Füße im Bett (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / PYMCA/Photoshot / Foto: Thomas Borberg)

Sexologin Katrin Hinrichs klärt auf

Sechs Tipps für ein erfülltes Sexleben

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In langjährigen Beziehungen ist Sexualität oft nicht mehr Priorität eins. Doch erfüllte Sexualität ist auch in langen Partnerschaften möglich, sagt die Sexologin Katrin Hinrichs.

Zu Katrin Hinrichs kommen Männer und Frauen, junge und alte Menschen, die Probleme mit der Sexualität haben oder unter Lustlosigkeit leiden. Ihrer Patienten haben oft eine falsche Vorstellung von Sexualität: “Die Leute glauben immer, Sexualität ist einfach da, und das kriegen wir von Haus aus mit. Wie kriegen zwar körperlich alle Mittel mit, aber Sexualität ist erlernter Prozess."

1. Auch im Alltag liebevoll, freundlich und nett sein

Im Alltag kommt es immer wieder vor, dass das Haustier freundlicher begrüßt wird als der Partner. Das sollte nicht sein. Der Partner sollte ordentlich begrüßt und auch verabschiedet werden. “Da können Sie sich mal wirklich einen Augenblick in den Arm nehmen und einen richtigen Kuss geben, nicht so einen Erbschaftskuss rechts und links, sondern einen Kuss auf den Mund und nicht kürzer als vier Sekunden!”
Und wirklich nett sein ist wichtig. Und zwar schon morgens beim aufstehen und nicht erst dann, wenn es um körperliche Nähe geht. “Wenn ich gern mal wieder körperlich und zärtlich werden will, dann meckere ich nicht morgens schon, dass die Orangenmarmelade nicht da ist (...) und bin auch mit Kritik vorsichtig.”

2. Berühren Sie sich

Berührungen und Nähe ist ein Urinstinkt der Menschheit. Schon bevor der Mensch sprechen konnte, hat er sich mit Berührungen ausgedrückt. Und Berührungen lösen beim Gegenüber viel aus: “Ich sehe dich, ich nehme dich in meinen Arm und ich fasse dich an. Das ist so entscheidend." Viele Menschen sind ängstlich, wenn es um Berührungen geht “von wegen, dass es immer auf das Gleiche hinausläuft.” Aber Sexualität ist ein großes erotisches Büffet: “Ich kann mit jemandem kuscheln, auch nackt, ohne dass es in Sex endet.“ Der Mensch hat lebenslang das Bedürfnis berührt zu werden.

3. Entspannen Sie sich

“Nicht müssen müssen”. Aus kleinen Dingen können große Dinge entstehen, daher erst mal entspannen, sich runterfahren, und sich wohlfühlen. “Stress kann man auch gut durch Körperlichkeit abbauen”, zum Beispiel den Partner mit einer Fußmassage oder Nackenmassage entspannen. Und wenn der Partner dann einfach einschläft ist, ist es auch fein. Aber es kann sich aus so einer Situation auch etwas entwickeln. “Ergebnisoffen: das ist das, was ich immer gerne sage und nicht immer dieses Gefühl zu haben, man muss irgendwas.”

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Klinische Sexologin Katrin Hinrichs | 17.7.2022 So klappt’s mit dem Sex in langen Beziehungen

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4. Füreinander Zeit nehmen

Wenn das im Alltag nicht funktioniert, muss der Terminkalender ran. Und das ist dann auch nicht unromantisch. Sich füreinander Zeit nehmen ist ein wichtiger Aspekt: zweimal die Woche aufmerksam unterhalten und etwas gemeinsam machen. Das muss jetzt nicht die große Verabredung sein, aber “zum Beispiel fragen: Können wir zusammen in der Küche tanzen? Können wir zusammen einen Spaziergang machen?” Zeit und Aufmerksamkeit, wo man sich wirklich umeinander kümmert. “Und ich meine nicht, dass man vorm Fernseher zusammen sitzt, jeder noch sein Telefon auf dem Schoß“ sondern sich richtig anschauen und miteinander übereinander reden.

5. Den Beckenboden trainieren - gilt für beide Geschlechter

Mit dem Beckenboden will keiner was zu tun haben, aber nur wenn der beweglich ist, kann die Lust durch den ganzen Körper fließen. Ein trainierter Beckenboden ist wichtig, da die Blutfülle für die eigene Sexualität über den Beckenboden aufgebaut wird. Und zwar für Frauen und Männer, “so vom Wurm zur Anakonda, das ist so ein bisschen das Ziel, vom Gefühl her.”

6. Gehen Sie aufeinander zu

“Es muss nicht immer der Penetrations-Sex sein, es kann auch einfach eine gute Berührung seien, absichtslos, nur dass man sich und den anderen mal wieder spürt und zur Kenntnis nimmt.” Am besten geht das neu zueinander finden in kleinen Schritten. Kleine Schritte macht man eher, als große Schritte. Das bekommt jeder hin, wenn man es denn möchte.

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