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SENDETERMIN So, 24.3.2019 | 6:00 Uhr | SWR1

Freundschaft Liebesbeziehung ohne Erotik

Freunde können zur Genesung bei einer Krankheit beitragen oder verhindern, dass Krankheiten oder Depressionen entstehen, davon ist Bodo Unkelbach, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, überzeugt. Als Chefarzt in Marienheide im Bergischen Land habe er diese Erfahrung bei Patienten schon oft gemacht. „Freundschaft, der Weg zum guten Leben“ heißt der Titel seines Buchs zum Thema, das jetzt erschienen ist.

Wie der beste Freund die Gesundheit beeinflussen kann

In unserer Zeit, in der Familien weit voneinander entfernt leben und Liebesbeziehungen fragil sind, gewinnt die Freundschaft stark an Bedeutung. Doch was gehört zu einer echten Freundschaft, die auch Belastungsproben übersteht?

5:57 min

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Lebenshilfe pur - Gespräch mit Dr. med. Bodo Karsten Unkelbach

Fichtner, Nela

Gespräch mit Dr. med. Bodo Karsten Unkelbach, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt in Marienheide im Bergischen Land

Nähe und Abstand müssen sich die Waage halten

Wichtig in einer Freundschaft ist, so Unkelbach im SWR1-Interview, Nähe und Abstand gut zu regulieren, also so viel Nähe zuzulassen, dass man sich damit wohl fühlt, aber auch auf Abstand gehen zu können. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Häufigkeit des Kontaktes an, sondern auf die Qualität. Einen guten Freund aus Schulzeiten sieht man vielleicht nur einmal im Jahr. Trotzdem kann man mit ihm vertrauensvoll über alles reden, was in der Zwischenzeit im Leben alles so passiert ist.

Wo und wie man Freunde findet

Es gibt Menschen, die tun sich schwer, Freunde zu finden, einigen fällt es leicht. Aber Freundschaften zu schließen ist lernbar, sagt Unkelbach. Wer sich schwer tut, sollte sich bewusst dafür entscheiden auf andere Menschen zuzugehen. Hilfreich ist es, sich einer Sportgruppe anzuschließen oder sich politisch oder ehrenamtlich zu engagieren.

Paarbeziehungen sollten auf einer Freundschaft basieren

Für Unkelbach ist eine Freundschaft eine Form von Liebesbeziehung ohne erotische Dimension. Es geht darum, sich miteinander wohl zu fühlen, sich Gutes tun zu wollen, zu vertrauen und über seine zentralen Lebensthemen in einen Austausch zu kommen. Wenn das gelingt, dann kann die Beziehung so tragfähig sein, dass man auch in Notsituationen auf die Unterstützung des anderen zählen kann.

Das sei natürlich auch in erotischen Beziehungen möglich. Unkelbach plädiert dafür, in einer Paarbeziehung freundschaftlich miteinander umzugehen. Eigentlich sei eine Paarbeziehung zum großen Teil wie eine Freundschaft und die erotische Beziehung sei der Extrabonus.

Wie die sozialen Medien Freundschaften verändern

Eine reale Freundschaft ist durch Freunde in sozialen Netzwerken nicht zu ersetzen. Aber nur in einer realen Begegnung sehe ich, wie mein Freund aussieht und nonverbal kommuniziert. Ich kann ihn mit allen Sinnen begreifen, was in der medialen Kommunikation fehlt.

In den sozialen Medien geht es vor allem um eine gute Darstellung und darum, witzig und unterhaltsam rüberzukommen. Doch das sind nur oberflächliche kurze Einblicke. Eine gehaltvolle Beziehung braucht Gemeinsamkeiten und Zeit. Die mediale Kommunikation kann nur eine Ergänzung sein.

1:00 min

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Überlebenswichtig - Umfrage zum Thema Freundschaft

Bathe, Claudia