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Viele Menschen sind gestorben. Andere haben alles verloren. Das Unwetter hat einige Orte in Rheinland-Pfalz komplett zerstört. Hier lesen Sie, was Sie wissen sollten, wenn Sie helfen wollen.

Es ist die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021, die das Leben vieler Menschen komplett verändert hat. Manche haben Angehörige verloren, andere stehen vor dem Nichts - dort wo einmal Häuser standen, dort wo Straßen und Gärten waren, sind jetzt Schuttberge und Schlammhaufen. "Da stand meterhoch der Schlamm im Wohnzimmer", erzählt uns zum Beispiel eine Familie aus Ahrweiler vom Besuch ihres Hauses zwei Tage nach der Katastrophe.

Helfen ja - aber wie?

Die Hilfsbereitschaft ist groß. In den ersten Stunden, Tagen und auch jetzt noch melden sich zahlreiche Menschen bei uns, die fragen, wie Sie am besten helfen können. Und tatsächlich gibt es verschiedene Möglichkeiten - beispielsweise die Spendenkonten. Es gibt ein Konto der Landesregierung, ein Konto der "Aktion Deutschland hilft", eines vom Roten Kreuz, von der Caritas, von den betroffenen Kreisen und auch von der "Herzensache" von SWR, SR und Sparda-Bank. Die entsprechenden Konto-Verbindungen finden Sie hier:

Es gibt auch einige Lager zur Abgabe von Sachspenden, zum Beispiel am Nürburgring. Diese Lager sind allerdings oft schon voll und einige Betroffene sagen auch: "Uns würde am meisten das Geld helfen, denn wir wissen bei Sachspenden ja noch nicht einmal wohin damit gerade. Denn wir haben ja nichts mehr."

Hilfe vor Ort - wichtig, aber nicht einfach losfahren

Für das Aufräumen der gewaltigen Zerstörung und fürs Liefern von wichtigen Hilfsgütern braucht es natürlich auch viele freiwillige Helfer vor Ort. Das Technische Hilfswerk und viele weitere Rettungsorganisationen sind im Dauereinsatz.

Und auch privat wollen zahlreiche Menschen mit anpacken. Das ist grundsätzlich auch ein guter Gedanke, allerdings gilt: Bitte nicht einfach losfahren. Die Infrastruktur ist stark beschädigt und zu viele Helfer stehen im Zweifel auch im Weg herum und verstopfen wichtige Zufahrten. Auf der Seite hochwasseradenau.de der Verbandsgemeinde Adenau heißt es beispielsweise: "Bitte nicht ohne Absprache Hilfsgüter und Lebensmittel sammeln und anliefern! Die Lager sind glücklicherweise mehr als voll und der Bedarf ist mehr als gedeckt!" Auf der Webseite kann man sich registrieren, wenn man Hilfe, Notunterkunft oder große Maschinen anbieten kann.

Wer helfen will, bekommt nicht automatisch frei

Hilfe anbieten und freiwillig anpacken ist eine gute Sache. Wer sich registriert hat und vor Ort gebraucht wird, kann losfahren. Aber Achtung: Es ist für die gute Sache und so könnte man meinen, dass man dafür auch automatisch von der Arbeit freigestellt wird. Das ist rein rechtlich aber nicht so.

Wer freiwillig in die Hochwassergebiete gehen und mithelfen möchte, kann nicht von seinem Arbeitgeber verlangen, dafür freigestellt zu werden. Arbeitnehmer sind trotz der Hochwasserkatastrophe zum Arbeiten verpflichtet. Allerdings kann man versuchen, Urlaub zu nehmen oder zum Beispiel Überstunden abzubauen. Der Chef muss das aber nicht genehmigen.

Das gelte auch, wenn nahe Angehörige betroffen sind:

Auch wer persönlich betroffen ist, weil er zum Beispiel Eltern oder Großeltern in den Krisengebieten hat, bekommt nicht einfach frei. In Ausnahmefällen können sich Arbeitnehmer aber weigern, zur Arbeit zu kommen – wenn es ihnen unter Abwägung aller Umstände nicht zugemutet werden kann. Allerdings bekommen sie dann für die Fehlzeiten kein Geld.

In jedem Fall empfiehlt sich wohl aber ein Gespräch mit dem Chef. Denn kaum ein Chef wird für dieses Anliegen wohl ohne guten Grund den ein oder anderen Tag kurzfristigen Urlaub verwehren.

Wer vor Ort hilft, ist bei Verletzungen versichert

Gute Nachrichten gibt es für Helfer was den Versicherungsschutz vor Ort angeht. Wer sich beim helfen im Hochwasser-Gebiet verletzt, ist versichert, sagt Michael Wortberg. Er ist Rechtsanwalt und Referent für Versicherungsfragen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Über meine Krankenvollversicherung bin ich in jedem Fall versichert", so Wortberg. Die Versicherung könne auch nicht sagen: Sie sind ja vorsätzlich in ein gefährliches Gebiet gefahren. Einen Leistungsausschluss kenne die Krankenvollversicherung in diesem Fall nicht.

Rheinland-Pfalz

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