Immunologe Prof. Carsten Watzl

"Omikron ist immer noch kein Schnupfen"

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Die Omikron-Welle sorgt für Rekordinzidenzen, die vermutlich noch viel höher sind, als sie gemessen werden. Vor diesem Hintergrund beraten heute die Ministerpräsidentinnen und Präsidenten mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über das weitere Vorgehen in der Pandemie. Wir haben mit Professor Carsten Watzl, dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, über seine Einschätzung gesprochen.

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Dabei hält der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (IfADo) die Omikron-Variante des Covid-19-Virus zwar für weniger gefährlich als die vorherige Delta-Variante, betont aber auch: "Ja, Omikron ist weniger gefährlich als Delta, aber es ist immer noch kein Schnupfen." Für den Immunologen ist die Omikron-Variante deshalb weniger gefährlich, weil sich jetzt in der Hauptsache geimpfte und damit geschützte Personen anstecken, bei denen ein milder Krankheitsverlauf zu erwarten sei, so Watzl. Er sagt aber auch: "Ein Ungeimpfter kann aber mit Omikron auch noch große Probleme bekommen!"

Omikron-Welle noch nicht angekommen

Die derzeitige Lage auf den Intensivstationen ist zwar noch nicht kritisch, dennoch mahnt Watzl zur Vorsicht: "Wir haben derzeit nicht ganz so hohe Inzidenzen bei den über 60-Jährigen. Das bedeutet, bei den vulnerablen Bevölkerungsgruppen ist diese Welle noch nicht angekommen. [...] Ich wäre natürlich froh, wenn die Inzidenzen irgendwann runter gingen und die Welle nie bei den über 60-Jährigen angekommen wäre. Aber darauf kann man sich im Moment nicht verlassen."

Fachgerecht durchgeführte Schnelltests

Im Bezug auf die Priorisierung bei PCR-Tests für Krankenhaus- und Pflegepersonal hat Watzl eine klare Meinung: "Es ist wichtig, dass diese Menschen, wenn sie in Quarantäne waren, verlässlich wieder frei getestet werden können. Von daher müssen diese Menschen einen PCR-Test bekommen." Was die Zuverlässigkeit von Schnelltests (für die übrigen Verdachtsfälle) angeht, beruhigt Watzl: "Bei Omikron können die durchaus genauso gut funktionieren wie bei Delta. Man muss aber die Probe richtig entnehmen." Der Immunologe empfiehlt daher, einen Schnelltest eher von qualifiziertem Personal zum Beispiel an einem Testzentrum durchführen zu lassen.

Novawax-Impfstoff weniger als Booster geeignet

Den neuen Novawax-Impfstoff hält der Immunologe grundsätzlich für gut, mit einer Einschränkung: "Er basiert natürlich auch noch auf dem Ursprungs-Virus, also er hat gegen Omikron die gleichen Probleme, die die anderen Impfstoffe auch haben. Aber auch Novawax wird bei Omikron vor einem schweren Verlauf schützen, und ich glaube, das ist wichtig." Trotzdem ist für Watzl der Novawax-Impfstoff für die dritte Impfung, zum Beispiel bei Personen mit MRNA-Unverträglichkeiten, nur bedingt die erste Wahl: "Es funktioniert aber nicht ganz so gut wie mit einem MRNA-Impfstoff. Da gibt es auch entsprechende Studien dazu. Aber, es funktioniert besser, als wenn man einen Vektor-Impfstoff wie Astra-Zeneca nehmen würde."

4. Impfung

"Die Debatte über eine vierte Impfung ist aktuell überflüssig."

Eine vierte Impfung sieht Carsten Watzl im Moment kritisch: "Die Debatte über eine vierte Impfung ist aktuell überflüssig, weil die nicht mehr den gleichen Boost gibt wie die dritte Impfung." Zwar sei man damit besser, aber nicht über die Maßen besser geschützt, so der Immunologe. Deshalb, so Watzl weiter, mache eine flächendeckende vierte Impfung für ihn derzeit keinen Sinn. Klar sei, so Watzl weiter, dass Impfschutz nicht ein Leben lang anhalte und eine Auffrischung irgendwann notwendig werde. Bei über 60-Jährigen sei eine Auffrischung durch eine Impfung aber dennoch besser als durch Infektion, so der Immunologe.

"Ganz konkret: Wir reden über eine vierte Impfung bei den über 60-Jährigen wahrscheinlich im Herbst mit dem omikron-angepassten Impfstoff." Was die Schutzwirkung einer möglichen Infektion angeht, gibt es ebenfalls Einschränkungen, so Carsten Watzl: "Eine reine Infektion gibt keinen so guten Schutz wie die doppelte Impfung. Aber die Kombination aus Impfung und Infektion ist der beste Schutz, den wir bisher kennen. Am besten in der Reihenfolge: Erst impfen, dann infizieren, weil das sicherer ist." Diese Art der Immunisierung hält der Experte zukünftig auch für sehr wahrscheinlich. "Dass sich eben viele Menschen, die sich ihre Immunisierung, ihre Booster-Impfung jetzt abgeholt haben, in den kommenden Jahren auch mal infizieren und dann auch wieder besser geschützt sind."

Das Gespräch führte Michael Lueg.

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