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Styropor mit gefährlicher Chemikalie Hausdämmung kein Sondermüll mehr

Ein Dachdeckermeister aus dem Westerwald musste seine Baustellen ruhen lassen, weil er die alten Dämmstoffe aus Styropor nicht losgeworden ist. Sie waren nämlich zu Sondermüll erklärt worden. Und den wollte keiner haben. Seit dem 1. August 2017 sind diese Dämmstoffe, die eine giftige Bromverbindung enthalten, kein "gefährlicher Abfall" mehr. Alice Thiel-Sonnen aus der SWR1 Umweltredaktion.


Wie kann es sein, dass ein Stoff über Nacht harmlos wird?

Der Stoff an sich ist nicht harmlos geworden. Aber Bund und Länder hatten zuerst EU-Vorgaben zu solchen langlebigen Stoffen überkorrekt umgesetzt – damit wurde Abfall mit HBCD drin zur Kategorie "gefährlicher Abfall" – weil der aber nur in ganz speziellen Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden darf, gab es diesen Engpass Ende letzten Jahres. Deshalb jetzt das Zurückrudern: Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass es "nicht gefährliche Abfälle" sind, damit können sie in jede normale Hausmüll-Verbrennung. Das löst den Engpass – die Handwerker werden ihren Kram wieder los – und das zu nicht überteuerten Preisen.

Ist das nicht geschummelt? Also wenn man den Abfall nur umetikettiert, der Stoff aber weiterhin eine gefährliche Chemikalie ist. Was bewirkt dieses HBCD in der Umwelt?

Ja, das ist verwirrend. Der Stoff HBCD an sich ist nicht harmlos. Das ist eine Bromverbindung, giftig, langlebig und wird in der Umwelt kaum abgebaut, reichert sich in Lebewesen an, wie Fischen und Vögeln; sie steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und den Embryo zu schädigen. Aber hier geht es um Abfälle, die HBCD enthalten. Vor allem eben diese Styropor-Dämmplatten. Das Bundesumweltministerium hat befunden, der Entsorgungsweg sei sicher. Die Abfälle können problemlos auch in Hausmüll-Verbrennungsanlagen entsorgt werden, die Bromverbindungen werden dabei vollständig zerstört. Das hat man in einer Studie untersucht. Und es gilt zusätzlich eine Nachweis- und Registerpflicht für diese Abfälle: Sie müssen getrennt gesammelt und gemeldet werden, also hat man die Kontrolle, was anfällt, wo es hingeht – und so soll verhindert werden, dass HBCD unkontrolliert in die Umwelt gelangt.

Fassaden werden natürlich weiterhin gedämmt. Geht es künftig ohne diese giftigen Bromverbindungen in den Dämmplatten?

Es gibt längst ungefährliche Ersatzstoffe, die auch diese flammenhemmende Wirkung haben. Die Dämmplatten, die heute verarbeitet werden, sind fast alle schon HBCD-frei. Die Verwendung von HBCD ist inzwischen verboten. Aber in all den Häuserdämmungen, die in den letzten 50-60 Jahren verbaut wurden – da steckt er noch drin. Und die werden als Abfall jetzt so langsam immer mehr auftauchen.

In Polystyrol-Dämmplatten oder in anderen Kunststoffen, wie Fernsehgehäusen zum Beispiel: Dort, wo HBCD eingearbeitet ist, ist es fest gebunden. Da sagt das Umweltbundesamt: Keine Gefahr. Nicht einmal wenn der Regen an die Hauswand klatscht - es wird nichts freigesetzt.

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