Frau mit geschlossenen Augen fasst sich an Kopf (Foto: imago images, Photocase)

Demenzexpertin Dr. Sarah Straub beantwortet Fragen

Verdacht auf Demenz? Das können Sie tun!

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Die Diagnose Demenz verändert viel – und wirft Fragen auf. Für die Betroffenen und auch das direkte Umfeld. Dr. Sarah Straub ist Demenzexpertin und beantwortet viele Fragen.

Was bekommen Demenzkranke von ihrer Umgebung mit?

Das kommt zum einen darauf an, welche Hirnregionen bei der Demenzerkrankung betroffen sind und zum anderen, in welchem Stadium der Erkrankung sich ein Mensch befindet, sagt Demenzexpertin Sarah Straub. Es gibt immer wieder helle Momente, in denen die Patienten mitbekommen, was um sie herum passiert. Das ist vor allem in der Anfangsphase einer Demenzerkrankung. Daher ist es auch logisch, dass auch Depressionen eine Begleiterscheinung einer Demenz sein können, vor allem in der Zeit nach der Diagnose.

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Kann ich den Verlauf einer Demenz verlangsamen oder vorbeugen?

Nach einer Diagnose gibt es auch Möglichkeiten und Übungen, den Verlauf einer Demenzerkrankung zu verlangsamen und auch präventiv zu arbeiten. Wichtig ist vor allem die Behandlung durch einen Mediziner. Darüber kann es hilfreich sein, auch zur Vorbeugung, dass es eine hohe Forderung der kognitiven Leistungen gibt. Das kann zum Beispiel durch viel Lesen, Kreuzworträtsel, Sudoku und Ähnliches passieren.

Auch Sport und eine gesunde Ernährung können helfen, einer Demenzerkrankung vorzubeugen. Wer bereits an Demenz erkrankt ist, kann so auch den Prozess der Erkrankung möglicherweise etwas verlangsamen. Dabei ist es auch wichtig, sich zwar zu fordern, sich aber nicht zu überfordern. Das könnte frustrierend sein und die Motivation einschränken.

Demenz oder normale “Altersvergesslichkeit” – Was ist der Unterschied?

Einfach nur eine gesteigerte Vergesslichkeit ist nicht immer ein Indiz für eine Demenzerkrankung. Im Alter kann es ganz natürlich zu einer "Altersvergesslichkeit kommen. Und eine Demenzdiagnose ist sehr komplex. Darum macht es im Alter immer Sinn, einen Verdacht in dieser Richtung von einem Arzt checken zu lassen.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn normale, routinierte Alltagstätigkeiten beschwerlich werden und diese nicht mehr leistbar sind, dann “wird es Zeit zu einem Arzt zu gehen”, sagt Dr. Sarah Straub. Wenn dann eine Demenz diagnostiziert wird, gibt es auch die Möglichkeit, frühzeitig Medikamente zu verschreiben, die den Prozess der Demenz verlangsamen. Deshalb ist es bei einem Verdacht bzw. bei Auffälligkeiten immer sinnvoll frühzeitig mit einem Arzt zu sprechen. Auch der Hausarzt kann schon schnell einen kurzen Test machen, um den Verdacht einer Demenz zu erhärten oder zu zerschlagen und dann gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten. Häufig wird dafür vom Hausarzt der Mini-Mental-Status-Test genutzt, der nicht viel länger als zehn Minuten dauert.

Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist ein Schnelltest, der kognitive Störungen bei älteren Menschen erfassen kann und wichtige Hinweise auf eine mögliche Diagnose Demenz geben kann. Gerade bei dem Verdacht auf eine Demenz wird er am häufigsten als Erst- aber auch als Verlaufstest angewandt und ist damit das meistgenutzte Test-Instrument zur Diagnose einer Demenz.

Ist der Mini-Mental-Status-Test auffällig, wird der Patient in einem der nächsten Behandlungsschritte an einen Facharzt weitergeleitet, der als wichtigen Bestandteil einer Demenz-Diagnose voraussichtlich auch ein MRT machen, oder anordnen wird. Dort wird dann nach physiologischen Hinweisen einer Demenz gesucht, dem sogenannten Hirnschwund, einer “Athropie”. Denn: Eine Demenz hat körperliche Symptome und ist keine psychische Krankheit.

Wie sieht die Forschung bzw. die Zukunft der Demenzbehandlung aus?

Die Therapieforschung im Bereich Demenz- und Alzheimer ist noch eine relativ junge Disziplin. Erst seit dreißig, vierzig Jahren wird in diesem Bereich geforscht. Das ist keine lange Zeit. Viel Hoffnung wird derzeit auch in die mRNA-Impfstoffe gesetzt, sagt Sarah Straub. Wie weit die klinischen Studien diesbezüglich sind, konnte sie im Interview nicht sagen. Sie hofft aber, dass man durch die Forschung zumindest die Demenzerkrankungen, die auf einen Gendefekt zurückzuführen sind, in den nächsten zehn Jahren “in den Griff kriegt”.

"Demenz" – Die Angst vor dem Wort

Weil dieser Begriff häufig Ängste auslöst, hält Dr. Sarah Straub es für sinnvoll, im Gespräch mit den Angehörigen, dieses Wort zu vermeiden, um keine Trotz- bzw. Abwehrhaltung der Betroffenen hervorzurufen. Bei einem Gespräch ist es auch immer wichtig, die Personen, um die es geht mit einzubeziehen und nicht über sie hinweg etwas zu entscheiden. Sonst kann schnell das Gefühl aufkommen, dass die Betroffenen nicht mehr selbstbestimmt leben dürfen und sie sich entmündigt fühlen.

Demenz diagnostiziert – wie finde ich ein gutes Pflegeheim?

Laut Sarah Straub ist es wichtig, dass man ein Pflegeheim sucht, in dem man selber das Gefühl hat, dass vor allem das Personal nett und freundlich, geduldig und empathisch ist. “Dafür reicht schon ein kleiner Rundgang durch das Heim”, meint Sarah Straub. Dabei kann man sich auch umschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Heim eingerichtet ist. Ist es schön hell? Gibt es Räume, in denen die Menschen zusammenkommen können? Gibt es auch ein kulturelles Angebot und gemeinsame Aktivitäten? Riecht es dort angenehm?

Das Gespräch führte Katja Heijnen.

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