Mangel an Migranten im Handball  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, bild pressehaus)

Zu wenig Nachwuchs mit Migrationshintergrund? "Es steckt überhaupt keine Absicht dahinter"

Der Deutsche Handballbund steht in der Kritik. Er fördere zu wenig Nachwuchs mit Migrationshintergrund. Absicht sieht Sportwissenschaftler Klaus Cachay dahinter aber nicht.

Lange Zeit habe der Deutsche Handballbund (DHB) gar nicht wahrgenommen, dass kaum Kinder mit Migrationshintergrund diese Sportart betreiben, sagt der Bielefelder Sportwissenschaftler Klaus Cachay im Gespräch mit SWR1. Es gehe hier gar nicht um die misslungene Integration von Flüchtlingen in den Sport, sondern um die zweite und dritte Generation der Einwanderer. "Das sind die Türken, die Jugoslawen und im süddeutschen Raum auch sehr viele Italiener. Von denen spielt keiner Handball", sagt Cachay.

Lieber Fußball statt Handball

Das habe aber nichts mit mangelnder Sozialisierung zu tun. In den Schulen würden den Kindern alle Sportarten nähergebracht. Dennoch würden sich viele für Fußball entscheiden. "Bestimmte Eltern wollen, dass ihre Söhne Fußball spielen, weil sie dort sehen, dass man mehr Geld verdienen kann."

Viele Möglichkeiten, das Blatt zu wenden, habe der Deutsche Handballbund nicht. Er müsse mit Trainern in die Schulen gehen und die Sportart vorstellen. "Und so versuchen, die Kinder in die Vereine zu bekommen." Einige Vereine seien, so Cachay, damit bereits erfolgreich gewesen.

WDR-Beitrag bringt Thema wieder ins Rollen

Der WDR hatte den Mangel an Nachwuchssportlern mit Migrationshintergrund aufgegriffen. In den sozialen Medien hatte der Beitrag für Kritik gesorgt. Die Mitgliederzahl beim Deutschen Handball geht seit Jahren zurück.

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