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Am 17. August beginnt in Rheinland-Pfalz die Schule. Wegen Corona ist der Betrieb mit etlichen Hygienemaßnahmen verbunden. Bundesärztekammer-Präsident Reinhardt erklärt im SWR1-Interview, warum ein Regelbetrieb seiner Ansicht nach trotzdem notwendig ist.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer Picture Alliance

SWR1: Herr Reinhardt, ist die Rückkehr zum Regelbetrieb Ihrer Ansicht nach die richtige Entscheidung?

Klaus Reinhardt: Ich finde, dass wir das den Kindern gegenüber schuldig sind und verpflichtet sind, sie vernünftig auszubilden. Dazu gehört nicht nur die schulische Wissensvermittlung, sondern auch die Betreuung in der Schule und die Strukturierung des Alltages.

SWR1: Was würde das mit den Kindern machen, wenn sie keinen Unterricht hätten?

Reinhardt: Die Alltagsstruktur eines Kindes oder eines Jugendlichen ist im Normalfall vom Schulalltag geprägt. Pädagogen können in der Schule feststellen, ob deren Entwicklung in irgendeiner Form gestört ist oder falsch verläuft und in den häuslichen Verhältnissen Dinge nicht in Ordnung sind. Das sind alles Dinge, die wegfallen, wenn wir keinen regelmäßigen Schulunterricht haben.

SWR1: In Mecklenburg-Vorpommern haben jetzt schon wieder zwei Schulen dicht gemacht, weil es Corona-Fälle gab. Ist das der richtige Weg?

Ich glaube, dass es übertrieben ist, gleich eine ganze Schule dicht zu machen. Es könnte auch ausreichend sein, dass man die betroffenen Kurse und Klassen für eine Woche schließt und zuhause lässt. Das muss man ausprobieren, in wie weit die Maßnahmen gehen müssen. Ein bisschen auch durch die Angst getriggert, neigen wir im Moment dazu, sehr drastische Maßnahmen auszusprechen. Wir müssen aber lernen auszuprobieren, was die gerade noch notwendigen Maßnahmen sind, die man dann tatsächlich ergreifen muss, und welche Maßnahmen tatsächlich überzogen sind.

Maskenpflicht oder keine - was ist in Ihren Augen sinnvoll?

Das ist schwierig zu beantworten. Auf der einen Seite ist das Tragen einer Maske sinnvoll hinsichtlich des Infektionsschutzes und der Reduzierung der Gefährdung der anderen. Man muss aber trotzdem sagen, ein Schulunterricht mit einer Maske ist schwierig, z. B. in einem Fremdsprachenunterricht, in dem die Aussprache gelernt und die Mundbewegung gesehen werden muss. Wichtiger ist, dass man in einem nicht zu engen Raum sitzt, dass man Klassen teilt, möglichst viel Luftzirkulation in den Klassen hat und das Setting des Unterrichts etwas verändert. Also, kürzere Unterrichtsstunden und häufiger Pause macht, mehr lüftet usw. Das sind Maßnahmen, die wirksamer sein werden, als im Unterricht eine Maske zu tragen.

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