Bitte warten...

Umstrittene Methode zum Schreibenlernen Fiele Fela durch "Schreiben nach Gehör"

Eine Studie der Universität Bonn hat den Erfolg verschiedener Schreiblernmethoden für Grundschüler untersucht. Dabei schneidet das "Schreiben nach Gehör" schlecht ab. Der Lehrerverband sieht trotzdem Vorteile in der umstrittenen Methode.

Grundschüler beim Lesenlernen

Grundschüler beim Lesenlernen

Deutlich besser lernen die Schüler mit der klassischen Fibel-Methode. Insgesamt wurden bei der Bonner Studie die Lernerfolge von 3.000 Grundschulkindern analysiert. Sie wurden zunächst nach ihrer Einschulung auf ihre Vorkenntnisse getestet. Danach wurden fünfmal jeweils halbjährlich Diktate ausgewertet. Immer waren Fibelkinder die leistungsstärksten.

Schüler, die mit "Schreiben nach Gehör" unterrichtet wurden, machten am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler, "Werkstatt"-Schüler sogar 105 Prozent mehr als Fibelkinder. Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch war, profitierten vom Fibel-Ansatz.

Methoden zum Schreibenlernen

Fibelmethode
Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt. Die Methode gilt als klassische Methode zum Lernen der Rechtschreibung.

Schreiben nach Gehör
Bei der Methode "Schreiben nach Gehör", die in der Wissenschaft "Lesen durch Schreiben" genannt wird, suchen die Kinder mit Hilfe der sogenannten Anlauttabelle die Buchstaben eines Wortes nach Gehör zusammen, um daraus ein Wort zu bilden. Es geht darum, dass Kinder möglichst viel frei schreiben und dadurch auch das Lesen lernen. Am Anfang gibt es dabei keine Korrektur falsch geschriebener Wörter.

Rechtschreibwerkstatt
Die Methode basiert auf einem regelbasierten Vorgehen. Die Kinder sollen einzelne Wörter nicht auswendig lernen, sondern über das Konstruieren von Wörtern ein Gespür für die Rechtschreibung bekommen. Es gibt keine feste Abfolge, nach der die Kinder lernen.



Lehrerverband gegen Verbot

Eine Gefahr sieht Lars Lamowski vom Verband Bildung und Erziehung Rheinland-Pfalz im "Schreiben nach Gehör" trotzdem nicht: "Die Studie hat versucht, Kinder zu beobachten, die zwei, drei Jahre mit diese Methode arbeiten." Die gängige Praxis an den Grundschulen sei aber eine andere. Die Methode werde nur am Anfang des Lese-Schreib-Lernprozesses angewandt. "Die Kinder lernen relativ schnell zu schreiben und sind dann auch sehr motiviert bei der Sache," sagt Lamowski.

Bei der Lernmethode "Lesen durch Schreiben" des Reformpädagogen Jürgen Reichen schreiben Kinder so wie sie hören.

Bei der Lernmethode "Schreiben nach Gehör" werden die Fehler der Kinder zunächst nicht korrigiert.

Trotzdem wird in vielen Bundesländern über die Methode diskutiert. In Baden-Württemberg und Hamburg ist sie schon verboten. Der Landesverband Bildung und Erziehung ist gegen ein Verbot in Rheinland-Pfalz. Denn das bedeute eine Einschränkung der Methodenfreiheit. "Die Kolleginnen und Kollegen sind Profis", betont Lamowski, der selbst Grundschuldirektor in Kirchen an der Sieg (Landkreis Altenkirchen) ist. Er sieht das Problem nicht in der Methode: "Es liegt daran, dass einfach zu wenig Personal in den Grundschulen eingestellt wird. Der Förderunterricht fehlt teilweise gänzlich und wenn er denn stattfindet, ist er sofort wieder durch einen Vertretungsunterricht blockiert."

Viele Schüler verstehen Gelesenes nicht

Die Leistungen deutscher Grundschüler in den Bereichen Lesekompetenz und Leseverständnis haben sich seit 2001 kaum verändert. Der Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU von Ende 2017 zufolge kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er den Text auch versteht. Und der bei Viertklässlern erhobene IQB-Bildungstrend 2016 ergab, dass nur 55 Prozent orthografische Regelstandards erreichen oder übertreffen.