Chromebook Logo (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Florian Schuh)

Google statt Microsoft

Sind Chromebooks eine Windows-Alternative?

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Marcus Netscher
SWR1 Redakteur Marcus Netscher (Foto: SWR, privat - M.Netscher)

Der Trend ist nicht neu. Seit elf Jahren gibt es ein eigenes Computer-Betriebssystem von Google, "Chrome OS". Günstig und schnell soll es sein, wenig Ressourcen verbrauchen und inzwischen sogar dem Platzhirsch Windows von Microsoft Konkurrenz machen. Wir sagen Ihnen, wie es funktioniert und worauf Sie beim Kauf eines Chromebooks achten sollten.

  1. Was ist ein Chromebook?
  2. Vorteile von ChromeOS
  3. Android-Apps lauffähig
  4. Acht Jahre Updates
  5. Nachteile von ChromeOS
  6. Software: "Hui und Pfui"
  7. Für ist ein Chromebook geeignet?
  8. Welches Chromebook kaufen?
  9. Chromebooks offline nutzen
  10. Fazit

Was ist ein Chromebook?

Das Betriebssystem ChromeOS ist in Laptops, Foldables oder Tablet-PCs vorbehalten. Solche Computer werden auch unter dem Begriff Chromebook zusammengefasst. Fast alle großen Hersteller haben inzwischen mindestens ein solches Modell im Angebot. Die Preise reichen von runden 200 Euro für kleine Einsteiger-Geräte, bis hin zu über 1.000 Euro für leistungsfähige Multimedia-Einheiten. Alle Geräte können zwar ohne Internet genutzt werden, sind aber auf die Online-Verwendung hin optimiert. Beim Kauf ist das Betriebssystem bereits vollständig installiert. Für die Nutzung wird nur ein kostenloser Google-Account und eine Online-Verbindung benötigt.

Vorteile von ChromeOS

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Da die Geräte auf eine Online-Verwendung hin optimiert sind, zum Beispiel auf die Nutzung von Online-Office-Programmen kommt kaum kostenintensive Hardware zum Einsatz. So genügt einem praxistauglichen Chromebook ein relativ langsamer Prozessor, wenig Arbeitsspeicher. Das hält die Kosten niedrig und gibt den Geräten auch die Möglichkeit mit relativ kleinem und leichtem Akku lange Laufzeiten zu erreichen. Auch beim Betriebssystem selbst ist weniger mehr. Auf eine mechanische Festplatte wird ohnehin zu Gunsten von deutlich schnellerem Festspeicher verzichtet. Schaltzentrale des mit wenigen, aber durchaus sinnvollen Features ausgestatteten Systems ist der bekannte Google Chrome-Browser. Hier wird auch die Verwandtschaft zu Googles Android deutlich und die Bedienung und Nutzung des Systems fällt relativ leicht.

Chromebook (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Remko Kool)
Einsteiger-Geräte, wie dieses 11 Zoll-Gerät kosten neu meist nicht mehr als 250 Euro oder darunter und sind auch gebraucht eine Einstiegs-Alternative. Remko Kool

Android-Apps lauffähig

Ein weiterer Vorteil ist die Kompatibilität. Aktuelle ChromeOS-Rechner können nahezu alle Android-Apps oder auch einige Linux-Programme nutzen. Letzteres erfordert allerdings zumindest grundlegende Linux-Kenntnisse. Kein Wunder übrigens, handelt es sich doch bei ChromeOS und seinem quelloffenen Vorgänger "ChromiumOS" um ein System, das auf einem Linux-Kern basiert.

Acht Jahre Updates

Google gibt an, das alle nach 2020 gebauten Modelle acht Jahre lang mit entsprechenden Updates versorgt werden. Ältere Modelle werden drei oder sechs Jahre unterstützt, bekommen aber auch danach regelmäßige Sicherheitsupdates, was allerdings unter Umständen eine Einarbeitung in das System notwendig macht. Somit sind auch gebrauchte Chromebooks meist noch auf der Höhe der Zeit und reduzieren den Anschaffungsaufwand deutlich.

Nachteile von ChromeOS

Ein entscheidender Nachteil des Systems ist die Abhängigkeit von Google. Ohne einen Google-Account gewähren die Geräte nur minimalen Zugang zum Betriebssystem. Also tut der Nutzer gut daran, genau zu überprüfen, welche Rechte er wann vergibt und Daten wann und wo übermittelt werden. Diese Einstellung sind zwar leicht erreichbar und verständlich umgesetzt, erfordern aber trotzdem Vertrauen oder ein Studium der Nutzungsbedingungen. Ebenfalls ein Nachteil von webbasierenden Geräten ist die notwendige Online-Verbindung. Ohne WLan ist das Abrufen der in der Cloud gespeicherten Fotos oder Textdateien eben einfach nicht möglich, der in der Regel nur knapp bemessene interne Speicher des System tut sein Übriges. Bei günstigen Einsteiger-Geräten kommen negativ oft noch fehlende Anschlüsse dazu. Zwar sind alle Chromebooks mit einem USB-Anschluss ausgestattet, HDMI oder SD-Kartenleser sucht man gerne vergebens. Diesen Mangel beseitigt dann nur eine passende Docking-Station, falls das Gerät stationär eingesetzt werden soll.

