Verkehrsforscher Heiner Monheim

Sind höhere Parkgebühren für SUVs eine gute Lösung?

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Michael Lueg
SWR1-Moderator Michael Lueg (Foto: SWR, SWR1 -)
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18 Euro für eine Stunde parken. Das kommt auf Besucher von Paris ab September zu, die ihr SUV in der Hauptstadt abstellen wollen.

Ob das auch eine gute Lösung für deutsche Innenstädte sein könnte, haben wir Verkehrsforscher Heiner Monheim gefragt.

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SWR1: Ist das, was Paris davor macht, auch in Deutschland denkbar?

Heiner Monheim: Mittelfristig ja. Kurzfristig würde es einen Aufstand erzeugen. Aber es ist an sich schon vernünftig, weil der Platz in den Städten sehr knapp ist und viel zu viel Fläche durch abgestellte Autos blockiert wird. Leider haben wir im Autoverkehr noch keine Marktwirtschaft, wo die Preise für die eigentlich teuren Grundstücke und den öffentlichen Raum zu zahlen sind und auf die Nutzer umgelegt werden.

SWR1: Die Argumente für die Entscheidung in Paris sind mehr Sicherheit, mehr Platz und mehr Umweltschutz. Stimmt das denn wirklich? So manch kleine, leichte alte Klapperkiste produziert mehr Abgase als ein moderner Verbrenner.

Monheim: Nein, das ist nicht richtig. Die Emissionen sind doch sehr stark vom Gewicht abhängig und die Autos sind sehr viel schwerer geworden. Das gilt für SUVs ganz besonders und die sind schon Dreckschleudern. Das weiß man auch seit Ewigkeiten und deswegen ist es kurios, dass der Staat sie auch noch hochsubventioniert mit der Dienstwagenabgabe.

SWR1 Umfrage Soll es auch bei uns höhere Parkgebühren für SUVs geben?

Paris hat es vorgemacht: Dort sollen sich die Parkgebühren für SUVs verdreifachen. Eine Lösung auch für deutsche Städte?

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SWR1: Würden deutsche Städte jetzt dieses Pariser Modell übernehmen, dann wären Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 1,6 Tonnen betroffen, E-Autos dürfen sogar zwei Tonnen schwer sein. Aber das ist doch schon mal ungerecht, wenn es um Verkehrssicherheit und Platz geht.

Monheim: Im Unterschied zu der Pariser Situation, ist bei uns das Flächen-Argument das wichtigste. Dass die SUVs außerdem auch, was die Unfallbetroffenheit angeht, sehr viel problematischer sind, das ist schlimm, aber so ist es nun mal. Die entscheidende Frage ist die Parkraum-Bewirtschaftung in den Städten. Parkraum ist knapp und deswegen braucht man eine möglichst effiziente Logistik, wie Parkraum genutzt werden kann. Da haben wir im Vergleich zu allen anderen europäischen Ländern sehr geringe Parkgebühren. Und beim Anwohnerparken sind die Preise für das Abonnement auch relativ gering.

Letztlich ist die Parknot ein Grund, effizienter mit dem Parkraum umzugehen. Und da spielt die Größe der Fahrzeuge einfach eine große Rolle. Wenn zwei Smarts auf ein Parkfeld passen, aber ein SUV anderthalb oder zwei Parkfelder einnimmt, dann ist doch logisch, dass das SUV mehr bezahlen muss. Im Grundsatz ist es zwingend erforderlich, dass wir den öffentlichen Raum besser bewirtschaften, dass wir mehr Platz für Fußgänger, Fahrrad, Straßenbäume und Grün haben. Durch endlos abgestellte Autos - 160 Millionen Stellplätze gibt es in deutschen Städten - wird praktisch ganz viel öffentlicher Raum blockiert, der für andere Zwecke wichtiger ist. Übrigens auch für Zwecke der Wirtschaft und des Handels. Wir brauchen viel mehr Lade- und Lieferzonen.

Wir haben einfach zu viele Autos in Deutschland und brauchen eine deutliche Reduzierung der Zahl der zugelassenen Autos. Und wir brauchen sicherlich auch eine deutliche Reduzierung der Größe der zugelassenen Autos.

Das Interview führte SWR1 Moderator Michael Lueg.

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