Offenes Fläschchen mit Globuli auf einem grünem Blatt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER; Fotograf Jens Schmitz)

Heilkraft oder Glaube Das Geschäft mit der Homöopathie

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Wer Globuli oder andere homöopathische Mittel kauft, soll sie auch selbst bezahlen: Was in Frankreich 2021 Realität ist, wird nun auch in Deutschland diskutiert.

Sie heißen Arsenicum album, Bryonia oder auch Camphora: Globuli sind winzig kleine weiße Streukügelchen, deren nachweisbarer Hauptbestandteil zumeist normaler Haushaltszucker ist. Der Rest ist dann Glaube, sagen die Kritiker. Denn die homöopatisch verdünnten Wirkstoffe sind in den Globuli oftmals in so geringer Dosis enthalten, dass man sie im Labor gar nicht mehr richtig nachweisen kann. Trotzdem schwören viele Menschen auf ihre Heilkraft, etwa bei Bienenstichen, Heuschnupfen oder Kopfschmerzen.

Experten halten Globuli für Placebos - Markt boomt

Viele Experten halten Homöopathie hingegen eher für Scharlatanerie und sagen, der Nutzen solcher Globuli gehe über den Placebo-Effekt nicht hinaus. Mit anderen Worten: Der Glaube an deren Heilkraft führt letztlich zur Genesung. Nichts anderes.

Fest steht jedenfalls: Der Markt für solche homöopathischen Mitteln ist riesengroß. Deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro - nämlich rund 670 Millionen Euro - wurden mit homöopathischen Mitteln im Jahr 2018 umgesetzt. Das berichtet etwa der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). In gut neun von zehn Fällen tragen übrigens die Verbraucher selbst die Kosten für solche Mittel.

Kostenübernahme durch Krankenkassen umstritten

In den übrigen Fällen aber verordneten Ärzte die Therapie auf Rezept. Manche Krankenkassen übernehmen dann sogar die Kosten. Das ist allerdings hoch umstritten. Denn eigentlich dürfen die Krankenkassen nur anerkannt wirksame Therapien erstatten. Doch genau so ein wissenschaftlich anerkannter Beweis für den Nutzen der Homöopathie fehlt bislang. Viele Krankenkassen scheinen sich also durch die Kostenübernahme der Homöopathie einen Wettbewerbs- oder Marketingvorteil zu versprechen.

In Frankreich wird diese Erstattung nun ab 2021 gestrichen. Diese Entscheidung hat nun auch in Deutschland eine Debatte um Sinn und Unsinn der Homöopathie ausgelöst.

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