Frank Elstner spricht über seine Krankheit und schildert seine ersten Krankheitssymptome. © SWR (Foto: SWR)

Interview mit dem Neurologen Jens Volkmann

Parkinson - Symptome, Behandlung und mögliche Ursachen

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"Dann zitter ich halt. Leben trotz Parkinson" heißt das Buch von Frank Elstner. Der Moderator teilt damit das Schicksal von rund 400.000 Menschen im deutschsprachigen Raum.

Wir haben mit dem Co-Autor und seinem behandelnden Neurologen Prof. Jens Volkmann über die Krankheit und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.  

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SWR1: Warum erkranken so viele Menschen an Parkinson?

Jens Volkmann: In der Tat ist es so, dass die Zahl der Menschen mit Parkinson zugenommen hat. Zum einen liegt das an der zunehmenden Alterung der Bevölkerung. Aber wir wissen aus Schwellenländern wie China oder Indien, in denen die Industrialisierung stark voranschreitet, dass offensichtlich auch Lebensstil-Faktoren, Industrialisierung und Umweltverschmutzung wahrscheinlich eine Rolle spielen. Denn dort nimmt Parkinson überproportional zum Altersdurchschnitt zu.

SWR1: Was sind die klassischen Symptome der Krankheit, bei denen sie raten, Sie einfach mal beim Arzt abklären zu lassen?

Volkmann: Das definierende Symptom ist tatsächlich die Bewegungsverlangsamung, dass die Bewegungen kleiner werden, dass man sie nicht mehr so schnell ausführen kann. Dazu kommen dann in variablen Ausprägungen noch eine Muskelsteifigkeit, Haltungsstörungen oder auch das Zittern. Während die anderen Symptome häufig als Zeichen des Alterns verkannt werden, ist das Zittern der Punkt, an dem die meisten Menschen merken, dass irgendwas nicht stimmt.

ein älterer Mann hat Schmerzen in Fingern und Händen (Foto: imago images, IMAGO / Panthermedia)
Zittern kann ein Parkinson-Symptom sein und sollte von einem Arzt abgeklärt werden. IMAGO / Panthermedia

SWR1: Wie wird die Krankheit behandelt?

Volkmann: Die Erkrankungen können wir heute gar nicht behandeln. Das Fortschreiten dieser Nervenerkrankungen ist zurzeit noch nicht behandelbar. Was wir behandeln können, ist der Mangel an dem Botenstoff Dopamin, der durch das Absterben Dopamin produzierenden Zellen passiert. Das ist eine sehr gute Behandlung des Parkinson-Syndroms, also der Bewegungsverlangsamung des Zitterns, der Muskelsteifigkeit. Diese Symptome können wir lindern durch einen Dopamin-Ersatz oder alternativ auch durch Schrittmacher-Systeme, die diese chemische Reizung durch Dopamin durch eine elektrische Reizung ersetzen.

SWR1: Ihr Patient Frank Elsner versucht positiv zu bleiben, hat aus der Krankheit sogar ein Buch mit ihnen geschrieben. Wie wichtig ist die persönliche Einstellung?

Volkmann: Die Einstellung ist bei jeder chronischen Erkrankung das Allerwichtigste. Es ist ganz schwierig, wenn man sich bei der Erkrankung zu sehr darauf fokussiert, was man nicht kann und was im Vergleich zur früheren Zeit als Gesunder verloren geht. Das macht natürlich traurig, hoffnungslos und man ist Antriebsgemindert. Ganz wichtig ist es zu wissen, dass diese Erkrankung einen lange begleiten wird, aber dass man nicht daran stirbt. Wichtig ist sich darauf zu fokussieren, was man gegen die Erkrankung machen und was man für ein gutes Leben mit der Erkrankung haben kann. Das Buch soll genau dabei helfen.

Buchcover: Jens Volkmann, Frank Elstner "Dann zitter ich halt - Leben trotz Parkinson" (Foto: Piper Verlag)
Buchcover: Jens Volkmann, Frank Elstner "Dann zitter ich halt - Leben trotz Parkinson", ISBN-10: 3492071120, Piper Verlag Piper Verlag

SWR1: Welche Faktoren beeinflussen die Erkrankung oder lösen sie aus? Und wie kann ich möglicherweise vorbeugen?

Volkmann: Wir wissen heute im Einzelfall noch nicht ganz genau, wie die Parkinson-Krankheit entsteht. Es gibt genetische Faktoren. Es gibt auch Umweltfaktoren, die identifiziert sind. Aber wie die Wechselwirkung ist und wie im einzelnen Fall bei einem Menschen die Parkinson-Krankheit zustandekommt, ist völlig unbekannt. Insofern ist auch das Vorbeugen sehr schwierig.

Es gibt ein paar allgemeine Hinweise. Wir wissen, dass Kopfverletzungen das Risiko von Parkinson erhöhen und Umweltbelastungen und der Einsatz von Pestiziden das Parkinson-Risiko erhöhen. Deswegen ist Parkinson zum Beispiel in Frankreich als Berufserkrankung bei Winzern und bei Bauern unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt. Im Einzelfall ist es natürlich schwierig. Es gibt auch Menschen, die Parkinson bekommen und in ihrem Leben nie mit einem Pestizid zu tun gehabt haben.

Das Interview führte SWR1 Moderatorin Steffi Stronczyk.

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