Neue Klamotten hängen an einer Stange. (Foto: Colourbox)

Folgen der Corona-Pandemie

Verbrennen Textilhersteller ihre Neuware?

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Die Umweltorganisation Greenpeace fürchtet, dass eine große Vernichtungswelle von fabrikneuer Kleidung droht. Anstatt die Ware einzulagern, würden die Hersteller sie nun verbrennen.

Durch die Corona-Pandemie bleiben viele Klamottenhersteller auf ihrer Ware sitzen: Die Textilbranche kündigt für Ende des Monats eine halbe Milliarde unverkaufter Modeartikel an. Denn das Schließen der Geschäfte im Frühjahr und jetzt im Winter hat zur Folge, dass auf diesem Weg kein Verkauf stattfinden kann.

Üblicherweise werden alte Kollektionen zunächst eingelagert, um sie dann nach und nach als Sonderangebote zu verkaufen. Durch Corona hat sich die Lage jedoch so sehr zugespitzt, dass es zu einem enormen Stau in den Lagern der Hersteller kommt. Es gibt zwar die Möglichkeit, Ware an Restpostenhändler zu verkaufen, die sie dann international verbreiten - aber auch die leiden unter den Corona-Einschränkungen. Secondhand-Läden sind ebenfalls geschlossen oder setzen viel weniger ab.

Für den Textilhandel ist jetzt vorrangig, möglichst viel Ware noch zu Geld zu machen, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Doch mit Prozentaktionen oder Rabatten wird man den Berg an Ware sicher nicht komplett loswerden. Doch warum spendet man die Kleidung nicht, anstelle sie zu verbrennen?

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Überfüllte Container: Altkleidermarkt an seinen Grenzen

Der Altkleidermarkt ist nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr zusammengebrochen. Erste Großstädte wie Hamburg entfernen ihre Altkleidercontainer bereits, weiß Alice Thiel-Sonnen aus der SWR-Umweltredaktion. "Nach unzähligen Spenden und überlaufenden Containern wissen sie nicht mehr, wohin mit den Kleidern. Das hat sich auch vor Corona schon abgezeichnet." Die Textilbranche setze auf "Fast Fashion" - in einem einzigen Jahr würden zehn bis zwanzig Kollektionen auf den Markt gebracht werden. Solch eine schnelle Mode habe den Altkleidermarkt an seine Grenzen gebracht. Und zudem sind auch dort durch die Corona-Pandemie keine Abnehmer mehr da.

Eine Spende ist insgesamt nicht unbedingt im Interesse der Geschäftsleute. Die Umsatzsteuer müssen sie nämlich trotzdem zahlen und würden somit sogar noch mehr Verlust machen. Aus der Sicht der Hersteller ist eine Spende deswegen die letzte aller Lösungen - sogar noch nach dem Verbrennen.

Die Altkleider-Container sind vielerorts schon überfüllt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Altkleider-Container sind vielerorts schon überfüllt Picture Alliance

Darf einwandfreie Mode einfach verbrannt werden?

"Da es sich um ihr Eigentum handelt, kann man den Herstellern nicht einfach sagen, was mit der Kleidung zu passieren hat", erklärt SWR-Umweltexpertin Alice Thiel-Sonnen. Seit Oktober 2020 gibt es aber ein Gesetz aus dem Bundesumweltministerium, das besagt, dass Hersteller und Handel mit ihrem Eigentum verantwortungsvoll umgehen müssen. Das nennt sich "Obhutspflicht".

Das Gesetz ist eigens dafür gedacht, dass unverkaufte Mode oder Retoursendungen nicht einfach vernichtet werden dürfen. Stattdessen sollen die Hersteller prüfen, wie sie die Produkte noch verwenden können. Das heißt also: Reparieren, Rabatte, Spenden. "Leider ist die passende Verordnung zum Gesetz noch in Arbeit. Für das akute Problem kann das also noch nicht greifen. Aber es soll noch in diesem Jahr kommen."

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