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Kohlenmonoxid beim Grillen und Shisha-Rauchen Die unterschätzte Gefahr

Während Steaks und Grillkäse über der Glut brutzeln - oder beim Shisha-Rauchen - entsteht ein gefährliches Gas: Kohlenmonoxid. Bereits in geringen Mengen kann es die Gesundheit schwer schädigen.

Junge Menschen grillen im Park

Die Grillsaison ist in vollem Gang - es raucht, stinkt und Kohlenmonoxid macht sich breit

Ein Bericht von Alexander Drechsel, SWR Reporter und Recherche

Häufig wird die Kohlenmonoxid-Gefahr unterschätzt. Es gibt immer wieder tödliche Unfälle, weil der Grill bei Regen beispielsweise in die Garage oder gar ins Wohnzimmer gezogen wird. Doch selbst wenn das Garagentor oder die Balkontür geöffnet bleiben, reicht die Belüftung nicht. Schnell kann es lebensgefährlich werden oder zu Gesundheitsschäden kommen.

Heizpilze, Shisha-Rauchen, Grillen - Kohlenmonoxid gibt es überall

Shisha

Auch Shisha-Pfeifen und Heizpilze produzieren schädliches Kohlenmonoxid

Gleiches gilt für Heizpilze, die unter der Markise oder in der Garage betrieben werden. Überall, wo beispielsweise Kohle, Gas, Benzin oder Holz brennt, entsteht meist auch Kohlenmonoxid. Experten schätzen, dass jedes Jahr etwa 4.000 Menschen wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung im Krankenhaus behandelt werden.

Kathrin Begemann vom Bundesinstitut für Risikobewertung sieht auch eine Gefahr beim Shisha-Rauchen, da viele der Wasserpfeifen mit Kohle geheizt werden. "Es wird ja häufig in Shisha-Bars geraucht. Das sind oft kleine Räume, in denen viele Leute sitzen und von daher auch viele dieser Shishas benutzt werden. Diese Mengen im geschlossenen Raum, wo keine ausreichende Belüftung herrscht, können dazu führen, dass Konzentrationen an Kohlenmonoxid entstehen, die zu Gesundheitsschäden führen."

Noch nach Jahren Schädigung der Gesundheit - Medizin machtlos

Dass das Gas tödlich sein kann, ist allgemein bekannt. Aber nur wenige wissen, dass Kohlenmonoxid auch das Nervensystem angreift. Menschen können noch Jahre später schwer erkranken. Herzbeschwerden, Gedächtnisverlust oder psychiatrische Erkrankungen sind einige der möglichen Folgen, erklärt der Freiburger Uni-Professor Joachim Müller-Quernheim. Die Medizin sei weitestgehend machtlos, sagt der Lungenfacharzt. Es fehlten Medikamente und Methoden, um die Ursache für die Erkrankungen zu behandeln.

Eine schnelle Diagnose sei ebenfalls nicht möglich, so Müller-Quernheim. "Leider können wir nicht abschätzen, was die Langzeitkonsequenzen sind, weil wir die Messinstrumente dafür nicht haben."

Kohlenmonoxid-Warner in der Entwicklung

Kolorimetrische Gas-Sensoren

Im Sensor des Fraunhofer IPM Freiburg reagieren Farbstoffe auf Gase

Wenn die Medizin nur bedingt helfen kann, muss Vorsicht walten. Ein Instrument dafür wären Kohlenmonoxid-Warner, die in gefährdeten Räumen - wie etwa Shisha-Bars - angebracht werden. Es gibt solche Geräte. Aber es ist eine teure Technik, die zusätzlich zu Rauchwarnmeldern installiert werden muss.

Das will das Fraunhofer Institut in Freiburg ändern. Die Wissenschaftler tüfteln seit Jahren an einer Kombination von Rauch- und Kohlenmonoxid-Warnern in einem Gerät. Günstig soll es auch sein. Sie treiben die Entwicklung ihres Prototypen intensiv voran.

Das Zusammenführen von Rauchmeldern und Kohlenmonoxid-Warnern hat noch einen weiteren großen Vorteil: Kohlenmonoxid entsteht bei einem Brand früher als Rauch. Auch dringt es viel leichter durch Wände. Die Kombinationsgeräte könnten in Zukunft also auch bei Hausbränden noch früher anschlagen.

Online: Heidi Keller, Christine Trück