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Ungebetene Gäste aus den Tropen Neue Zeckenarten in Deutschland

Über den heißen und trockenen Sommer 2018 haben sich die tropischen Zecken (Hyalomma) sicherlich gefreut, die von Forschern der Uni Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) an verschiedenen Tieren entdeckt wurden. In Deutschland waren es mindestens 38 Exemplare, davon vier in Rheinland-Pfalz.

Sollten die Temperaturen des letzten Jahres kein Einzelfall bleiben, kann sich diese Zeckenart womöglich in Deutschland etablieren und weiter ausbreiten – das befürchten zumindest die Wissenschaftler. Besonders beunruhigend: Ein Exemplar trug den Zecken-Fleckfieber-Erreger in sich.

Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock

Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock

Dr. Lidia Chitimia-Dobler, Zeckenexpertin am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) erläutert: "Hyalomma-Zecken haben wir hier in Deutschland zu diesem Zeitpunkt (Sommer 2018) noch nicht erwartet. Bisher gab es lediglich zwei Einzelfunde in den Jahren 2015 bis 2017." Vermutlich wurden die Tiere über Vögel eingeschleppt, haben sich in Deutschland aber wohl noch nicht etabliert. Das muss aber nicht so bleiben - bei der afrikanischen "Braunen Hundezecke" haben Forscher Hinweise gefunden, dass sich diese Art in Deutschland auch über die kalte Jahreszeit entwickeln konnte.

Folge der Klimaerwärmung?

Diese Entwicklung ist für Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim, nicht überraschend. "Wegen der Klimaerwärmung ist bei uns grundsätzlich mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum beispielsweise hat sich inzwischen bis nach Dänemark ausgebreitet."

Gefährlicher Krankheitserreger in einer aufgefundenen Hyalomma-Zecke

Die heimischen Zecken können bekannterweise Borreliose oder FSME übertragen. Die neu entdeckte Zecke (Hyalomma) gilt als Überträger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers (CCHF), des Arabisch-Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers, dessen Erreger bei einem Exemplar tatsächlich auch gefunden wurde. Daneben sind sie wichtige Überträger tropischer Erkrankungen bei Nutztieren. Was die Zeckenart besonders gefährlich macht: "Sie ist eine sogenannte Jagdzecke. Sie kann uns sehen und läuft auch aktiv auf uns zu", so Prof. Dr. Ute Mackenstedt.

Steckbrief Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes

Ursprüngliche Heimat: Trocken- und Halbtrockengebiete Afrikas, Asiens und Südeuropas
Merkmale: gestreifte Beine und viel größer als der normale Holzbock