Bitte warten...

Verlust der Nacht "Wir brauchen mehr Dunkelheit"

Gefahr durch Lichtverschmutzung

Lichter und Beleuchtung sind in unserer Gesellschaft ein Zeichen von Wohlstand und gelten für viele als unverzichtbar. Doch die Verschmutzung durch künstliches Licht nimmt immer mehr zu. Dr. Sibylle Schroer forscht zum Thema Lichtverschmutzung und leitet das Projekt "Verlust der Nacht". Sie ist der Überzeugung: "Wir brauchen einfach mehr Dunkelheit!"

Arc de Triomph

In Großstädten wie Paris, ist die Lichtverschmutzung besonders stark.

Was wäre so schlimm, wenn wir die Nacht verlieren?

Die Nacht ist für uns sehr wichtig. Unser Tag hat 24 Stunden, der sich für uns Menschen in eine helle Wachphase und in eine Nachtphase aufteilt. Ebenso teilt sich der Tag auch in verschiedene Nischen auf. Es gibt nachtaktive Organismen, die die Nachtnische nutzen. Diese haben sich mit ihren Sinnen angepasst, um optimal leben können. Wenn wir als Mensch die Nacht zum Tag machen, indem wir unsere Umwelt immer heller beleuchten, wird ihr Lebensraum zerstört.

Um welche Organismen handelt es sich dabei?

In erster Linie geht es um Insekten, die in großen Massen angezogen werden. An die Leuchten im Weiteren kommen dann Prädatoren (Beutegreifer), die sich an diesen Leuchten bedienen. Diese können das Gleichgewicht der Natur verändern, weil sie auf diese Weise ein reiches Angebot haben und sich rauspicken können, was sie davon fressen. Meistens werden Insekten gefressen, die in natürlichen Lichtverhältnissen eher überleben würden. Es kommt zu Verzerrungen und Verschiebungen in Öko-Systemen. Darunter leiden am Ende fast alle Organismen, die nachtaktiv sind. Auch tagaktive Lebewesen werden darunter leiden, die zum Beispiel nicht mehr die Ressourcen finden, sobald die Bestäubung für bestimmte Wildpflanzen nachlässt.

Es geht so weit, dass auch Wirbeltiere durch Licht in der Nacht gestört werden können. Vögel singen länger in die Nacht hinein und sind länger aktiv. Wildtiere können bestimmte Habitate nicht nutzen, weil sie geblendet werden. Vor allem Amphibien, die sehr gute Nachtsichten haben, sind davon stark betroffen. Das heißt, es gibt ganz viele verschiedene Wesen und Organismen, die durch Licht in der Nacht selbst direkt beeinträchtigt werden. Aber noch viel mehr Organismen, die durch die Auswirkung auf diese nachtaktiven und dämmerungsaktiven Tiere gestört werden können oder eben nicht mehr die richtige Nahrung finden und veränderte Lebensräume vorfinden. Das Problem ist, dass gerade sehr die private Beleuchtung zunimmt. Es wird in Gärten und auf Balkonen immer greller. Wir haben eine sehr effiziente Beleuchtung – die LED. Kritisch ist, dass wir die Nachtlandschaft so noch mehr erhellen.

Vielfach beleuchtete Straße; die einzelnen Lichtquellen überstrahlen

Besonders abends könnten gedimmte Leuchten helfen.

Was kann man machen?

Möchte man gegen die Lichtverschmutzung angehen, empfiehlt es sich ambiente Lichtfarben zu wählen. Diese sind nicht so grell. Der Blaulichtanteil von weißen Leuchten sollte herausgenommen werden. Bestenfalls sollten neutralweißes Licht oder warmweißes bis orangenes Licht in Außenbereichen verwendet werden. Denn genau dieser Blaulichtanteil lockt sehr viele Tiere an und kann die Tagesrhythmen von Wirbeltieren stören.

Weiterhin sollten Leuchten nie direkt in alle Richtungen scheinen, sondern ausschließlich dorthin gelenkt werden, wo sie benötigt werden. Bei einer Straßenleuchte wird das Licht etwa nur auf der Straße benötigt. Also alles was wir am Leuchtkörper sehen, was uns in die Augen, in die Fenster und eben auch in die Naturbereiche scheint, ist überflüssiges Licht und könnte abgeschirmt werden.

Schließlich gibt es großartige Technologien, die dabei helfen Licht bedarfsgerecht zu dimmen. Fährt man in der Winterzeit zwischen 17 und 20 Uhr nach Hause, wird relativ viel Licht benötigt. In den späteren Stunden könnte jedoch in manchen Städten ab 22/23 Uhr das Licht heruntergedimmt werden. Die Menschen würden es vermutlich gar nicht bemerken. Hat man keinen direkten Vergleich, nimmt das Auge den Unterschied gar nicht wahr. Auf diese Weise könnte nicht nur Strom gespart werden, sondern gleichzeitig auch nachtaktiven Organismen geholfen werden, die auf die Dunkelheit der Nacht angewiesen sind.

Wird in Zukunft nicht mehr darauf geachtet, akkumuliert sich das Licht in den Atmosphären. Der Einfluss von den Lichtglocken, der bis über die Städte hinaus weit ins Hinterland reinstrahlen kann, wird größer.

Mehr Infos zum Projekt finden Sie unter: verlustdernacht.de