Richtig loben

Psychologe Becker: "Loben baut Selbstvertrauen auf"

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SWR1

Prof. Florian Becker erklärt im SWR1 Interview, was Loben der Kinder oder der Mitarbeiter bringt und wieso das nachhaltiger ist als beispielsweise Geld zur Belohnung.

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SWR1: Schönen guten Tag, Herr Becker. Es ist sehr schön, dass Sie sich für uns Zeit nehmen. Habe ich das richtig gemacht mit dem Loben?

Prof. Florian Becker: Im Prinzip ist es erstmal gut zu loben. Aber Lob an sich kann auch inflationär sein, wenn ich alle lobe. Zum Beispiel wenn die Eltern alles loben, was das Kind macht. Dann ist das Kind orientierungslos und fragt sich: "Was ist jetzt wirklich gut? Wie gut war ich?" Und es ist auch wertlos, weil die ganze Zeit gelobt wird. Noch schlimmer ist jedoch, wenn gar nicht gelobt wird.

Beim Loben wirklich konkret werden

Es ist beim Lob sehr wichtig, dass es beschreibend ist. Man sollte alles genau beschreiben, was beispielsweise ein Kind oder eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter gemacht hat. Und nicht nur beschreiben, was er oder sie gemacht hat, sondern auch warum es gut ist. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Das Kind malt ein Bild von einer Burg, dann könntest du loben, dass es auf bestimmte Details geachtet hat, sogar an die Kette an der Zugbrücke. Oder wie schön das Wasser im Burggraben gestaltet ist. Also wirklich konkret werden und das auch ausdrücken.

Es ist wichtig, dass das Lob beschreibend ist.

SWR1: Wir beziehen das jetzt mal auf die Arbeitswelt. Es gibt doch diesen Spruch: "Kein Lob ist auch ein Lob."

Becker: Das gilt so nicht, so nach dem Motto "nicht geschimpft ist genug gelobt". Da ist die Datenlage tatsächlich so, dass viel zu wenig gelobt wird. Vor allem, wenn man weiß, dass wirksames Lob die Produktivität um 20 Prozent steigert. Und viele Führungskräfte versuchen hingegen mit Boni, mit Geld zu arbeiten. Man gewöhnt die Mitarbeiter daran, dass sie für alles, was sie tun, Geld bekommen. Und das ist, denke ich, kein sehr wirksames Instrument, weil es auch sehr teuer ist. Und es nutzt sich ab, Lob hingegen nicht. Das heißt, du kannst immer wieder loben.

Wirksames Lob steigert die Produktivität um 20 Prozent.

SWR1: Wie lobt man richtig? Nennen Sie uns mal bitte ein konkretes Beispiel.

Becker: Also wichtig ist, genau zu beschreiben warum die Arbeit gut ist, was die Mitarbeiter konkret gemacht haben, was die Auswirkungen davon sind.

Nehmen wir mal an, eine Mitarbeiterin hat sich sehr intensiv vorbereitet, konnte deswegen alle kritischen Fragen der Kunden professionell beantworten. Dann kann ich das nachher genauso beschreiben, indem ich sage: "Ja, es war eine schwierige Situation beim Kunden. Ich habe gemerkt, er war kurz davor, dass er vielleicht den Auftrag jemand anderem gibt. Aber Sie konnten die Fragen sehr, sehr gut beantworten. Ich habe gespürt, sie haben sich tagelang vorbereitet, und wir konnten so das Projekt für uns retten." Das wäre zunächst mal das beschreiben. Und dann sagen: "Ich bin da total froh, weil unsere Auftragslage gerade nicht so gut ist. Ich bin froh, dass ich Sie als Mitarbeiterin an der Seite habe." Dann spürt sie auch diese Emotionen. Wenn ich immer nur sage "sehr gut gemacht", dann ist da überhaupt keine Informationen drin, das heißt, die Leute lernen auch nicht daraus.

Das das Tolle am Lob ist, dass man es eigentlich bei jedem einsetzen kann. Es kostet uns nur ein bisschen Zuschauen, ein paar Gedanken, etwas Zeit. Und es ist sehr, sehr motivierend.

SWR1: Was bringt ein Lob? Was macht es mit jemandem, der gelobt wird?

Becker: Es baut Selbstvertrauen auf. Du zeigst jemandem, er hat etwas richtig gemacht. Er leistet einen wertvollen Beitrag mit seinem Verhalten und löst damit auch positive Emotionen bei dir aus. Und das stärkt natürlich das Selbstvertrauen. Das andere ist, dass das Verhalten, das diese positiven Konsequenzen hat, zunimmt.

Sobald du beschreibst, lernen Menschen daraus und das ist sehr wichtig. Häufig konzentriert man sich darauf, Dinge zu nennen, die nicht gut waren, in der Hoffnung, dass die Person das repariert und ihr Verhalten verbessert. Aber warum nicht auch die Dinge nennen, die jemand gut gemacht hat? Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt sowohl in der Kindererziehung als auch bei der Mitarbeiterführung. Das kommt in Deutschland viel zu kurz. Wir sind eine Fehlerkultur. Bei uns wird immer gesagt, was jemand falsch macht, was nicht gut ist. Es ist wichtig, einen Wandel reinzubringen und auf die Stärken zu schauen.

Es ist wichtig, auf die Stärken zu schauen.

SWR1: Lobt man nur den Einzelnen oder direkt das ganze Team?

Becker: Beides. Warum sollte man nur den einzelnen loben oder warum sollte man den Einzelnen nicht loben? Wichtig ist, dass wir keine Situation haben, in der Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Das ist häufig auch ein Problem, wenn wir mit Geld motivieren wollen. Oft werden dann Menschen gegeneinander ausgespielt und entwickeln eine "Ellenbogenmentalität". Wichtig ist die Teamleistung zu loben, aber auch die einzelnen Leistungen zu beschreiben und was die Person Gutes gemacht hat. Und dann haben alle was davon. Und das ist tatsächlich ein ganz wichtiger Punkt, weil die meisten Mitarbeiter mittlerweile in Teams arbeiten.

Das Interview führte Steffi Stronczyk.

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