Dr. Franziska Matthies-Wiesler warnt

"Deutschland ist schlecht auf die Hitze vorbereitet"

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SWR1

Die nächste Hitzewelle kündigt sich an - und Deutschland sei schlecht vorbereitet, meint Dr. Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz-Zentrum in München.

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Schon am heutigen Dienstag könnten die 40 Grad geknackt werden. Diese Temperaturen sind eine enorme Herausforderung und Belastung für alle. Doch sowohl Bürger als auch Kommunen könnten sich auf die Hitzewelle vorbereiten, sagt die Biologin und Epidemiologin Dr. Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz-Zentrum in München.

SWR1: Was heißt das: "Deutschland ist nicht vorbereitet"? Wie kann man sich denn auf so eine Hitzewelle vorbereiten?

Franziska Matthies-Wiesler: Deutschland kann sich in den Kommunen und in Einrichtungen des Gesundheitswesens vorbereiten. Aber es kann auch jeder einzelne sich vorbereiten, um die Hitze besser zu überstehen.

SWR1: Was kann zum Beispiel eine Kommune machen, um die Hitzewelle erträglicher zu gestalten?

Matthies-Wiesler: Eine Kommune kann einen sogenannten Hitzeschutzplan umsetzen. Dafür gibt es Empfehlungen vom Bundesministerium für Umwelt. Das heißt vor allem, die Menschen zu schützen, die das größte Risiko tragen. Das sind Alte, Pflegebedürftige, aber auch Menschen mit chronischen Vorerkrankungen. Außerdem gilt es auch Leute, die draußen arbeiten, Säuglinge und Schwangere ganz besonders zu schützen.

SWR1: Womit beispielsweise? Was böte sich da an?

Matthies-Wiesler: In einem Pflegeheim heißt es zum Beispiel, dass man im Gebäude Möglichkeiten zur Verschattung anbringt. Oder man schaut, ob sich die Innenraumtemperatur senken lässt. Es gilt auch Medikamentenpläne gegebenenfalls anzupassen, weil Medikamente bei Hitze anders wirken als wenn es nicht so heiß ist.

SWR1: Sie sagen, Hitzetote sterben leise. Was genau meinen Sie damit?

Matthies-Wiesler: Das bedeutet, dass die Hitze möglicherweise Gesundheitsprobleme, die schon bestehen, verstärkt, und deshalb die Menschen dann zum Beispiel an einem Herzinfarkt sterben. Und so steht das dann auch geschrieben: Es steht eben nicht da, dass dieser Patient oder diese Patientin an Hitze gestorben ist.

SWR1: Haben die großen Städte das schon begriffen und mit Umbaumaßnahmen begonnen? Zugepflasterte Plätze sind wohl nicht der richtige Weg.

Matthies-Wiesler: Es haben tatsächlich schon viele Städte begonnen mit der Stadtplanung daran zu arbeiten, dass Städte hitzeresilienter werden. Das heißt, sie mehr zu begrünen, aber auch zum Beispiel Trinkbrunnen aufzustellen oder sonst Wasserflächen zu gestalten.

Das Interview führte Hanns Lohmann.

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