Chromebook mit Touchscreen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Florian Schuh)
Viele Chromebooks verfügen über einen Touchscreen, der die Nutzung touch-optimierter Apps deutlich erleichtert. Florian Schuh

Software: Hui und Pfui

So lange es sich um Google’s eigene Dienste, wie den Cloud-Speicher, den Kalender oder den Messenger handelt, ist eine Bedienung fast intuitiv und ein geräteübergreifendes Arbeiten zum Beispiel zwischen einem Android-Smartphone und einem ChromeOS-Rechner problemlos möglich und ähnlich wie bei Apple bis ins Detail durchdacht. Bei Drittabnieter-Apps und Software ist der Nutzer allerdings darauf angewiesen, dass der Hersteller auch an die Möglichkeit einer Nutzung abseits von Touchscreen und Wischgesten gedacht hat und seine Software auch dahingehend ausgelegt hat. Das ist leider nicht immer der Fall und gerade bei vielen Android-Apps nicht gegeben. Außerdem mangelt es fast immer an einer Integration ins System. So wird das Speichern von Dateien in einer Cloud abseits des Google-Universums gerne zur Klickorgie oder die Nutzung mehrerer Mail-Accounts unterschiedlicher Anbieter erfordert gleich mehrere Apps. Ebenfalls in die Röhre schauen iPhone-Nutzer, da es keine ChromeOS-Alternative zum unbedingt notwendigen iTunes gibt, während ein Android-Gerät fast nahtlos in das System eingebunden werden kann.

Für wen reicht ein Chromebook aus?

Fasst man Vor- und Nachteile zusammen, so ist Google ChromeOS und die dazu passende Hardware etwas für Menschen, die klare Vorgaben an ihr Gerät stellen. Surfen, Streamen, Email und Office sind, unter Ausnutzung der passenden Online-Apps und Programm die eigentlichen Stärken des Systems, während speicheraufwändige Foto- oder Video-Bearbeitung schon an der fehlenden Software scheitern. Besonders smart: Geräte mit Touchscreen, dann können auch Apps mit reiner Touchscreen-Bedienung problemlos genutzt werden.

Welches Chromebook kaufen?

Grundsätzlich reicht für den Einstieg und leichte Office-Arbeiten ein Einsteiger Modell bis 400 Euro. Dabei bestimmen vor allem die Größe des Displays, eine Touch-Option oder die Anzahl der vorhandenen Anschlüsse, sowie der Prozessor-Typ und der verbaute Speicher den Preis. Gebrauchte Geräte mit kleinem Display werden unter 100 Euro gehandelt, ein neues 17-Zoll-Touchscreen-gerät schlägt mit 600 Euro oder mehr zu Buche, kann dann im Zweifel aber parallel auch mit einem aktuellen Windows-System umgehen. Praxistauglich werden kleine Geräte mit wenigen Anschlüssen zum Beispiel mit einer Docking-Station, für die allerdings ein USB-C-Anschluss und ein Aufwand von rund 60-200 Euro notwendig wird.

Chromebook offline nutzen

Chromebooks sind zwar auf die Online-Nutzung ausgelegt, dennoch funktionieren alle Apps und Programme, die keine Internetverbindung benötigen auch so. Problematisch wird es mit den klassischen Office-Programmen, da diese als Web-Apps ohne Internet nicht funktionieren. Auf dem Chromebook abgelegte Bilder, Musik oder Videos sind ebenfalls kein Problem. Eine Übersicht über die offline verfügbaren Google-Diensten und wie Sie auch Ihre Mails mit der "Gmail-App" offline lesen und beantworten können, finden sie in der Gmail-Hilfe. Ebenfalls spannend: Google verfolgt, nach eigenen Angaben den Weg, künftig noch mehr Apps auch offline nutzbar zu machen. Eine entsprechende Anleitung ist verfügbar. Und wem das alles nicht ausreicht, der könnte auch darüber nachdenken mit OpenOffice eine Linux-App auf das Chromebook zu portieren. Entsprechende Anleitungen finden sich ebenfalls online.

Fazit

Chromebooks sind für viele Normalanwender inzwischen zu einer brauchbaren Windows-Alternative geworden, vor allem weil auf kostspielige Hardware verzichtet werden kann und die Versorgung mit Updates über acht Jahre, unabhängig vom Gerätehersteller, gewährleistet ist. Ähnlich wie bei Apple nimmt man allerdings in Kauf, dass man sich dafür in eine relative Abhängigkeit von Google begibt und eine Online-Verbindung schier zwingend erforderlich ist.

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