Deutscher ESC-Teilnehmer bei SWR1

Malik Harris: Ich hoffe, dass die Ukraine gewinnt!

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SWR1

Malik Harris vertritt Deutschland in diesem Jahr beim Eurovision-Song-Contest mit dem Titel "Rockstars". Im SWR1 Interview gesteht er, dass im Moment noch kein Lampenfieber hat und den Sieg den Teilnehmern aus der Ukraine wünscht.

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SWR1: Wie viel Lampenfieber haben Sie denn?

Malik Harris: Null! Ich muss ehrlich sagen, das kommt wahrscheinlich dann. Ganz kurz vor dem Auftritt kommt dann eine gewisse Nervosität und ein gewisses Kribbeln im Bauch, aber bis dahin bin ich super entspannt. Ich liebe es, auf einer Bühne zu stehen. Ich genieße es total und freue mich mega auf den Auftritt.

SWR1: Wie ist die Inszenierung auf der Bühne?

Harris: Es wird ähnlich wie beim Vorentscheid sein. Ich bin ja immer allein auf der Bühne. Das mache ich schon seit Jahren so. Ich habe eine Loop-Station. Das ist ein Gerät, das es mir erlaubt, mehrere Instrumente zu spielen. Das Gerät nimmt das was ich spiele auf und gibt es wieder. Ich kann dann zum Beispiel am Klavier anfangen, das läuft dann weiter, währenddessen kann ich an die Drums gehen und diese einspielen und so weiter. Was die Inszenierung betrifft, bin ich sehr froh, dass wir eine Idee umgesetzt bekommen haben. Wir haben mein Recording-Studio, mein Home-Studio auf die Bühne gebracht. Ich stehe auf zwei gigantischen Perserteppichen, da steht ein Flügel, ein Drum-Set, meine ganzen Instrumente, Gitarren und Verstärker. Das ist wie in einem kleinen, schönen, gemütlichen Recording-Studio und ich fühle mich wie zu Hause. Sobald ich aber hoch gucke, sehe ich einfach zigtausend Menschen vor mir. Das wird richtig cool.

SWR1: Der ESC ist Hochzeit für die Buchmacher. Die Ukraine wird zum Beispiel hoch gehandelt. Schauen Sie sich solche Prognosen an?

Harris: Ich schaue mir Prognosen generell nie an, weil ich finde, das macht irgendwie keinen Sinn. Man sollte Sachen bewerten, wenn sie auch wirklich vorbei sind. Aber ich muss auch sagen, ich hoffe, dass die Ukraine gewinnt. Der ESC hat schon automatisch eine politische Rolle, weil das eine Veranstaltung ist, die den ganzen Kontinent Europa für einen Abend vereint und all diese verschiedenen Länder und Kulturen zusammenbringt, um zusammen zu feiern und zusammen eben Harmonie und dieses Friedliche zu zelebrieren. Deswegen finde ich, es wäre ein schönes Statement zu einer sehr guten Zeit, wenn man der Ukraine hier den Sieg gibt. Außerdem finde ich den Song – unabhängig von der Situation - extrem gut. Meiner Meinung nach hätten es der Song und die Gruppe "Kalush Orchestra" definitiv verdient.

Kalush Orchestra (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Tonello Abozzi)
Die Gruppe "Kalush Orchestra" vertritt die Ukraine in diesem Jahr in Turin. Tonello Abozzi

SWR1: Das heißt, der ESC ist dieses Jahr noch politischer als sonst?

Harris: Definitiv. Alleine durch die Situation. Momentan ist ja ganz Europa politisch auf einer anderen Ebene als es noch vor ein paar Monaten war. Dementsprechend ist auch eine Veranstaltung wie der ESC deutlich politischer als sonst.

SWR1: Der ESC ist ein Symbol für die Völkerverständigung, für den Zusammenhalt in Europa. Welche Erfahrungen machen Sie denn da gerade?

Harris: Eigentlich nur schöne. Es ist tatsächlich schön und zeigt mir, wie toll diese Diversität auf der Welt ist. Hier ist es so, dass all diese Länder zusammenkommen und man auf einen Schlag so viele verschiedene Kulturen, so viele verschiedene Länder, so viele verschiedene Musikrichtungen kennen lernt, die man bei uns in der westlichen Welt gar nicht richtig kennt. Es ist so schön, das alles mitzuerleben und dementsprechend bin ich sehr, sehr froh, all diese positiven Erfahrungen zu machen.

SWR1: Ihr Großvater war Opernsänger, Ihre Oma Pianistin, Ihr Vater hatte eine Fernsehtalkshow – gab es da viele Tipps von der Familie?

Harris: Tipps tatsächlich nicht. Ich glaube, ich hatte das Glück, viel "in die Gene" bekommen zu haben. Also zum Beispiel, dass ich kein Problem damit habe vor großen Menschenmassen zu stehen und das ich es sehr genieße. Das habe ich wohl vererbt bekommen. Tipps hat mir mein Dad fast keine gegeben, weil er erkannt hat, dass seine Branche ganz anders ist als meine. Aber der eine Tipp, den er mir gegeben hat, war: Wenn der Ruhm kommt, kommen auch Leute aus dem Nichts auf Dich zu. Deswegen sollte man immer wissen, auf wen man sich verlassen kann und seinen engen Freundeskreis um sich herumhaben.

SWR1: Ist ihre Familie beim Finale in Turin dabei?

Harris: Auf jeden Fall – nur meine Schwester leider nicht. Aber mein Bruder und meine Eltern auf jeden Fall.

Das Gespräch führte Michael Lueg.

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