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Der Psychologe Prof. Michael Witthöft hofft, noch mehr Menschen davon überzeugen zu können, sich an die Corona-Regeln zu halten. Dazu sei auch wichtig, "die Dramatik in Bilder zu packen", sagt er im SWR1-Interview.

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SWR1: Wer sich bisher an keine Corona-Maßnahmen gehalten hat, tut das jetzt auch nicht. Stimmen Sie dem zu?

Prof. Michael Witthöft: Das ist natürlich eine sehr pessimistische Einschätzung. erst mal und die Hoffnung ist schon, dass es gelingt, den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen. Ich denke, die Regeln sollen auch ein Signal setzen und nochmal ganz deutlich machen, dass die bisherigen Anstrengungen einfach nicht ausgereicht haben, wir noch einmal neue Wege gehen müssen. Zumindest für eine begrenzte Zeit.

SWR1: Glauben sie aus ihrer psychologischen Sicht, dass die Regeln tatsächlich etwas bewirken bei Leuten, die bisher eher uneinsichtig waren?

Witthöft: Wir haben eigentlich große Zustimmungsraten, über 80 Prozent, was die Maßnahmen früherer Art und auch aktueller Art betrifft. Von daher bin ich absolut optimistisch, dass es auch gelingt, noch die Dramatik und die Problematik immer mehr Menschen vergleichbar zu machen. Ich finde, es ist wichtig, das in Bilder zu packen. Und wenn wir uns vorstellen, dass wir heute beispielsweise über 1.000 Todesopfer hatten, nur für die zurückliegenden 24 Stunden, dann ist es vergleichbar mit zwei vollbesetzten Jumbo-Jets, die über der Bundesrepublik abgestürzt sind. Ich glaube, es ist wichtig, das mal in Relation zu setzen, um sich deutlich zu machen, wie wir auf anderer Ebene mit Ereignissen umgehen würden, die so viele Todesopfer fordern, wie es Covid-19 derzeit tut.

SWR1: Sie haben schon angesprochen, dass die übergroße Mehrheit der Menschen folgsam ist, was die Corona-Regeln betrifft, teilweise sogar auch noch schärfere Regeln befürworten würde. Warum schaffen das viele Menschen so gut und manche eher gar nicht?

Witthöft: Ich glaube, ein Aspekt hat damit zu tun, dass es Menschen unterschiedlich leichtfällt, über abstrakte Phänomene nachzudenken. Ich erlebe das ganz häufig, dass mich Menschen ansprechen und sagen, hast du schon einen schwer Erkrankten gesehen oder hast du schon einen ganz schwierigen Verlauf gesehen? Und das bedeutet, Menschen tun sich schwer, Gefahren richtig einzuschätzen, wenn sie nicht unmittelbar persönlich damit konfrontiert waren. Und nun gibt es Menschen, denen reicht es, wenn ich davon berichtete und wenn ich erzähle, es gibt das, oder wenn die das in den Medien sehen. Das heißt, sie können das abstrakt begreifen. Und andere Menschen tun sich unglaublich schwer damit - sie müssen es mit eigenen Augen sehen. Und das ist nur ein Faktor von ganz vielen, warum Menschen so unterschiedlich auf diese Bedrohung reagieren.

SWR1: Auch nach einem Jahr wissen wir noch längst nicht alles über das Virus, vor allem nicht über die Langzeitfolgen - sowohl die körperlichen, aber auch die psychologischen. Genau diese Langzeitfolgen wollen Sie jetzt aufdecken. Wie gehen Sie das an?

Witthöft: Wir haben jetzt kurz vor Weihnachten begonnen mit einer neuen Studie, es ist unsere zweite Studie. Wir hatten begonnen im ersten Lockdown im März, uns dafür zu interessieren, mit welchen psychischen Begleiterscheinungen und Beschwerden geht denn diese Krise einher, um auch Risikogruppen identifizieren zu können, die besondere Hilfe benötigen in dieser Krise. Und diese Frage wollen wir jetzt noch einmal aufgreifen in dieser langfristig angelegten Studie über zwei Jahre. Und wir wollen auch versuchen vorherzusagen, bei wem verläuft eine Covid-19-Erkrankung leichter und wer ist von einem schweren Verlauf betroffen.

SWR1: Also eine langfristig angelegte Sache? Haben sie trotzdem schon erste Erkenntnisse gewinnen können aus den ersten eingetroffenen Daten?

Witthöft: Wir haben erste Erkenntnisse aus der Studie vom März, wo wir sehen können, dass der erste Lockdown mit deutlichen psychischen Problemen einhergegangen ist und dass vor allem die jüngeren Altersgruppen, also zwischen 18 und 35, deutlich stärker betroffen waren von den negativen Konsequenzen. Und wir haben dort auch gesehen, dass Menschen mit psychischen Vorerkrankungen stärker betroffen waren als andere.

SWR1: Spielen diese Forschungsergebnisse möglicherweise auch bald schon eine Rolle bei den wissenschaftlichen Empfehlungen an die Politik und an die Gestaltung der Corona-Schutzmaßnahmen?

Witthöft: Das ist natürlich eine ganz große Hoffnung, dass wir bald sagen können, welche Formen der Kontaktbeschränkungen besser sind, verträglicher und trotzdem hilfreich. Es ist natürlich die Hoffnung, dass das in Bälde auch relevant wird für die politischen Entscheidungen.

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