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Halbzeit beim November-Lockdown. Was hat er gebracht? Wir haben mit der Virologin Isabella Eckerle von der Universitätsklinik in Genf über ihre Einschätzung in Bezug auf Weihnachten, den Schulbetrieb und den angekündigten Impfstoff gesprochen.

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SWR1: Wir sind seit zwei Wochen in einem "Teil-Lockdown". Hat der aus Ihrer Sicht etwas Positives bewirkt?

Isabella Eckerle: Es gibt eben den Appell an die Eigenverantwortung der Menschen, und ich habe schon das Gefühl, dass die allermeisten wirklich mitziehen und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Ich glaube aber, dass die Stimmen der Leute, die vernünftig sind und das auch wirklich verstehen, nicht so laut sind wie die wenigen Stimmen der Gegner oder der Leute, die massiv Kritik üben oder Krawall machen wollen. Aber wir stellen fest, dass die meisten Leute ganz vernünftig sind, sich selbst zurücknehmen und auch bereit sind zu verzichten. Das zeigt schon, dass es irgendwo einen Zusammenhalt gibt.

Umgekehrt sind natürlich alle ein bisschen müde. Keiner will mehr und jeder wünscht sich, dass diese Pandemie vorbei ist. Trotzdem haben wir jetzt noch ein paar anstrengende Wintermonate vor uns. Eine gute Nachricht war natürlich die erste Pressemitteilung zu den Impfstoffen. Man kann sich fast sicher sein, dass wir bald einen Impfstoff haben werden oder dass zumindest ein Impfstoff gefunden wird. Die nächste Frage ist dann, wie lange es dauert, bis der Stoff geimpft werden kann und wie schnell die Risikopatienten die Impfung bekommen können. Die gute Nachricht ist, es ist ein Ende in Sicht. Aber bis dahin wird es noch etwas dauern.

SWR1: Vor allem in der Kritik, der reguläre Schulbetrieb. Welchen Anteil an den weiter relativ hohen Neuinfektionszahlen haben denn die Schulen aus Ihrer Sicht?

Eckerle: Das wissen wir leider noch nicht. Ich glaube, spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, einmal genau hinzuschauen, was eigentlich an den Schulen passiert. Das Problem mit den Schulen und den Kindern ist, dass wir am Anfang dieser zweiten Welle nur die Daten aus der ersten hatten. Damals waren die Kinder und die Schulen weniger betroffen. Über den Sommer und den Herbst hat sich das Bild aber gewandelt. Man sieht eine starke Zunahme der Infektionsfälle bei Kindern. Ich glaube, man muss jetzt wirklich genau schauen, was da passiert. Das Ganze ist natürlich eine hoch emotionale Debatte.

Wenn man aber die Schulen offen halten möchte – und ich denke das ist absolut richtig, denn man hat eben gesehen, dass die Kinder ganz besonders unter der Pandemie und ihren Folgen leiden – dann muss man jetzt wirklich ganz genau wissen, was an den Schulen passiert. Dazu muss man intensiv die Kinder und deren Kontakte testen. Man braucht auch ein Konzept. Denn die Vorstellung, dass man die Schulen jetzt so weiterlaufen lässt wie vor der Pandemie, wird zumindest bei der aktuellen Inzidenz nicht funktionieren. Spätestens jetzt ist die Zeit, eigentlich hätte man das schon früher machen müssen, um wirklich ganz nüchtern gute wissenschaftliche Daten zu der Frage zu erheben: Welche Rolle haben die Kinder in dieser Pandemie?

SWR1: Was muss sich jetzt ändern, damit wir an Weihnachten unsere Familien sehen können?

Eckerle: Die Empfehlung mit einer großen Familie zu feiern, würde ich auf gar keinen Fall geben. Egal was bis Weihnachten noch passiert. Ich glaube die Grundeinstellung, dass wir uns jetzt alle ein bisschen zurücknehmen müssen und in den nächsten Monaten, so weh es tut, Verzicht üben müssen, die müssen wir jetzt erst einmal beibehalten. Was jetzt ganz konkret passieren muss, ist, dass jeder soweit wie möglich seine Kontakte einschränken sollte. Das heißt, dass man sich nur noch mit einer ganz kleinen Gruppe an Freunden oder der Familie trifft, am besten draußen. Dass man private Aktivitäten mit anderen Menschen, vor allem in geschlossenen Räumen, auf ein Minimum beschränkt. Oder dass man andere Aktivitäten macht. Gehen Sie vielleicht mit Freunden spazieren oder wandern. Wer von zu Hause, im Home-Office, arbeiten kann, der sollte eher zuhause bleiben.

Man sollte, vor allem wenn man Symptome hat, andere Menschen meiden und sich stattdessen testen lassen. Im Grunde geht es darum, die allgemeinen Empfehlungen einzuhalten. Je konsequenter wir das durchhalten, desto schneller werden die Fallzahlen sinken und desto eher wird es die Möglichkeit geben, zumindest ein einigermaßen normales Weihnachten zu feiern. Ich glaube aber, dass es die ganz großen Familienfeiern, die Weihnachtsmärkte und die Kneipe mit den Freunden dieses Jahr nicht geben wird.

Das Gespräch führte Michael Lueg.

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