Prof. Sabine Wicker zur Booster-Impfung

Übertragungen reduzieren und das Gesundheitssystem entlasten

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In der vierten Welle der Corona-Pandemie beschäftigt uns aktuell vor allem die Frage, wann und ob eine Auffrischungs- oder Booster-Impfung sinnvoll ist und mit welchen Nebenwirkungen wir rechnen müssen. Wir haben darüber mit Prof. Sabine Wicker, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) gesprochen.

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SWR1: Wann ist der ideale Zeitpunkt, eine Corona-Impfung mit dem Impfstoff Biontech aufzufrischen?

Sabine Wicker: Das kommt auf denjenigen an, der sich impfen lassen möchte. Zuerst sollten jetzt die Ungeimpften geimpft werden. Wir haben immer noch 13 bis 14 Millionen Erwachsene in Deutschland, die noch nicht geimpft sind. Danach sollten all diejenige eine Booster-Impfung bekommen, die das größte Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Das sind, nach Definition der Ständigen Impfkommission (STIKO), Personen, die über 70 Jahre als alt sind, Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, und das Personal aus dem Medizin- und Pflegebereich. Das sind die Personengruppen, die das größte Risiko einer Infektion mit einem schweren Verlauf, oder das höchste Risiko für eine arbeitsbedingte Exposition haben. Bei diesen Personen liegt die Impfung in der Regel auch schon am längsten zurück. Wir haben Ende Dezember vergangenen Jahres mit den Impfungen begonnen und damals wurden diese Gruppen ja prioritär geimpft.

SWR1: Gilt das auch für die Impfung mit einem anderen als dem Biontech-Impfstoff?

Wicker: Die Booster-Impfung sollen ja mit einem MRNA-Impfstoff erfolgen. Dafür wird sowohl der Impfstoff von Biontech, als auch Spikewax verwendet. Bei Spikewax gibt es die Einschränkungen, dass dieser Impfstoff nur an Personen, die älter als 30 sind, verimpft werden soll. Bei Personen unter 30 haben wir bei diesem Impfstoff, im Vergleich zum Impfstoff von Biontech, ein etwas erhöhtes Risiko für eine Herzmuskel-, Herzbeutelentzündung gesehen. Alle über 30 können aber auch sehr gut mit dem Impfstoff von Moderna geimpft werden. Das ist ebenfalls ein sehr hocheffektiver Impfstoff. Da gibt es keinerlei Bedenken.

SWR1: Zu Beginn wurde die Booster-Impfung nur älteren Menschen empfohlen. Empfehlen Sie jetzt allen Menschen eine solche Auffrischungs-Impfung?

Wicker: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Booster-Impfung für alle, die älter als 18 sind. Bestimmte Personengruppen sollten allerdings prioritär geimpft werden, weil sie das größte Risiko für einen schweren Verlauf haben. Außerdem wird durch die Impfung dieser Personengruppen das Gesundheitssystem auch am ehesten entlastet. Nehmen wir mal an, Sie impfen einen 30-Jährigen gesunden Menschen ohne ein arbeitsbedingtes Risiko, so hat der auch sechs Monate nach der Zweitimpfung noch einen sehr, sehr guten Impfschutz vor einem schwerwiegenden Krankheitsverlauf. Hier geht es primär um den Aspekt der Reduktion von Übertragungen. Um gerade jetzt in der vierten Welle mit der steigenden Belastung der Intensivkapazitäten das Gesundheitssystem zu entlasten, geht es darum, diejenigen zu impfen, die das größte Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf haben. Und das sind nun mal die älteren und die vorerkrankten Personengruppen.

SWR1: Muss ich, wenn ich bereits nach der ersten und/oder zweiten Impfung eine heftige Impfreaktion hatte, auch bei der Booster-Impfung mit Fieber, Übelkeit und so weiter rechnen?

Wicker: Das ist wahrscheinlich, denn die Nebenwirkungen oder die unerwünschten Reaktionen bei der Booster-Impfung entsprechen nach den Literaturdaten ungefähr den Reaktionen bei der zweiten Impfung. Aber: Was ist denn die Alternative? Wir sehen im Moment Fallzahlen, die wir uns vor wenigen Wochen oder Monaten kaum hätten vorstellen können. Vielleicht geht es mir nach der Impfung ein, zwei Tage nicht so gut und ich habe erhöhtes Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Die Frage ist, ob ich das nicht lieber für einen guten und sehr robusten Impfschutz, den ich dann nach der Booster-Impfung habe, in Kauf nehme?

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SWR1: Sagt eine eventuelle Impfreaktion etwas über die Stärke des Immunsystems aus?

Wicker: Das ist nicht zwangsläufig der Fall, es können auch persönliche Faktoren eine Rolle spielen. Wir wissen manchmal gar nicht, warum manche Menschen überhaupt gar keine Nebenwirkungen haben und andere Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Also können wir auch nicht zwangsläufig sagen, dass jemand, der eine starke Impfreaktion oder Impf-Nebenwirkungen zeigt, unbedingt deutlich mehr Antikörper bildet, während jemand, der gar keine Impfreaktionen zeigt und es gar nicht merkt, eben keinen Schutz ausbildet. Da besteht keine direkte Korrelation.

Das Gespräch führte Steffi Stronczyk.

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