Buntes Obst und Gemüse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Gesundheitscoach Andreas Jopp

"Gute Ernährung macht eine bessere Stimmung!"

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Anfang Januar ist die Zeit für die Vorsätze zum neuen Jahr. Mehr Sport und eine gesündere Ernährung gehören für Viele dazu. Gesundheitscoach und Bestseller-Autor Andreas Jopp erklärt, warum das sinnvoll ist und wie sich Ernährung auf unser Gehirn und die Psyche auswirkt.

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SWR1: Kann ich meine Nerven durch die passende Ernährung stärken?

Andreas Jopp: Ja. Das Gehirn reagiert tatsächlich sensibler auf Ernährung als der Rest des Körpers. Und alles, was wir wahrnehmen, läuft ja durch den "Bio-Computer", durch unser Gehirn.
Was wir lange nicht wussten, war, dass das Stresszentrum und das Kurzzeitgedächtnis im Gehirn sich auf- und abbauen. Und Biostoffe stimulieren den Aufbau, während hochverarbeitete Lebensmittel Entzündungen und den Abbau stimulieren.

SWR1: Ist "mehr Biostoffe" einfach mehr Gemüse oder welche Nahrungsmittel machen resistenter gegen Stress?  

Jopp: Zitrusfrüchte, dunkelbuntes Obst, Gemüse, Beeren und Kakao, die stimulieren alle Wachstumshormone für den Aufbau und senken Entzündungen. Und vor allem die Stoffe in Beeren und dunklem Blattgemüse schützen das Gehirn.
Das heißt also: Smart einkaufen. Rucola enthält fünfmal so viele Schutzstoffe wie heller Eisbergsalat und Beeren zehnmal so viele wie helle Bananen. Also möglichst dunkel und möglichst grün.

Heute machen hochverarbeitete Lebensmittel gut 50 Prozent unserer Ernährung aus!

SWR1: Wie viel dieser gesunden Biostoffe müssen wir essen, bis wir eine Wirkung verspüren?

Jopp: So viel wie möglich! Denn alles, was wir in der Evolution gegessen haben, war natürlich pflanzenstoffverpackt. Heute machen hochverarbeitete Lebensmittel gut 50 Prozent unserer Ernährung aus. Und das macht unser Gehirn nicht mehr lange mit, denn es bekommt einfach zu wenige Biostoffe für den Aufbau.

Eine gute Vitaminzufuhr macht definitiv stressresistenter und eine bessere Stimmung.

SWR1: Stichwort "geistige Fitness". Da spielen Nüsse eine zentrale Rolle, oder?

Jopp: Ja, klar, da sind natürlich Vitamine und Mineralien drinnen. Die sind wichtig für den Gehirnstoffwechsel. Und eine gute Vitaminzufuhr, das sieht man in Studien, macht auf kurzfristig definitiv stressresistenter und eine bessere Stimmung.

SWR1: Was ist sonst noch angesagt, wenn man sich geistig fit halten möchte?

Jopp: Das Beste ist tatsächlich der Ölwechsel für das Gehirn, denn 60 Prozent des Gehirns bestehen aus Fett. Gesättigte Fette, wie Käse, Wurst, Butter und Fleisch machen das Gehirn langsam, wenn sie dort eingebaut werden und wirken entzündlich. Und Entzündungen drücken die Stimmung und die Gehirnleistung. Wenn man tatsächlich das Gehirn verschnellern will, dann geht es um Omega-3-Fette. Die sind super leitfähig, also Fisch, Fischöl, Kapseln und mediterrane Ernährung, wo gute Fette enthalten sind.

SWR1: Wie wichtig ist der Lebensstil?

Jopp: Bewegung stimuliert den wichtigsten Wachstums-Botenstoff für unser Gehirn, das Protein BDNF (Brain-Derived-Neurotrophic-Factor). Wenn man das zum Beispiel vergleicht, wirkt Sport besser als Psychopharmaka. Und natürlich soziale Kontakte. Die machen glücklich. Die fordern das Gehirn. Neues lernen, Neues erleben, all das stimuliert, dass neue Neuronen im Gehirn wachsen.

SWR1: Und wenn ich dann Alkohol trinke, wie sieht es damit aus?

Jopp: Alkohol greift das Gehirn an. Und hochverarbeitete Ernährung, gesättigtes Fett, alles, was entzündlich wirkt, eben auch. Und diese hochverarbeiteten Lebensmittel, die sind natürlich zu süß, zu fett und haben zu wenig Biostoffe.
Alles, was da drin fehlt, zeigt sich jetzt. Zum Beispiel hat sich die Häufigkeit von Depressionen in den letzten 30 Jahren verfünffacht. Auch ADHS ist ein Thema.
Psychopharmaka stehen auf Platz sechs des Apothekenumsatzes. Das heißt, die Gehirngesundheit geht runter. Die Gehirngesundheit stand bisher nie im Fokus der Forschung. Man dachte immer nur: Körper, Körper, Körper. Aber das Gehirn leidet noch viel mehr unter dieser schlechten Ernährung.

SWR1: Warum ist auch der Darm so entscheidend für unsere Stimmung und Stressresistenz?

Jopp: Die Hälfte unserer menschlichen Zellen sind tatsächlich Bakterien. Und die sind wahnsinnig mächtig. Also wenn sie zum Beispiel die Darmbakterien von einem Depressiven auf ein Tier verpflanzen, wird das Tier auch depressiv. Das liegt daran, dass die Bakterien nicht nur verdauen, sondern sie stellen 30 verschiedene Glückshormone für die Psyche her und sie stellen spezielle Energie fürs Gehirn her, die Postbiotika. Und wenn Sie die Darmbakterien schlecht füttern, dann geht die Produktion dieser Stoffe runter.

Jeder fünfte Deutsche leidet inzwischen an einem Reizdarm.

SWR1: Woran erkenne ich, dass es meinen Darm-Bakterien nicht gut geht?

Jopp: Die Hälfte der Bakterienarten ist in der westlichen Welt schon ausgestorben. Jeder fünfte Deutsche leidet inzwischen an einem Reizdarm, sprich Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Allergien, Unverträglichkeiten. Und dann produziert das Mikrobiom tatsächlich immer weniger Stoffe für die Psyche.

SWR1: Und was können wir dafür tun, dass es den Darmbakterien gut geht?

Jopp: Die Darmbakterien mit-füttern. Die fressen nur Pflanzenstoffe und sind dabei hochspezialisiert. Die einen fressen nur Ballaststoffe aus Äpfeln, die anderen nur Zwiebeln, die anderen nur Ballaststoffe aus Haferflocken. Früher hat man immer gedacht, es müsste Vollkorn sein. Aber heute weiß man aus der Forschung, es muss möglichst bunt sein, möglichst unterschiedlich. Dann hat man die vielfältigste und gesündeste Bakterien-Community.

Das Gespräch führte Frank Jenschar.

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