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Häusliche Pflege Was pflegende Angehörige wissen müssen

In Deutschland gelten aktuell mehr als drei Millionen Menschen nach dem Sozialgesetzbuch als pflegebedürftig. Davon werden gut 70 Prozent zuhause von Angehörigen versorgt. Wo Angehörige Hilfe bekommen und was ihnen zusteht, darüber hat SWR1 mit Dagmar Mannerz vom Pflegestützpunkt Nord-Ost in Kaiserlautern gesprochen.

Eine Frau pflegt eine Angehörige

Beruf und Pflege sollen besser vereinbar sein

Ich muss mich von heute auf morgen und Mutter und Vater kümmern – kann ich einfach so von der Arbeit zuhause bleiben?

Ja, ein arbeitender Angehöriger darf das. Es gibt dafür rechtliche Möglichkeiten, wenn wirklich unverhofft ein Pflegefall eintritt, darf man bis zu zehn Tage von der Arbeit fernbleiben. Das ist vom Arbeitgeber im Normalfall unbezahlt, außer es gibt Tarifverträge, die das ermöglichen. Sollte niemand zahlen, gibt es die Möglichkeit eines sogenannten Pflegeunterstützungsgeldes. Dieses wird von der Pflegekasse des jeweiligen Versicherten finanziert, wobei man hier zuerst einen Antrag stellen muss und verschiedene Voraussetzungen erfüllen muss. Es entspricht circa 90 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, sodass auch hier kein finanzieller Verlust entsteht.

Was muss beachtet werden, wenn man jetzt längerfristig aus dem Job raus muss? Wie ist das mit Sozialversicherung und Rentenansprüche und sowas?

Die zehn Tage gelten nur im kurzfristigen Fall, wenn von jetzt auf gleich ein Pflegefall eintritt. Es gibt aber auch eine Pflegezeit, die man in Anspruch nehmen kann. Dies kann ein vollständiger oder teilweiser Ausstieg aus dem Beruf sein. Dafür gibt es verschiedene gesetzliche Grundlagen, die ein Arbeitgeber auch genehmigen muss. Auch hier, ähnlich wie man es vielleicht aus den Sabbat-Jahren kennt, gibt es die Möglichkeit, etwas anzusparen und dann später etwas nachzuzahlen. Es gibt die Variante von zinslosen Darlehen. Man sieht, es gibt auch hier vom Gesetz her diverse Unterstützungsmöglichkeiten.

Wie lange kann man sich aus dem Beruf für die Pflege zurückziehen und dennoch die Möglichkeit haben, später zurückzukehren? Gibt es da zeitliche Grenzen?

Die Verkürzung der Arbeitszeit ist maximal 24 Monate. Es kommt immer darauf an, wie man es strukturiert. Dafür ist es individuell zu differenziert, als eine allgemeingültige Antwort zu formulieren. Aber es ist generell schon möglich, eine recht lange Zeit zuhause zu bleiben. Es gibt Teilzeit-Möglichkeiten, dann die Möglichkeit von Tage- oder Stundenreduzierungen, auch hier ist im Normalfall vorgesorgt.

Sieht es finanziell für den Pflegenden bei einem längerfristigen Ausfall ähnlich aus wie bei einem kurzfristigen?

Es werden Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen gezahlt. Weiterhin kommt es darauf an, was man mit seinem Arbeitgeber vereinbart, in welcher Form der finanzielle Ausgleich erbracht werden kann. Normalerweise versucht man ein gewisses Guthaben, ich bezeichne es mal als Arbeitslohn, anzusparen. Wenn man aussteigt und sich frei nimmt, dann wird dieser in der jeweiligen Zeit in Anspruch genommen. Und in diesem Moment werden auch ganz normal Sozialabgaben und Steuer etc. bezahlt.

Wer berät Menschen, die plötzlich vor einer solchen Situation stehen?

In Rheinland-Pfalz sind es die Pflegestützpunkte. Diese bieten eine gute Möglichkeit, sich umfassend zu informieren, dort gibt es Lotsen, die sich auskennen und weiterhelfen können. Zum Beispiel: Wer muss wann, wie und wo welchen Antrag stellen, wer ist der richtige Ansprechpartner?
Wenn jemand noch gar keinen Kontakt hatte, würde ich empfehlen, sich an den zuständigen Pflegestützpunkt zu wenden. Im Krankenhaus oder im stationären Bereich einer Klinik ein solcher Fall auftritt, gibt es dort auch Kliniksozialdienste oder Überleitungskrankenschwestern. Dort wird im Rahmen vom Entlassungs-Management weitergeholfen.

Beratungsangebot der Verbraucherzentrale RP zum Thema Pflege
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MDK Beratungsstellenverzeichnis
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Sozialportal Rheinland-Pfalz
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"Wege zur Pflege" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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