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SENDETERMIN So, 22.8.2010 | 10:00 Uhr | SWR1 Rheinland-Pfalz

Jeder kann zum Mörder werden Leute mit Ferdinand von Schirach

Der Fürsprecher

Bis vor einem Jahr war Ferdinand von Schirach "nur" ein erfolgreicher Anwalt - mit Mandanten wie Günter Schabowski oder Klaus Kinski. Vor einem Jahr landete er mit seinem Buch "Verbrechen" einen Überraschungserfolg als Bestsellerautor. Jetzt ist sein neues Buch erschienen: "Schuld". SWR1-Moderatorin Katja Heijnen spricht mit Ferdinand von Schirach über Sinn und Unsinn von Strafe, Sicherheitsverwahrung und warum er denkt:" Wenn es ganz gerecht zuginge, würden wir alle diese Welt fürchterlich finden."

Porträt von Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirach

Wirklich schuldig?

Da ist die Frau, die ihren Ehemann, der sie jahrelang gepeinigt hat, im Schlaf umbringt. Da ist die Fünfzehnjährige, die von ihren Eltern vernachlässigt und vom Nachbarn missbraucht wird. Sie verdrängt ihre Schwangerschaft und lässt ihr Baby bei der Geburt auf dem Klo sterben. Sind sie schuldig oder selbst nur Opfer? Fragen, die man sich automatisch stellt, wenn man Ferdinand von Schirachs neues Buch "Schuld" liest.

Der Anwalt ist Partei

Ferdinand von Schirach stellt sich diese Fragen schon lange - seit er Anwalt ist. Er ist davon überzeugt: Jeder kann zum Mörder werden und jeder hat das Anrecht auf bestmögliche Verteidigung - und das bedeutet, für den Mandanten zu kämpfen. Anwälte, die nicht Partei sind, haben ihren Beruf verfehlt. Deshalb nimmt von Schirach auch keine Fälle an, bei denen er nicht Partei für den Mandanten sein will: Fälle von Kindesmissbrauch und Rechtsradikalismus.

Schweres Erbe

Ferdinand von Schirach ist 1964 in München geboren. Sein Großvater war der ehemalige Reichsjugendführer Hitlers, Baldur von Schirach, der bei den Nürnberger Prozessen verurteilt wurde. Ferdinand von Schirach hat den Großvater als Kind völlig unbefangen erlebt. Im Jesuiten-Internat St. Blasien, das er seit seinem 10. Lebensjahr besuchte, wurde ein Enkel des Widerstandskämpfers Stauffenberg einer seiner engsten Freunde. Als Jurastudent hat er dann die Aussagen des Großvaters beim Nürnberger Prozess gelesen. Der Bestsellerautor Bernhard Schlink ("Der Vorleser") war einer seiner Professoren - mit ihm gemeinsam wird er am 27. August bei der SWR-Literaturnacht mit Thea Dorn über Schuld und Sühne diskutieren.


Sendung vom

So, 22.8.2010 | 10:00 Uhr

SWR1 Rheinland-Pfalz

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