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Giftiges Unkraut? Was Sie wissen sollten: Jakobskreuzkraut

Es blüht gelb und ist für den Menschen nicht wirklich gesund - das Jakobskreuzkraut. Genauer enthält es einen Stoff, der in der Leber zu giftigen Substanzen umgewandelt wird. SWR1 Moderatorin Steffi Stronczyk hat sich mit Bernd Augustin vom Dienstleistungszentrum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Bad Kreuznach unterhalten. Dr. Augustin ist Fachmann für das Jakobskreuzkraut.

Sollten, wie derzeit in Königswinter, alle Städte und Gemeinden ihre Einwohner bitten, das Jakobskreuzkraut auszureißen?

Eigentlich nicht, man muss die Sache etwas differenzierter betrachten. Die hier vorkommenden Kreuzkrautarten gehören nämlich meist zu den einheimischen Gewächsen. Und diese sehen nicht nur schön aus, sondern dienen auch als Insektennahrung und damit Grundlage unseres natürlichen Bestandes. Von daher kann es gar nicht Ziel sein, sie ausrotten zu wollen.

Es gab vor einigen Jahren, 2009, diese große Aufregung, dass ein Blättchen Kreuzkraut in einer Schale Rucola gefunden wurde. Die Landwirte aus der Pfalz, die den Salat angebaut haben, sind die Ernte nicht mehr losgeworden. Wie gefährlich ist dieser Stoff im Kreuzkraut für uns Menschen?

Jeder redet immer vom Jakobskreuzkraut. Das ist aber nur ein Teil des Problems. Es beginnt im Januar, wenn die Kräuter blühen - die gelben Blüten erkennt jeder Kleingärtner. Doch dazwischen verbirgt sich auch das Einjährige Kreuzkraut. Dieses hat auch die Probleme im Rucola verursacht, da es auf Gemüseflächen häufig auftritt. Es ist schlicht mitgeerntet worden, und wenn es im Gemüse drin ist und in tierischen Produkten generell, wie Honig, Eier oder Milch, dann werden diese giftigen Pyrrolizidinalkaloide übertragen. Dadurch können tierische Organismen - Pferden, Schafen, aber auch Menschen - geschädigt werden. Sofern es denn aufgenommen wird. Im Prinzip ist die Gefahr zwar gegeben, in unseren Breiten, im gemäßigten Raum, besteht praktisch keine Gefahr.

Es gibt die Projekte, welche die weitere Verbreitung des Jakobskreuzkrautes bekämpfen. Wie funktioniert das?

Es geht verstärkt um die Pflege der Straßenränder. Früher hat man die Ränder abgemäht und das Mähgut abtransportiert - damit war das Jakobskraut auch beseitigt. Heute wird es gemäht und liegengelassen. Hierbei ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt gemäht wird. Am besten erfolgt das in der Hauptblüte, weil sich dann keine Samen mehr bilden. Wir haben in Untersuchungen festgestellt, dass die Samen vom Kreuzkraut bei normaler Witterung 100 bis 200 Meter weit fliegen. Das bedeutet, dass man in diesem Umkreis darauf achten muss, dass keine Kreuzkrautsamen eingetragen worden sind.

Wenn jemand in seinem Garten viel von diesem Kreuzkraut hat, ist es dann besser, es herauszuziehen?

Im Garten ist das immer gut, und zwar direkt in der Blütezeit. Denn wenn man die Samen fliegen lässt, keimen sie bei der nächsten Gelegenheit und man hat plötzlich überall Kreuzkraut. Also: Im Garten sollte man das Kreuzkraut herausziehen, besonders, damit es sich nicht zwischen Feldsalat und Rucola breitmachen kann.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt dazu? Die Blüte geht zu Ende, es bilden sich kleine Schirmchen - da sind doch bestimmt viele Samen dran?

Ja, aber wenn sie unmittelbar nach der Blüte herausreißt, erfolgt eine "Notreife" und die Samen werden nicht reif. Es bilden sich zwar die Schirmchen aus, aber die Samen sind taub - da keimt gar nichts.

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