Alleinerziehende Elternteile

"Viele standen mit dem Rücken zur Wand"

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Das traditionelle Familienbild - Vater, Mutter und zwei Kinder - ist überholt. Es gibt auch immer mehr Alleinerziehende. Diese kämpfen im Alltag mit Herausforderungen.

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"Corona hat im Grunde ganz deutlich gemacht, wo die strukturellen Mängel und Schwachstellen in unserer Gesellschaft sind und wie anfällig unsere Unterstützungssysteme sind, zum Beispiel die Kinderbetreuung für Alleinerziehende", kritisiert Monika Wilwerding vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Rheinland-Pfalz die Situation in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Geschlossene Kitas, Homeschooling und dazu noch Homeoffice: "Viele standen mit dem Rücken zur Wand und waren völlig am Ende ihrer Kräfte", weiß Wilwerding.

Zahl der Alleinerziehenden nimmt zu

Dabei hat die Zahl der Alleinerziehenden in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen. Laut Bundeszentrale für politische Bildung gab es im Jahr 2019 rund 1,5 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter, 1996 waren es nur 1,3 Millionen. Damit sind in Deutschland laut Bundesfamilienministerium fast 20% der Eltern alleinerziehend.
Diesen vielen Menschen konnte der "Verband Alleinerziehender Mütter und Väter" während der Pandemie helfen, indem sie über Rechte informierten, Kontakte herstellten oder eine Kinderbetreuung für den Notfall einrichteten, so Wilwerding.

Alleinerziehende stärken

"Wir denken, dass viele alleinerziehende Eltern sehr erschöpft sind und dass sie vor allem Möglichkeiten der Erholung und Stärkung bräuchten. Zum Beispiel müsste der Zugang zu Mutter-Kind-Kuren erleichtert werden", fordert Monika Wilwerding. Finanziell können Alleinerziehende einen Entlastungssbeitrag in Anspruch nehmen, der ihnen dabei helfen soll, finanziell besser über die Runden zu kommen.

Alleinerziehende Mutter (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)
Fast 90% der Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung/Bundesfamilienministerium) picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose

Es gibt auch positive Aspekte

Ein Kind alleine aufzuziehen ist dabei nicht per se schlecht. "Es gibt Alleinerziehende, die sich von vornherein dafür entschieden haben, ihr Kind alleine zu erziehen, und andere, die an der Krise einer Trennung oder Scheidung wachsen und die plötzlich ihr Organisationstalent erkennen. Unter anderem sind sie erleichtert, dass sie eine zerstörerische Beziehung hinter sich lassen können und endlich Ruhe für sich und ihre Kinder finden.", sagt Monika Wilwerding. Trotzdem müsse beachtet werden, dass all das von manchen Elternteilen auch negativ erlebt werden kann. Alleine sein und Entscheidungen ohne Partner treffen zu müssen, könne belastend sein. Doch auch hier kann der Verband helfen.

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