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Kein Lebensmittel wird so gut kontrolliert wie unser Trinkwasser. Aber brauche ich dann noch eine zusätzliche Aufbereitung mit einem Wasserfilter? Wir haben bei Martin Thiel aus der SWR1 Umweltredaktion nachgefragt.

Es gibt mechanische Partikelfilter, die sinnvoll sind. Sie sind Vorschrift und befinden sich direkt hinter der Wasserzähleranlage. Das reicht, um die sehr gute Trinkwasserqualität zu garantieren. Weitere Wasserfilter und -filteranlagen im Haushalt machen nur dann wirklich Sinn, wenn das Wasser belastet ist und wenn wirklich unerwünschte Stoffe oder Keime vorhanden sind. Aber dann muss die Filtermethode passend zum Stoff gewählt werden.

Wasserfilter mit Druckanzeige und Ablaßventil (Foto: picture alliance / imageBROKER)
Ein mechanischer Partikelfilter ist in Deutschland Vorschrift. picture alliance / imageBROKER

Das sagen die Tester

Wasserfilter im Haushalt sind eher ein Risiko - manche verschlechtern sogar die Wasserqualität. Ökotest, Warentest oder die Verbraucherzentrale haben alle schon verschiedene Wasserfilter getestet und kommen mehr oder weniger zum gleichen Ergebnis: Aus gesundheitlicher Sicht ist der Einsatz von Filtern für Leitungswasser in der Regel nicht notwendig.

Wasserqualität

Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz ist prinzipiell schadstoffarm und gut überwacht. Auch Kleinkinder und Kranke brauchen kein gefiltertes Wasser. Sollte Trinkwasser aber tatsächlich mal krank machende Keime enthalten, liegt ein Hygieneproblem im Rohrleitungsnetz vor, das nicht mit einem Filter behoben werden sollte. Auf einzelne, sehr selten vorkommende Verunreinigungen reagieren die Wasserversorger dank vieler Stichproben sehr schnell.

Achtung bei Wasserfilterkannen

Die oft angepriesenen Wasserfilterkannen mit Aktivkohle-Filter schneiden bei Ökotest, Warentest oder der Verbraucherzentrale schlecht ab. Wer dennoch einen Tischwasserfilter mit Aktivkohle verwendet, sollte die Kartusche regelmäßig wechseln und den Filter regelmäßig reinigen. Denn Tests belegen, dass das behandelte Wasser schnell verkeimen kann. Oft ist das gefilterte Wasser dann keimbelasteter als das eingefüllte Trinkwasser.

Eine Frau füllt gefiltertes Wasser (Foto: picture alliance / dpa Themendienst)
Vorsicht! Gefiltertes Wasser kann schnell verkeimen. picture alliance / dpa Themendienst

Aufsätze für Wasserhähne bislang nicht getestet

Für Filter, die direkt am Wasserhahn angebracht sind, gibt es keine Testergebnisse von Ökotest oder Warentest. Grundsätzlich gilt aber: Sobald Filter zwischengeschaltet sind, erhöht sich das Risiko, dass das streng geprüfte Trinkwasser eher verunreinigt wird. Es sei denn, es handelt sich um teure Wasserfilteranlagen, die auch in Krankenhäusern oder Laboren eingesetzt werden.

Umkehrosmose-Verfahren

Membran-Systeme, auch Umkehrosmoseanlagen genannt, haben zwar den Vorteil, dass sie unerwünschte Stoffe effektiv aus dem Wasser filtern, leider bleiben an der Membran auch Mineralstoffe haften. Verbraucherschützer warnen daher vor einem dauerhaften Verzehr dieses Wassers. Mit der Zeit könnte der Mineralienmangel zu einer Unterversorgung führen.

Ionenaustausch

Ionentauscher entziehen dem Trinkwasser anorganische, polare Teilchen (Ionen) und tauschen sie gegen andere aus. So können zum Beispiel hartem Wasser Calcium- oder Magnesium-Ionen (Kalk) entzogen und gegen Natrium-Ionen ausgetauscht werden. Ist der Austauscher voll, kann er aber die zurückgehaltenen Ionen plötzlich konzentriert an das Wasser abgeben. Kommen Geräte längere Zeit nicht zum Einsatz oder steht das Wasser im Behälter, können sich auch hier Keime vermehren. Beladene Filterpatronen von Tischgeräten können nicht regeneriert, sondern müssen ersetzt werden. Fest installierte Anlagen müssen regelmäßig mit Austauscherlösung regeneriert werden.

Wo Filtern Sinn macht

Auf Reisen können Mikrofilter durchaus Sinn machen. In Reisemobilen und Booten, sowie in Entwicklungsländern ist es sinnvoll, einen Mikrofilter an den Wasserhahn anzuschließen, um Bakterien zurückzuhalten. Aber Nitrat, Pestizide und Chlor, die im heimischen Trinkwasser herausgefiltert werden, werden nicht zurückgehalten. Außerdem ist zum Betrieb der Filter ein Wasserdruck von mindestens zwei Bar nötig.

Fazit

Das Filtern von Wasser im Haushalt macht wenig Sinn. Wasserfilteranlagen ab 1.000 Euro aufwärts, bei denen die Filter (ab 100 Euro aufwärts) regelmäßig gewechselt werden müssen, sind eine teure Investition. Aber nur sie halten - bei regelmäßiger Wartung und entsprechenden Zertifikaten - was sie versprechen. Im normalen Haushalt werden sie nicht benötigt, da die Landeswasserverbände Trinkwasserqualität bis zum Hausanschluss garantieren. 

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