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Trier steht nach der Amokfahrt vom Dienstag unter Schock. Der Psychotherapeut und Trauma-Experte Christian Lüdke erklärt, wie eine Ver- und Aufarbeitung dieses Traumas aussehen kann.

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SWR1: Menschen, die durch die Tat Angehörige verloren haben und auch Passanten, die Zeugen des Unglücks in der Fußgängezone geworden sind, sind traumatisiert. Was ist jetzt, kurz nach der Tat für die Betroffenen wichtig?

Christian Lüdke: Ein solches Erlebnis kann man nur dann verarbeiten, wenn man jetzt ganz viel Ruhe und Abstand bekommt. Es ist ganz wichtig, dass man stabile Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld hat und dass man gesicherte Informationen bekommt.

SWR1: In welcher Situation sind die Menschen, die Angehörige verloren haben jetzt?

Lüdke: Die Angehörigen treten in einen extrem schweren Trauerprozess ein. Besonders gilt das für die Familie in der das Kind zu Tode gekommen ist. Es werden Lebensgesetze gebrochen, das Kind stirbt vor den Eltern und eines nicht natürlichen Todes. Menschen, die so etwas erleben, sind untröstlich, weil es keinen Ersatz für das Leben gibt.

SWR1: Besonders tragisch ist die Situation für die Familie, in der das Baby und der Vater getötet wurden. Die Mutter und ihr Sohn liegen verletzt im Krankenhaus. Wie gehen Sie als ein Trauma-Experte und Psychotherapeut eine solche Situation an?

Lüdke: Es ist sehr schwer so weiter zu leben, weil die Mutter das Liebste verloren hat, was sie hatte. Damit hat sie mindestens die Hälfte ihrer Welt verloren. Man kann jetzt nur versuchen mit ihr und ihrem Sohn eine neue Orientierung für beide im Leben zu finden, um dem Leben wieder einen Sinn zu geben. Aber Menschen, die so etwas erleben, sind im Grunde genommen ein Leben lang untröstlich.

SWR1: In Trier soll es nach der Amok-Fahrt ein gemeinsames Gedenken an die Toten an der Porta Nigra geben. Welche Rolle spielt ein solcher Ort des Gedenkens?

Lüdke: Es ist wichtig einen solchen gemeinsamen Ort zu haben, weil diese Tat auch ein Angriff auf die Seele der Stadt war. Und wenn Menschen jetzt zusammenhalten, dann ist dieser Trauerort ein äußeres Zeichen zu einer inneren Verpflichtung. Darüber ist es dann auch möglich, dass das grundlegende Sicherheitsgefühl der Stadt wiederhergestellt wird.

Das Gespräch führte Hanns Lohmann.

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