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Vorsorgewoche Was Pflege kostet – und wer bezahlen muss

Verschiedene Pflegegrade, Versorgung im Heim, mobiler Pflegedienst: Pflege ist kompliziert und teuer. Wir klären auf, welche Möglichkeiten es gibt – und wann Verwandte bezahlen müssen.

Wer entscheidet über die Pflegebedürftigkeit?

Wie viel eine pflegebedürftige Person noch selbst erledigen kann, bewerten Gutachter – bei gesetzlich Versicherten ist der medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) zuständig, bei Privatversicherten der medizinische Dienst der Privaten. Sie schauen auf sechs Lebensbereiche des Betroffenen, zum Beispiel, ob sich jemand noch gut bewegen und allein essen und zur Toilette gehen kann. Auch ob jemand noch Gespräche mit anderen führen kann, spielt eine Rolle.

Welche Pflegegrade gibt es?

Seit 2017 werden Pflegebedürftige in fünf Pflegegrade eingeteilt. Dazu vergeben die Gutachter in den sechs Modulen Punkte. Je unselbstständiger eine Person ist, desto mehr Punkte bekommt sie - und damit auch einen entsprechend höheren Pflegegrad.

  • Pflegegrad 1 steht für eine "geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit", das heißt, Betroffene können sich selbst noch gut versorgen. Sie brauchen nur ein wenig Hilfe, zum Beispiel bei anstrengenden Tätigkeiten im Haushalt.
  • Für Pflegegrad 3 muss die Selbstständigkeit schon erheblich eingeschränkt sein, zum Beispiel durch körperliche Einschränkungen oder Demenz.
  • Mit Pflegegrad 5 werden "schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung" bescheinigt. Das heißt, dass Betroffene rund um die Uhr stark auf fremde Hilfe angewiesen sind, zum Beispiel bei der Ernährung und bei der Körperpflege.

Wie viel Geld zahlt die Pflegeversicherung für die Versorgung?

Das kommt ganz auf den Pflegegrad und die Wohnsituation an. Bei Pflegegrad 1 haben Versicherte nur Anspruch auf einen sogenannten Entlastungsbeitrag von 125 Euro im Monat. Damit können sie zum Beispiel eine Haushaltshilfe oder einen Alltagsbegleiter bezahlen, der gemeinsame Spaziergänge unternimmt oder beim Einkaufen unterstützt.

Beim höchsten Pflegegrad macht es einen großen Unterschied, ob jemand zu Hause von Angehörigen versorgt wird oder stationär in einem Pflegeheim lebt. In dem Fall wird der Höchstsatz gezahlt: 2.005 Euro pro Monat. Kümmern sich primär die eigenen Kinder oder andere Verwandte, wird ein Pflegegeld von 901 Euro monatlich gezahlt, kommt regelmäßig ein ambulanter Pflegedienst, übernimmt die Versicherung sogenannte Pflegesachleistungen in Höhe von 1.995 Euro pro Monat.

Reicht das Geld aus der Pflegeversicherung aus, um die Unterbringung im Heim zu bezahlen?

Nein, dafür wird eigentlich immer ein Eigenanteil fällig. Im Bundesdurchschnitt kostet die stationäre Versorgung, Unterbringung und Verpflegung in einem Seniorenheim bei Pflegegrad 5 rund 3.348 Euro im Monat. Der Eigenanteil liegt also bei durchschnittlich 1.343 Euro. Gezahlt werden muss er aus privater Tasche, es sei denn, man hat eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen.

Wer muss den Eigenanteil bezahlen?

Entweder der oder die Pflegebedürftige selbst – oder, wenn Rente und gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreichen und Ersparnisse bis auf einen kleinen "Notgroschen" von 5.000 Euro aufgebraucht sind, unterhaltspflichtige Kinder. Häufig übernimmt erst einmal das Sozialamt die Kosten und holt sich dann einen Teil der Kosten von den Kindern zurück.

Müssen Kinder immer für die Pflege ihrer Eltern aufkommen?

Verwandte, die direkt voneinander abstammen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Angehörigen Unterhalt zu zahlen, wenn diese bedürftig sind. In der Praxis werden Enkel aber nicht herangezogen, und Kinder nur dann, wenn ihr eigener Lebensbedarf und der ihrer Familie durch die Zahlungen nicht gefährdet wird. Das heißt: Wer es sich nicht leisten kann, für seine Eltern aufzukommen, muss auch nicht zahlen.

Grundsätzlich gehen Unterhaltszahlungen an eigene Kinder und geschiedene Ehepartner vor. Erst wenn sie versorgt, Steuern, Sozialabgaben und die eigene Altersvorsorge gezahlt ist und trotzdem noch mehr Geld übrig bleibt, als der sogenannte Selbstbehalt, müssen erwachsene Kinder für ihre Eltern zahlen. Der Selbstbehalt liegt bei 1.800 Euro für eine Einzelperson und 3.280 Euro für eine Familie. Die eigene Miete ist dort schon mit eingerechnet. 

Wann ist ein Mensch pflegebedürftig?

Laut Sozialgesetzbuch sind Personen pflegebedürftig, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung Hilfe für die gewöhnlichen Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens benötigen. Die Pflegebedürftigkeit kann also ganz unterschiedlich aussehen: Manche Menschen sind zum Beispiel körperlich stark eingeschränkt, aber geistig noch fit, andere können noch gut laufen, können sich aber wegen geistiger und psychischer Beeinträchtigungen nicht mehr gut selbst versorgen.

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