STAND

Der Alltag während der Corona-Pandemie bringt viele an ihre Grenzen: Viel Stress oder Einsamkeit, teilweise auch finanzielle Sorgen. Wir fragen eine Mentorin und Expertin für Krisenintelligenz, wie man das alles schaffen kann.

SWR1 Rheinland-Pfalz: Frau Mändle, Sie sind Expertin für Krisenintelligenz. Was raten Sie einer erschöpften Alleinerziehenden, die Geldsorgen plagen und die mit ihren Kindern immer ungeduldiger wird?

Angelika Mändle: Wir Menschen sind inzwischen so am Perfektionismus orientiert und haben so hohe Erwartungen an uns, Dinge auf die Reihe zu bekommen, zu kontrollieren, einfach alles richtig machen zu wollen. Das ist in der Krise noch weniger möglich als im sonstigen Leben. Man sollte nicht so perfekt sein wollen. Und wenn mal ein Fehler passiert, dann kann man darüber lachen und muss nicht schimpfen oder sich darüber aufregen.

Dauer

Welche Rolle spielt die Tatsache, dass in Sachen Corona-Pandemie noch kein Ende absehbar ist?

Das ist auch ein Bestandteil dieser Thematik, weil wir darauf hoffen, dass danach alles wieder wie vorher wird. Das ist für mich auch eine Chance in dieser Krise zu sagen: Nein, es muss nicht genauso werden wie vorher. Das heißt, wenn es anders werden darf, dann kann ich jetzt die Zeit nutzen, um Schritt für Schritt zu schauen: Wie kann ich mein Leben insgesamt verändern, sodass es mir und meinen Kindern besser geht, das wir mehr Gemeinsamkeiten erreichen und uns besser verstehen können?

Und das kann die familiäre Situation in der Nach-Corona-Zeit verbessern?

Ja, so sehe ich das. Wenn man die Zeit jetzt nutzt. Schritt für Schritt vorgeht und nicht darauf fiebert, dass die Krise vorbei ist, sondern stattdessen sagt: Lass uns einander jetzt doch anders kennenlernen. Lass uns gemeinsam spielen, kochen und tun, was auch immer an schönen gemeinsamen Dingen möglich ist.

Wie kann jemand seine Einsamkeit in Corona-Zeiten überwinden?

Also ich nehme mein eigenes Beispiel. Ich bin zwar nicht einsam, aber ich lebe allein. Das ist der große Unterschied. Allein zu leben heißt nicht unbedingt gleich, einsam zu sein. Ich bin fasziniert, wie viel mehr Kontakte ich habe, einfach indem ich Leute anrufe. Wenn ich mich so fühle, dass ich gerade mit jemandem reden muss, dann rufe ich jemanden an. Oder ich biete meinen Freunden an, eine kleine gemeinsame Kaffeepause am Telefon zu machen. Die Dinge, die man vorher gemeinsam gemacht hat, kann man jetzt über das Telefon machen. Spannenderweise gehen da oftmals die Hemmschwellen runter. Man kann vielleicht einfacher über das Telefon mit jemandem reden, als sich mit ihm zu treffen.

Wie und woraus kann man jetzt wieder neuen Lebensmut schöpfen?

Ich hatte früher sehr viel Schwere in mir und war wirklich auch sehr einsam. Was mir sehr geholfen hat, war tatsächlich zu schauen: Was läuft denn bei mir gut? Es gibt immer Dinge, die bei einem selbst gut laufen. Das wird auch in der Psychologie als ein Instrument genutzt. Anstatt sich immer darauf zu fokussieren, was schlecht läuft, sollte man den Fokus auf die Dinge setzen, die gut laufen. Es gibt immer etwas. Fast jeder hat ein Dach über dem Kopf und vielleicht auch schöne Möbel. Manchmal ist es auch einfach nur hilfreich sich, nur für sich selbst, schick und fein zu machen. Also Dinge zu finden, die einen selbst stärken. Man kann sich mal an die Kindheit zurückerinnern und überlegen: Was war da schön und was kann ich daraus im positiven Sinne nutzen? Damit passieren Dinge in uns und wir fühlen uns besser.

Gibt es etwas, dass Sie selbst schon aus dieser Krise gelernt haben?

Ich habe ein ganz persönliches Erlebnis gehabt. Vor drei Wochen ist meine Mutter gestorben. Dadurch hatten wir die Notwendigkeit, die Trauerfeier ganz anders zu gestalten - nämlich mit einer sehr reduzierten Anzahl an Menschen. Es war überhaupt nicht möglich, das im normalen Rahmen zu machen, so wie wir es kennen und gewohnt sind. Wir haben uns losgelöst von der Idee, wie es sein muss und haben uns hingewendet zu dem, was möglich ist. Als Ergebnis kam eine wunderschöne Trauerfeier heraus, bei der jeder voll erfüllt war und die wirklich viel schöner war, als es normalerweise gewesen wäre. Das ist für mich ein ganz großes "Learning", zu sagen: Lösen Sie sich von dem, was sein muss und schauen Sie, was möglich ist. Die Schönheit liegt darin, was daraus entstehen kann.

Die Fragen stellte Hanns Lohmann.

Eltern-Blog: Der ganz normale Corona-Wahnsinn Jetzt ist es also soweit – ich mache Schluss

Nach sieben Wochen Homeoffice und damit auch sieben Wochen Eltern-Blog, ist Schluss mit dem Tagebuch von Sandra Karch. Für sie geht es ab Montag wieder ins Büro und die Kinder dürfen in die Kita.  mehr...

Aktuelle Lage in Rheinland-Pfalz Blog: Neueste Entwicklungen zum Coronavirus

Das Coronavirus hat wochenlang das öffentliche Leben in Rheinland-Pfalz weitgehend lahmgelegt. Inzwischen sind viele Einschränkungen gelockert worden, das Virus bestimmt aber nach wie vor den Alltag. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

STAND
AUTOR/IN