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Schweben! Segelflieger über der Mosel

Was macht Rheinland-Pfalz im Sommer? In die Luft gehen! Gleitschirmflieger, Fallschirmspringer, Ultralight-Motor- und Segelflieger - es gibt in RLP hunderte dieser Vereine. Fliegen ist der alte Menschheitstraum. Auch deshalb pilgern viele an Wochenenden zu den Flugplätzen der Luftsportvereine. Einer der aktivsten mit rund 70 Mitgliedern ist der Fliegerclub Neumagen-Dhron an der Mosel. Jugendarbeit steht dort groß im Vordergrund. Vor allem die Segelflieger investieren dafür viel Zeit. Vor allem natürlich im Sommer. Die Nachwuchspiloten mischen bei internationalen Wettbewerben ganz vorne mit. SWR1 Redakteur Steffen Sturn war dort.

3:26 min

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Sommer in Rheinland-Pfalz

Segelfliegen über der Mosel

Sturn Steffen

Fliegen ist ein alter Menschheitstraum. Auch deshalb pilgern viele an Wochenenden zu den Flugplätzen der Luftsportvereine in Rheinland-Pfalz. Einer der aktivsten mit rund 70 Mitgliedern ist der Fliegerclub Neumagen-Dhron an der Mosel. Die Nachwuchspiloten mischen bei internationalen Wettbewerben ganz vorne mit.

Das schönste Geräusch für Segelflieger hat das Brummen des Motors. Ganz einfach weil er die Seilwinde antreibt, mit der die Segelflieger starten. Aber nicht am Tag meines Besuchs. Zu tief hängen die Regenwolken über dem Flugplatz. Landschaftlich ist das alles sehr reizvoll – so hoch über der Mosel, tiefgrüne Steillagen mit Wein, Dörfer aus Schiefer und Fachwerk. Neumagen-Dhron hat einen sympathischen Fliegerclub – mit alten Hasen als Lehrer und vielen Flugschülern. Julian und Fabienne sind gerade erst 15.

"Ich bin der einzige in der Klasse, der das macht. Das bewundern alle, nur weiß ich nicht, ob alle selbst den Mut dazu hätten. Manchmal werde ich auch gefragt, ob ich den ein oder anderen mal mitnehmen kann, wenn ich meinen Schein habe. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl, fast senkrecht in die Luft geschossen zu werden."

"Ich habe mich für das Fliegen entschieden, weil man die Erde aus einer anderen Perspektive sehen kann. Wenn ich in der Luft bin bekomme ich den Kopf frei und vergesse alles, weil es einfach so schön ist. Mittlerweile find ich's einfach nur noch geil."

Höhen...

Sie alle teilen diese Begeisterung fürs Fliegen – diese unerklärliche Leichtigkeit des Seins. Rund 50 Euro im Monat kostet das Hobby. Ältere Piloten sponsern junge begabte Flugschüler, wenn deren Geld nicht reicht. Und die ehrenamtlichen Fluglehrer investieren viel Zeit in den Nachwuchs. Gerade im Sommer, auch an den Wochenenden. Aber das sei kein Opfer, meinen Thomas Gemmel und Manfred Lentes:

"Meine Frau ist selbst Segelfliegerin gewesen und mein Sohn ist ebenfalls Segelflieger. Deswegen ist es kein Problem in der Familie. Man macht das schon gerne, sonst könnte man es auch nicht vernünftig machen. Wenn man 14-Jährige ein Stück weit auf ihrem Lebensweg begleiten kann, macht das schon unheimliche Freude."

...und Tiefen

Ein Wermutstropfen ist die wuchernde Bürokratie. Denn jeder Ausbildungsschritt muss minutengenau den Luftfahrtbehörden gemeldet werden.

"An uns werden die selben Ansprüche gestellt wie z.B. an die Flugschule der Lufthansa. Und da verzweifelt man manchmal schon dran. Wenn ich hier ienen normalen Schulflug von fünf Minuten an unserer Winde mache, habe ich hinterher noch einmal sechs bis acht Minuten Verwaltungsarbeit damit."

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Segelflieger Neumagen-Dhron

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Sommer in Rheinland-Pfalz - Segelfliegen

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Jugendarbeit macht sich bezahlt

Trotzdem ist der Flugsportverein Neumagen einer der ehrgeizigsten , was den Leistungsssport angeht. Viele junge Piloten fliegen erfolgreich bei internationalen Meisterschaften. Der 20-jährige Robin Diesterweg ist inzwischen Weltmeister in der Mannschaftswertung.

"Also ohne Segelflug ja, aber ohne Fliegerei niemals. Ich mach auch noch Motorflug, einfach in die Luft zu kommen brauche ich auf jeden Fall ab und zu mal. Ich könnte auch Gleitschirmfliegen machen oder so, mache das auch schon von Kindesbeinen an. Irgendwann ist halt die Faszination da und man kommt auch so schnell nicht davon weg."

Der Appell - Mitmachen lohnt sich!

So ist der Sommer ausgefüllt mit Ferienfluglagern und Weiterbildung. Die beiden Lehrer Lentes und Gemmel wollen Mut machen. Rund 50 Flugvereine in Rheinland Pfalz – "Probiert's aus!", rufen die beiden in Richtung Jugend. Traut euch – und fliegt irgendwann alleine! Ihr werdet es nie vergessen.

"Spätestens wenn man dann in der Luft ist, wird einem klar: Mensch, jetzt ist ja niemand mehr hier, der mir helfen kann, wenn etwas dazwischen kommt. Auf der anderen Seite weiß man auch, dass der Aufpasser nicht mehr hinten drin sitzt - und das ist in dem Moment einfach ein unheimliches Freiheitsgefühl."

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