Langzeit-Studie der Hamburg City Health Study

Auch milde Corona-Verläufe können Organe schädigen

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Erste Erfahrungen mit der Omikron-Variante des Coronavirus haben gezeigt, dass bei einer Corona-Erkrankung in der Regel mit einem leichten Verlauf zu rechnen ist.

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Langfristig kann eine Erkrankung aber Folgen für einzelne Organe haben, so das Ergebnis der aktuellen "Hamburg City Health Study"(HCHS).

Die Forscher untersuchen bei der größten lokalen Langzeit-Gesundheitsstudie der Welt ursprünglich die Auswirkungen von Volkskrankheiten, wie Herzinfarkte oder Demenz. Da viele Probanden an Corona erkrankten, konnte - im Vergleich zu den Teilnehmern ohne eine Infektion - ein Einfluss der Corona-Infektion auf bestimmte Organe festgestellt werden. Belastbare Langzeit-Daten gibt es jedoch nur für Menschen ohne eine Impfung, da es zum Studienstart noch keine Impfung gab. Wie sich eine Corona-Infektion auf Geimpfte auswirkt, ist laut der Studie noch nicht ganz klar.

Professor Dr. Stefan Blankenberg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Professor Dr. Stefan Blankenberg Picture Alliance

Wir haben mit dem Studienleiter Prof. Stefan Blankenberg vom UKE gesprochen. Er empfiehlt allen Omikron-Genesenen, sich nach einem halben Jahr genau untersuchen zu lassen.

SWR1: Welche Organe waren am häufigsten betroffen?

Prof. Stefan Blankenberg: Die Spuren, die das Virus in den Organen hinterlassen haben, finden sich besonders häufig in den Nieren, der Lunge und dem Herzen, aber auch in den venösen Gefäßen. Die gute Nachricht ist, dass wir auch mit MRT zum Beispiel das Gehirn untersucht und Psyche und auch das Wohlbefinden erfragt haben. Hier ist alles normal.

SWR1: Wie stark sind diese Organ-Einschränkungen?

Blankenberg: Sie sind nicht besonders stark. Es kann sogar sein, dass man sie überhaupt nicht spürt. Aber umso wichtiger ist es, dass man dem auf den Grund geht. Wenn Sie sich vorstellen: Sie haben eine leichte Einschränkung der Pumpfunktion des Herzens. Wenn Sie diese aber nicht spüren, wirkt sich das eventuell in zehn bis 20 Jahren aus und es kann eine Herzschwäche auftreten.

SWR1: Das klingt wie eine Entwarnung, ist es aber nicht, oder?

Blankenberg: Es ist alles nicht so schlimm. Man muss nur Sorgfalt walten lassen. Wenn ich ein Augenmerk darauf habe und nach einem halben bis dreiviertel Jahr meinen Hausarzt aufsuche, eine Blutentnahme veranlasse, um Nierenwerte und auch den Herzwert bestimmen zu lassen, und da ist alles normal, ist es nicht schlimm. Weichen die Werte von der Norm ab, so sollte dem mit einer Ultraschall-Untersuchung oder einem Lungenfunktionstest nachgegangen werden. Wenn sich dort etwas zeigt, kann dem medikamentös entgegengewirkt werden. Dann habe ich die Sache unter Kontrolle. Die Information ist eigentlich das Wichtige.

SWR1: Was ist jetzt die Schlussfolgerung aus diesen Ergebnissen? Wie sollte die Politik handeln?

Blankenberg: Wir sind Ärzte, Ärztinnen und Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Wir können nur das darlegen, was wir sehen. Ich kann nur empfehlen, dass man ungeimpft Personen noch mehr schützt. Letztlich hat das Auftreffen des Virus auf einen ungeimpften und nicht geschützten Körper nicht nur eine akute Folge - und das haben wir gelernt - es kann auch eine chronische Folge haben. Und die manifestiert sich dann erst zehn Jahre später.

Das Interview führte SWR1 Moderator Michael Lueg.

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