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Eine Landkarte von Rheinland-Pfalz mit eingezeichneten Kreisen. Dahinter ein Bild von einem kleinen, ländlichen Dorf.

Pampa oder Paradies? Unterwegs im Land der Minidörfer

Kein Bundesland hat mehr Kleinstgemeinden als Rheinland-Pfalz - alleine 72 sind deutschlandweit unter den Top 100. Aber wie lebt es sich in einem Dorf mit gerade einmal zwei Dutzend Bewohnern? Wie in der Pampa oder wie im Paradies?

Geschäfte, Ärzte und Schulen sucht man auf dem Land meist vergeblich. In manchen rheinland-pfälzischen Dörfern fährt aber nicht mal ein Bus zur Schule. Weniger noch: In einigen Minigemeinden in Hunsrück, Eifel oder Westerwald gibt es nicht mal mehr Nachwuchs. Von Rücklagen in der Gemeindekasse ganz zu schweigen.

Von etwas mehr als 2.000 Gemeinden im Land haben 140 zweistellige Einwohnerzahlen - und die Zahlen sinken. Spitzenreiter mit sage und schreibe zehn Bewohnern ist das Dörfchen Dierfeld im Landkreis Bernkastel-Wittlich.

Vom Aussterben bedroht?

Es ist kein Geheimnis, dass die Altersstruktur in diesen Gemeinden eher homogen ist. Oftmals liegt der Altersschnitt oberhalb des Renteneintrittsalters. Ein Grund ist die fehlende Infrastruktur. Ohne Bahnanbindung oder Anschluss an eine Schnellstraße ist das Pendeln zur Arbeit vielerorts kaum zu schaffen. Für die Betriebe wiederum ist es unmöglich, sich in den entlegenen Ecken des Landes anzusiedeln.

Aber es gibt auch Ausnahmen: Dörfer mit gut wirtschaftenden Höfen und Betrieben zum Beispiel oder solche, die Menschen aus der Stadt anziehen, die Jobs und Geld mitbringen.


Klein, aber oho

Die meisten kleinen Dörfer sind bei ihren Bewohnern beliebt, viele können sich nicht vorstellen, jemals von dort wegzuziehen. Liegt es an der unberührten Natur? An dem Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft? Oder schlichtweg an dem unwiderruflichen Heimatgefühl?

SWR1 Reporter Steffen Sturn war zu Gast in den Minidörfern Nitz, Heinzenberg und Bauler, hat sich mit den Menschen dort unterhalten, ist durch die Pampa gelaufen und hat paradiesische Plätze fotografisch festgehalten.

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Zu Besuch in Bauler, Heinzenberg und Nitz

Impressionen aus den Minigemeinden

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Willkommen in Bauler im Landkreis Ahrweiler. Das Dörfchen lebt von 18.000 Euro Gemeindeetat - einer Summe, mit der man kaum 100 Meter Straße ausbessern könnte. In Bauler gab es schon immer von allem wenig, doch die Menschen hier stört das nicht.

Willkommen in Bauler im Landkreis Ahrweiler. Das Dörfchen lebt von 18.000 Euro Gemeindeetat - einer Summe, mit der man kaum 100 Meter Straße ausbessern könnte. In Bauler gab es schon immer von allem wenig, doch die Menschen hier stört das nicht.

Alle Kinder von Bauler auf einem Foto: Neben den beiden Jungs und ihren Rädern hat Bauler noch 64 weitere Bewohner.

Ohne Eis muss an diesem Tag keiner auskommen: Eis-Emilio versorgt die Bewohner von Bauler mit den neusten Sorten.

Mehr als 300 Jahre alt und immer noch prachtvoll: die St. Georg-Kapelle Bauler. Sie wurde im Jahr 1700 erbaut.

Wenn die Sonne rauskommt, blüht der Miniort und leuchtet. "New Heimat" nennt der 2006 zugegezogene Brite Kenneth Harris liebevoll sein Bauler.

Weiter geht es nach Heinzenberg im Hunsrück. Das Dörfchen liegt im idyllischen Kellenbachtal und gehört mit 24 Einwohnern zu den zehn kleinsten Gemeinden Deutschlands. Die Wanderwege entlang der Hunsrück Schiefer- und Burgenstraße locken zahlreiche Touristen.

Seit 40 Jahren ist Walter Rockenbach Bürgermeister von Heinzenberg. Stolz zeigt er die nach ihm benannte Brücke über den Simmerbach.

Zu den Hobbys der Heinzenberger gehört das Jagen. Gemeinsam mit Jägern aus anderen Gemeinden haben sie sich zu einer Jagdgemeinschaft zusammengetan. Sind die Wildsäue erst einmal erlegt, werden sie vom Metzger fachgerecht zerlegt.

Die restlichen Heinzenberger kommen gut mit ihren Jägern aus. Erst recht seit die Wildschweine sich massiv über die heimischen Äcker und Wiesen hermachen. In einer komplett in Eigenleistung renovierten Scheune präsentieren die Jäger ihre Trophäen.

Die jüngere Generation zieht meist irgendwann weg, doch für Ältere bietet Heinzenberg vor allem eines: viel Platz und viel Natur. Die "Reingeschneiten" schätzen die Lage direkt an der B421. Wer will, kommt schnell weg von Wiesen, Weiden, Kühen und Pferden - zum Beispiel in 20 Minuten zum Flughafen Hahn.

Ganze 36 Bewohner hat die Minigemeinde Nitz in der Vulkaneifel. Die Dorfstraße windet sich um Bürgerhaus und Feuerwehr und ist dann auch schon wieder zu Ende. In der gesamten Region mag man es kurz: Die nächsten Ortschaften heißen Beer, Lind, Drees und Baar. Was auf den ersten Blick wohl keiner vermutet: Hier wurden bereits Glasfasernetze verlegt. Schnelles Internet ist in Nitz - ebenso wie in Bauler und Heinzenberg - längst Realität.

Schulen, Ärzte, Geschäfte und Kneipen sucht man in Nitz zwar vergeblich, dennoch gibt es hier Arbeitsplätze - sogar doppelt so viele wie Einwohner. Zwei Betriebe haben sich im Ort angesiedelt, zudem gibt es drei große Bauernhöfe.

Typisch für Nitz sind die alten Natursteinhäuser - sorgfältig restauriert und von beeindruckender Größe.

Auch eine Kapelle hat Nitz - ein Ort der Stille, der tatsächlich nicht viel stiller ist, als seine Umgebung.

Nur wenige Meter weiter kehrt dann wieder Ruhe ein. Die Bewohner von Nitz genießen das, denn für sie liegt in der Stille ein Heimatgefühl.