforscher der Welt getroffen. Überraschenderweise haben sie mir übereinstimmend erzählt, dass bei ihnen zum Essen regelmäßig eine Flasche Wein auf dem Tisch steht. Die lebensverlängernde Wirkung von Wein zeigt auch eine Studie der Harvard Medical School. Sie haben geprüft, wie verschiedene Elemente - beispielsweise Bewegung, gute Ernährung, das Gewicht zu halten – auf die Lebenszeit wirken. Ergebnis: Alle Faktoren sind gut, aber noch länger wird das Leben, wenn die Menschen dazu Wein trinken. Bei den Männern waren es zehn Monate mehr, bei den Frauen sogar drei Bonus-Jahre. Eine mediterrane Ernährung, zu der auch Wein gehört, führt dazu, dass eine Verkürzung der Telomere - den Lebensfäden in der Zelle - nicht so schnell stattfindet. Mit jedem Atemzug werden diese eigentlich kürzer, aber der Wein verhindert deren Verkürzung und hält jung.

Wein und die Darmflora

Der Darm ist das "zweite Gehirn", in dem viele für das Gehirn wichtige Stoffe entwickelt oder produziert werden. Dort sitzen Millionen von Bakterien und je nach Nahrungsmittel, das sie zum Fressen kriegen, vermehren sich die einen oder die anderen. Wenn zum Beispiel die Bakterien gefüttert werden, die für die Glücksgefühle zuständig sind, entwickelt der Mensch mehr Glücksgefühle. Der Wein führt interessanterweise dazu, dass sich die Bakterien am besten entwickeln, die die Abwehr stärken und für die guten Gefühle zuständig sind. Deswegen erheitert der Wein nicht nur durch den Alkohol.

Wissenschaftsjournalist und Autor SWR1 Leute mit Hans-Ulrich Grimm

Wein vom Arzt verschreiben lassen? Keine schlechte Idee, meint Journalist und Autor Hans-Ulrich Grimm im Gespräch bei SWR1 Leute.  mehr...

Leute SWR1 Rheinland-Pfalz

Trocken bis lieblich – Wein-Wissen für alle

Dominik Bartoschek und der SWR1-Weinmann Werner Eckert sprechen im Podcast über Interessantes, Aktuelles und Kurioses aus der Welt des Weins. Und sie klären Fragen, die jeden Weintrinker interessieren: Wie geht Wein? Muss guter Wein teuer sein? Und wie kommt eigentlich der Geschmack in den Wein?  mehr...

STAND
AUTOR/IN