Tropenmediziner Dr. Johannes Wantzen

Kommen tropische Krankheiten auch bei uns vor?

STAND

Malaria, West-Nil- oder Dengue-Fieber sind bekannte und ernstzunehmende Krankheiten aus tropischen Ländern. Auch bei uns können sie gelegentlich auftreten.

Audio herunterladen (3,9 MB | MP3)

Auf welche Symptome Sie achten sollten, wie gut die Krankheiten sich behandeln lassen und ob sie sich durch den Klimawandel hier bald heimischer fühlen, verrät uns Hausarzt und Tropenmediziner Dr. Johannes Wantzen aus Bad Kreuznach.

Neben Malaria und Dengue Fieber hatte der Tropenmediziner auch schon mit dem Chikungunya-Virus oder mit seltenen Hautparasiten, den sogenannten Creeping Eruptions oder dem Larva-migrans-cutanea-Syndrom zutun. In Deutschland erworbene, nicht in der Nähe eines Flughafen befindliche Erkrankungen, habe der Mediziner aber noch nicht gesehen.

Begünstigt der Klimawandel die Ausbreitung bei uns?

"Ein ganz klares Ja. Absolut", sagt der Tropenmediziner. Übertragen werden die Krankheiten zum Beispiel durch Stechmücken. Die Mücken haben sich bereits bei uns ausgebreitet und an das Klima angepasst. "Sie überleben den Winter", weiß Dr. Wantzen. Der Experte rechnet deswegen mit einer Zunahme der exotischen Krankheiten.

Was sind typische Symptome?

"Die Frühsymptome einer Malaria oder des Dengue-Fieber sind sehr ähnlich mit denen einer Grippe oder mit dem neuesten Stamm der Corona-Infektion", erklärt uns Dr. Wantzen. Allgemeines Unwohlsein, Fieber oder atypische Kopfschmerzen seien übliche Beschwerden. Gerade bei Malaria seien Kopfschmerzen typisch.

Wichtig sei jetzt aber nicht in Panik zu geraten. Auch wenn die Krankheiten hier vorkommen können, handelt es sich laut Experte noch um eine verschwindend geringe Zahl.

Wie gut lassen sich exotische Krankheiten behandeln?

"Malaria können Sie gut und vollständig ausheilen", so Dr. Wantzen. Die Krankheit sollte nur rechtzeitig erkannt werden. Außerdem sollten Sie sich bei Verdacht an Experten für tropische Erkrankungen wenden.

Das Gespräch führte Steffi Stronczyk.

Anmerkung Dr. Wantzen: Es gibt widersprüchliche Angaben über das Auftreten der letzten autochtonen Malaria in Deutschland. Es gibt Quellen, die über ein letztes Auftreten 1954 in Friesland sprechen, andere über ein Auftreten 1953 im Raum Berlin. Es gab jedoch auch drei rätselhafte Fälle der Krankheit in den 1980er Jahren im Raum Düsseldorf.

Tigermücke – ist sie wirklich eine Gefahr für unsere Gesundheit?

Die asiatische Tigermücke kann theoretisch tropische Krankheiten wie das Dengue Fieber übertragen. Doch wie wahrscheinlich ist das in Deutschland?  mehr...

Doc Fischer SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN
SWR