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Freiburg verhängt wegen der Corona-Krise eine eingeschränkte Ausgangssperre. Hier gab es zuletzt Corona-Partys oder Gruppentreffen im Park. Warum Menschen sich nicht an an die Distanz-Regeln halten, dazu der Mainzer Psychiater Klaus Lieb.

Junge Leute sitzen in einer Parkanlage. Sie werden von Polizisten angesprochen. In Zeiten von Corona gilt es, Distanz zu wahren. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
In Zeiten von Corona gilt es, Distanz zu wahren. picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Eine Gruppe von Leuten sitzt eng und fröhlich im Park zusammen. In Zeiten von Corona kann einem da der Kragen platzen, doch der Mainzer Psychiater Klaus Lieb rät, weiterzugehen. "Ich denke, dass man sich da schwierige Kommentare einfängt, wenn man die Ordnungspolizei spielt", sagt Psychiater Klaus Lieb von der Universitätsmedizin Mainz. Er empfiehlt eher auf Abstand zu gehen. Genau das ist ja das Gebot in Corona-Zeiten.

Viel eher als Ermahnungen von Mitbürgern könne die Debatte um die drohende Ausgangssperre Menschen zur Vernunft und zu einer Verhaltensänderung bringen, glaubt er.

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"Man geht immer davon aus, mich wird es ja nicht treffen."

Psychiater Klaus Lieb

Lieb erklärt sich das Verhalten bei Corona-Partys oder anderen engen Zusammentreffen von Menschen so, dass diejenigen das Risiko einer schwerwiegenden Covid-19-Erkrankung als nicht so hoch einschätzen. "Man geht immer davon aus, mich wird es ja nicht treffen. Wir sind ja alle nicht erkältet", erklärt er.

Coronakrise berührt das Solidarische in uns

Ein Umdenken könne auch geschehen, indem man sehr klar darauf hinweise, dass es ja nicht nur um den Schutz der eigenen Person geht, sondern um den Schutz der anderen. "Der Appell an das Solidarische in uns müsste hoffentlich dazu führen, dass wir eine Veränderung bekommen.“ Lieb kommt aber zu der Einschätzung, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger sich an die Vorschriften zur Wahrung der Distanz halten.

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Sollte doch eine bundesweite Ausgangssperre kommen und nicht nur eine regionale wie in Freiburg, "dann hätten wir echt ein Problem, dann müssten wir zuhause sitzen und die Polizei würde uns überprüfen", sagt Lieb. Als Psychiater befürchtet er, dass sich in dem engen Raum Emotionen zu sehr konzentrieren könnten.

Corona-Ausgangssperre birgt Sprengstoff

"Menschen, die sich gerne mal aus dem Weg gehen, sitzen plötzlich zusammen", führt er aus. In mancher Ehe oder Familie sei das Reden oder das Zusammenleben nicht mehr eingeübt. "Das hat natürlich erheblich Sprengstoff." Er prognostiziert, dass es dann sicherlich einige Krisen geben werde und er und seine Kollegen sehr viel zu tun haben dürften, um diese Krisen wieder einzufangen.

Die Maßnahmen, die tief in den Alltag vieler Bürger eingriffen, bereiteten bereits erste Probleme. Diese dürften sich in den kommenden Wochen weiter zuspitzen, Streitigkeiten würden zunehmen. Außerdem dürfte sich vielerorts Langeweile einstellen. "Man wird Schwierigkeiten haben, die Kinder zu beschäftigen."

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Angst der Menschen vor Bankrott ernst nehmen

Psychiater Lieb rät dazu, einen Tagesablauf einzurichten. "Das ist ein Stresstest jetzt für Deutschland, aber ich denke, man kann das bewältigen." Sehr wichtig sei es nun, den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Wem etwa ein Bankrott oder eine Entlassung drohe, der müsse Unterstützung bekommen. Es sei wichtig, dass finanzielle Hilfen, die Bund und Länder zugesagt hätten, auch griffen. Ansonsten dürfte es zu Verzweiflungssituationen kommen.

Wer im Homeoffice arbeiten könne, dem rät Lieb sich Routinen einzurichten. Regelmäßiges Schlafen, Essen, Pausen machen und ein Ende zu finden, seien wichtig. Schon im Normal-Modus sei Homeoffice schwierig. Jetzt komme die Situation hinzu, dass auch Kinder und Ehepartner noch Zuhause seien - das bedeute zusätzlichen Stress.

Weitere Tipps und Empfehlungen zur Stärkung der psychischen Gesundheit finden Sie auf der Homepage des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung.

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