Dermatologin Dr. Yael Adler

Die Gefahr von Hautkrebs wird oft unterschätzt

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Der Frühling ist da und damit wird auch die schädliche UV-Strahlung stärker. Trotzdem verzichten viele immer noch auf Sonnencreme. Wir haben mit der Hautärztin Dr. Yael Adler darüber gesprochen.

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SWR1: Viele Menschen meinen, es sei nicht schlimm, ab und an mal einen Sonnenbrand zu bekommen. Was ist Ihre Antwort darauf?

Dr. Yael Adler: Jeder Sonnenbrand verursacht Erbgutschäden im Zellkern der Hautzellen. Daraus resultiert eines Tages nicht nur massive Hautalterung, sondern leider oft auch Hautkrebs. Die Zahlen der letzten Jahrzehnte sind stetig steigend. Das liegt an der Menge der Sonnenbrände, vielleicht auch an Ernährungsfaktoren und auch an unserem Freizeitverhalten, dass wir einfach viel in die Sonne gehen. Sonnenbrände sind für die Haut also ziemlich schlimm und die Haut kann nicht alles reparieren. Mit ein bisschen Zeitversatz haben die Leute dann Probleme. Deswegen sollte man Sonnenbrände, insbesondere bei Kindern, vermeiden.

SWR1: Unterschätzen wir die Hautkrebs-Gefahr?

Adler: Ja, die Gefahr wird absolut unterschätzt. Vor allem, weil der Effekt nicht gleich auftritt, sondern zeitversetzt.

SWR1: Was kann man beim Eincremen falsch machen?

Adler: Das beste Motto ist: "Meiden. Kleiden. Cremen." Das heißt: Meiden Sie die direkte Mittagssonne. Tragen Sie dichtgewebte, aber lockere Kleidung, einen Hut mit Nackenschutz und eine Sonnenbrille. Und cremen Sie nur die Stellen, die man anders nicht schützen kann, ein. Als "Hellhäutiger" ist 50+-Sonnenschutz, also wenn das auf der Flasche steht, gut. Achten Sie auch darauf, dass das UV-A-Zeichen in einem Kringel auf der Flasche ist. Dann hat man beide Strahlungsarten, UV-B und UV-A, gut abgeblockt oder reduziert. In der Tat ist es so: Viel hilft viel! Wenn Sie also als Erwachsener an den Strand gehen wollen, dann verteilen Sie anderthalb bis zwei Schnapsgläser voll Sonnencreme auf dem Körper und cremen Sie nach dem Baden unbedingt nach, weil das Baden den Schutz reduziert.

SWR1: Viele Menschen sind der Meinung, dass ein hoher Lichtschutzfaktor bei der Sonnencreme vor einem Sonnenbrand schützt. Wofür steht diese Zahl eigentlich?

Adler: Die Zahl bedeutet, dass Sie zum Beispiel durch Ihren Hauttyp einen Eigenschutz von zehn Minuten hätten - also an der Sonne ohne Schutz nach zehn Minuten einen Sonnenbrand bekämen - dann könnte das mit der Sonnencreme 50 Mal verlängert werden. Theoretisch sind das dann 8,3 Stunden. Das ist natürlich sowieso viel zu lang. Es ist eigentlich ein Richtwert, eine Orientierung, und es hilft schon, Sonnenbrand zu vermeiden. Aber manchmal hat man es zu dünn aufgetragen. Es ist weggeschwitzt, oder man hat auch eine Stelle vergessen. Also sollte man trotzdem verantwortungsbewusst in die Sonne gehen. Sie müssen sich auch nicht immer eincremen. Viele Frauen benutzen ihr Make-Up. Da ist der Sonnenschutz schon mit drin. Auch das kann schon helfen.

SWR1: Jetzt ist ein Schutz ja nicht nur von außen, sondern auch von innen möglich. Wie geht das?

Adler: Ich empfehle zum Beispiel, jeden Tag ein Glas Möhrensaft mit einem Tröpfchen Öl zu trinken. Wenn Sie das vier Wochen regelmäßig machen, dann bekommt die Haut einen diskreten Orange-Ton. Das hilft nicht nur durch das Betakarotin, die Haut von Schäden zu befreien, sondern es verlängert auch den Eigenschutz der Haut, wie eine Sonnencreme von innen, immerhin um das Zwei- bis Dreifache. Wer also sonst nach zehn Minuten verbrennt, könnte damit 20, 30, vielleicht sogar 40 Minuten etwas geschützter in der Sonne sein. Eine ähnliche Wirkung hat auch Astaxanthin, das ist die Farbe, die den Lachs so orange einfärbt. Das gibt es als Nahrungsergänzungsmittel, das man ebenfalls nutzen kann. Auch Tomatenmark ist hilfreich: Das darin enthaltene Lycopin hilft, die Haut zu reparieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren für jeden als Nahrungsergänzungmittel und das kann ebenfalls - so zumindest neue Erkenntnisse - helfen, sich ein bisschen vor Hautkrebs zu schützen.

Das Gespräch führte Frank Jenschar.

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