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Seit dem 15. Februar wird in den Impfzentren in Rheinland-Pfalz auch der Astrazeneca-Impfstoff verimpft. In der ersten Impfgruppe sind rund 20.000 Mitarbeiter aus Gesundheitsberufen. Es gibt aber schon erste Pfleger und Ärzte, die sich mit diesem Impfstoff nicht impfen lassen wollen.

Sie befürchten, dass der Impfstoff von Astrazeneca nicht genügend schützt. Die Wirksamkeit liegt bei rund 70 Prozent. Zum Vergleich: Bei Biontech und Moderna sind es über 90 Prozent.

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Darüber haben wir mit Mainzer Virologen Professor Bodo Plachter gesprochen. Einer der Pfleger sagt: Dieser Impfstoff ist für ihn wie Russisch Roulette - hat er Recht? 

Bodo Plachter: Es gibt belastbare Daten aus Studien, die durchgeführt wurden. Da ist es tatsächlich so, dass auch dieser Impfstoff einen relativ guten Schutz vermitteln kann. Es wird eben nur argumentiert, dass bei älteren Menschen der Schutz nicht so gut ist, wie beim Impfstoff beispielsweise von Biontech. Das ist allerdings darauf zurückzuführen, dass in der Studie in der Altersgruppe relativ wenige freiwillige Probanden teilgenommen haben. Dadurch ist natürlich die statistische Belastbarkeit in dieser Altersgruppe relativ schlecht. Aber im Prinzip gibt es keinen Hinweis darauf, dass dieser Impfstoff nicht auch sehr gut wirksam sein sollte.

SWR1: Ein anderer Punkt ist, dass der Astrazeneca-Impfstoff offenbar nicht gegen die Mutation aus Südafrika schützt. Ist das für Sie ein Argument, auf die Impfung erstmal zu verzichten?

Plachter: Auch das stimmt nicht so ganz. Die Datenlage ist noch sehr dünn, aber was diese Daten besagen, ist, dass eben dieser Impfstoff nicht so gut gegen die Infektion geschützt hat. Sehr wohl aber offensichtlich gegen sehr schwere Erkrankungen und auch den Tod. Das heißt, man kann sich zwar immer noch infizieren, aber es gibt trotzdem einen entsprechenden Schutz. Wir wissen auch noch nicht so ganz genau, wie zum Beispiel Biontech- oder Moderna-Impfstoffe gegen diese Mutante wirken. Das ist alles noch so ein bisschen im Fluss.

SWR1: Welche Auswirkungen hat das auf unser Gesundheitssystem, wenn jetzt Menschen unter 65 den Astrazeneca-Impfstoff nicht möchten?

Plachter: Es ist zunächst eine individuelle Entscheidung jedes Einzelnen, ob ich mich gegen eine sehr schwere Erkrankung schützen möchte oder ich das Risiko eingehe. Das kann man im Prinzip auch nicht empfehlen, sondern muss das, wie bei allen anderen Impfstoffen, tatsächlich jedem Einzelnen überlassen.

SWR1: Dass wir uns ja überhaupt den Kopf um den Stoff machen, ist ja auch neu. Bei der Impfung gegen Grippe zum Beispiel fragen wir ja auch nicht danach, oder?

Plachter: Das ist normalerweise tatsächlich so. Wir gehen halt zum Arzt und lassen uns gegen Grippe impfen. Wir schauen nicht, was auf der Ampulle draufsteht. Diese Grippe-Impfstoffe sind auch nicht so viel besser, beziehungsweise zum Teil sogar schlechter. In manchen Altersgruppen ist man froh, wenn man 50 bis 60 Prozent Schutz durch den Grippe-Impfstoff erreicht. Wir argumentieren da schon auf einem relativ hohen Niveau, was diese Corona-Impfstoffe angeht.

Das Interview führte SWR1 Moderatorin Birgit Steinbusch

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